The Vision Bleak
Interview zum neuen Album "Witching Hour"

Interview

The Vision Bleak

Die Horror Metaller THE VISION BLEAK haben mit „Witching Hour“ jüngst ein Album herausgebracht, dass nicht nur die Stärken aller vorhergegangenen Alben in einem vereint, sondern das darüber hinaus auch ganz einfach so ein starkes Album voller Hits ist – klare Sache, dass wir nochmal bei der Band nachgehakt haben. Lest hier, was Schwadorf, seines Zeichens Gitarrist, Bassist, Co-Keyboarder und Co-Sänger von THE VISION BLEAK, zu „Witching Hour“ zu sagen hat!

The Vision Bleak

Moin Schwadorf!
Lass uns doch gleich mit eurem neuen Album „Witching Hour“ anfangen, das ja jetzt schon ein oder zwei Wochen draußen ist. Habt ihr da schon Reaktionen bekommen? Und wie sind die ausgefallen?

Sowohl von der Presse als auch von Seiten der Fans ist das Feedback sehr gut ausgefallen, sehr positiv.

„Witching Hour“ ist ja jetzt euer mittlerweile fünftes Album – wo siehst du denn die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten zu den Vorgängern?

Ich finde, das Album ist eine gute Mischung aus allem, was wir bisher gemacht haben. Die Platte hat auf der einen Seite ein bisschen den Rock-Vibe und das Straighte vom Debütalbum, aber auf der anderen Seite auch die atmosphärischen Parts, wie wir sie auf der „Set Sail To Mystery“ hatten, und auch ein paar der eher thrashige Riffs von der „The Wolves Go Hunt Their Prey“. Ich denke, insgesamt ist’s eben eine gute Mischung aus allem, hat aber auch so eine gewisse Frische, die der letzten Platte vielleicht gefehlt hat.

Dem würde ich so zustimmen – und inwiefern war das geplant? Also, habt ihr euch von vornherein gesagt, so und so soll die Platte klingen?

Nein, wir sind eigentlich keine Band, die richtig plant, was auf dem nächsten Album sein soll. Es war bei uns meistens so, dass der erste Song, der für die Platte geschrieben wird, bestimmt, wie sie werden wird. Der erste Song für „Witching Hour“ war „Cannibal Witch“, also ein Song, der ohne viel Keyboard auskommt, ein zwar irgendwo doomiger Song, der in der Instrumentierung aber so einen richtigen Rock-Vibe hat. Das hat dann irgendwie den Sound für die ganze Platte geformt. Ich meine, natürlich sind das viele, individuelle Stücke, aber man kann schon sagen, dass das Album weniger keyboardlastig als das davor ist, es gibt zum Beispiel keine großen Orchester-Passagen. Und es war uns wichtig, wieder ein bisschen die Frische des Debütalbums einzufangen. Das Unverfangene, nicht zu viel darüber nachzudenken, nicht alles zwei oder drei Male zu überdenken, sondern einfach mal dem Bauchgefühl zu folgen.

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Ist das nicht sehr schwer? Ich stell’s mir zumindest schwierig vor …

Das ist sogar sehr schwierig. Wir haben das gemacht, indem wir versucht haben, uns zum Beispiel nicht von den ganzen Entscheidungen ablenken zu lassen, die um die Platte herum getroffen werden müssen. Stattdessen haben wir uns bewusst gesagt, nein, wir machen jetzt ERST das Album, dann kümmern wir uns um alles andere, also darum, was für Formate es gibt, was für Bonusmaterial, wann wir auf Tour gehen und der ganze Rattenschwanz, der hinten dranhängt. Das haben wir im Prinzip alles erst entschieden, nachdem die Platte fertig war.

Dann hätte ich eine Frage zu den Texten auf „Witching Hour“ – und zwar geht es ja diesmal rund um das Thema „Hexen“. Zunächst einmal: Wie ist das entstanden?

Das Hexenthema hat eigentlich schon ziemlich lange in meinem Kopf herumgespukt. Eigentlich war angedacht, dass ich vielleicht mal für einen Song was über Hexen mache, aber als ich mich mit dem Material beschäftigt habe, ist mir aufgefallen, dass das alles einfach wahnsinnig viele Themen für Songs hergibt. So haben wir uns entschieden, eine Konzeptplatte über Hexen zu machen.

Ich wollte eigentlich immer mal dieses ganz klassische Märchenmotiv musikalisch vertonen, dieses klassische „Waldrand + Hexe“. Angedacht war wie gesagt erst nur ein Song, der sich mit der Thematik beschäftigt, dann kam aber eben der „Cannibal Witch“, der sich um die Baba Jaga dreht, eine Hexe aus der russischen Folklore. Und dann haben wir uns entschlossen, dass sich eben die ganze Platte um das Hexenthema drehen wird.

Wo du „Konzeptalbum“ sagst – es gibt auf „Witching Hour“ aber keine Geschichte, die von A bis Z erzählt wird, oder?

Nee, es muss ja nicht immer eine Geschichte von A bis Z sein, um ein Konzeptalbum zu sein. Das haben wir ja zum Beispiel auf der „Carpathia“ gemacht, aber hier dreht sich einfach jeder Song um das Thema Hexen aus verschiedenen Blickwinkeln. Natürlich fängt die Platte damit an, dass eine Hexe geboren wird – „A Witch Is Born“ und endet mit „The Valkyrie“, also dem Tod – das ist aber unbewusst passiert, auch wenn ich glaube, dass das Unbewusste im Endeffekt immer einen Einfluss auf das hat, was man erschafft.

Auf euren bisherigen Alben habt ihr euch ja immer auch von klassischen Autoren beeinflussen lassen, zum Beispiel von Lovecraft oder auf der letzten Platte auch von Lord Byron. Gab es denn auch für „Witching Hour“ Werke, die direkt oder indirekt als Einfluss gelten können?

Als feststand, dass wir dieses Konzeptalbum zum Thema Hexen machen, habe ich natürlich erstmal ziemlich viele Bücher gewälzt und nach Stoffen gesucht, und auch gegoogelt um zu gucken, was es alles gibt. Es gibt jetzt aber nicht das eine Werk eines Schriftstellers, das uns inspiriert hat. Natürlich gibt es da den „Hexenmeister“, der ja aus dem „Faust“ kommt – Faust aber nicht unbedingt von Goethe, das ist ja auch eher eine „halb-mythologische“ Gestalt in der deutschen Geschichte. Es war eigentlich so, dass ich zunächst die Themen ausgewählt habe, was passt gut, was lässt sich super in Texte umwandeln, was passt zur Musik, also eher klassisch recherchiert.

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Okay, dann hätte noch ein paar Fragen zur aktuellen Tour. [Das Interview fand auf dem Konzert in Oberhausen statt. – Anmk. d. Red.]
Und zwar habt ihr ja bereits ein paar Dates gespielt – wie war denn bisher der Eindruck davon, wie sich das neue Material in das ältere einfügt? Und wie wird es angenommen?

Sehr gut, muss ich sagen. Ich hatte selten das Gefühl, dass eine Setlist so super ausgewogen war wie auf dieser Tour. Wir haben Songs von allen Platten dabei und es fühlt sich beim Spielen alles super an, auch die neuen Sachen, die sich super integrieren. „The Wood Hag“ kommt zum Beispiel live total gut an – klar, weil den die Leute durch das Video schon vorher gekannt haben -, aber wir spielen auch „Cannibal Witch“, „Hexenmeister“ und „The Blocksberg Rite“, also vier Songs von der Platte, und die fühlen sich alle sehr schlüssig an.

Hast du denn zufällig schon von ein paar Höhepunkten zu berichten? Oder gab’s irgendwelche witzigen Anekdoten?

Witzige Anekdoten passieren auf einer Tour eigentlich ständig, da gibt’s jeden Tag irgendwas, aber … naja, what happens in the bus, stays in the bus, hehe.

Höhepunkte … die besten Gigs waren bisher sicherlich Berlin und gestern Arnheim. Die zwei Shows waren am besten besucht und auch vom Feedback her am coolsten. Montag in München und Dienstag in Darmstadt war … na ja, unter der Woche ist halt immer schwierig.

Ihr seid ja mit drei Bands aus den unterschiedlichsten Genres auf Tour [nämlich mit den Death Doomern SATURNUS und den Folk Black Metallern DORDEDUH – Anmk. d. Red.], was bei euch ja auch schon öfter vorgekommen ist.

Ja, das machen wir eigentlich immer so.

Was steckt denn dahinter, warum?

Also, auf der einen Seite ist es natürlich so, dass die unterschiedlichen Bands auch unterschiedliche Leute anziehen – ein SATURNUS-Fan ist nicht zwingend THE VISION BLEAK-Fan und ein THE VISION BLEAK-Fan nicht unbedingt ein SATURNUS- oder DORDEDUH-Fan, und so kann sich gegenseitig ganz gut die Bälle zuspielen. Außerdem gefällt mir auch die Musik beider Bands sehr gut, insofern also eine ideale Angelegenheit für alle Bands.

Ich hatte eh schon öfter den Eindruck, dass ihr erstaunlich viel Publikum aus dem Black- und Death-Metal-Bereich anzieht – also, ich merk’s ja an mir selbst, ich komme auch eher aus der Black- und Death-Schiene. Kannst du den Eindruck bestätigen?

Ich glaube, wir ziehen generell Leute aus sehr vielen verschiedenen Metal-Bereichen. Wir haben sicherlich viele Black-Metal-Fans, viele Death Metaller, auch viele Gothic-Fans … ich denke, das ist bei uns eine relativ bunte Mischung. Und mir geht’s ja im Grunde genauso – in erster Linie höre ich Metal. Ob sich eine Band Black Metal oder Death Metal oder Doom Metal nennt, das ist mir egal, ich hänge nicht so sehr an Schubladen, muss ich ehrlich sagen. Aber das Publikum ist bei uns schon ziemlich gemischt, das stimmt schon.

The Vision Bleak

Eine etwas generellere Frage – und zwar produzierst du ja auch viele unterschiedliche Bands unterschiedlicher Genres. Beeinflusst das auch deine eigene Musik?

Ja, ganz klar. Ich muss gestehen: Ich höre in meinem Privatleben fast keine Musik. Ich bin ja an einem normalen Tag neun Stunden im Studio und höre dort Musik, da gibt es nur ganz wenige Sachen, die mich danach dann noch reizen – und meistens sind die Sachen, die ich mir dann privat anhöre, kein Metal. Das ist dann BRANDON PERRY oder DEAD CAN DANCE oder sowas, unterschiedliche Sachen.

Aber die Arbeit im Studio inspiriert mich total, klar. Ich meine, du arbeitest mit einer Band an einem bestimmten Part, der gefällt dir total gut und bleibt dir den ganzen Tag im Kopf, den nimmst du dann natürlich mit. Das geht dann sicherlich auch in die eigene Musik, aber auch wieder in die Arbeit mit anderen Bands ein – man lernt ja dabei, dass man sowas machen oder eben so nicht machen kann, und was funktioniert fließt dann natürlich auch in meine eigene Musik ein.

Zum Abschluss:
Bei einer Horror-Metal-Band natürlich naheliegend, kannst du einen Klassiker der Horrorliteratur und des Horrorfilms empfehlen, den jeder THE VISION BLEAK-Fan kennen sollte?

Ähm … viele. Echt schwer. Aus der Literatur kann man sicherlich „Shadow Over Innsmouth“ von Lovecraft nennen und für den Film … puh … würde ich glaube ich den originalen „Wolfman“ als Referenzwerk ansehen.

Und gibt es modernere Werke, die du empfehlen kannst?

Ja, es gibt ein Buch, das ich total liebe, „Eaters Of The Dead“ von Michael Crichton [dt.: „Schwarze Nebel“ – Anmk. d. Red.], das war die Romanvorlage für den Film „Der 13. Krieger“. Den würde ich auch als moderneren Film empfehlen. Das ist zwar jetzt kein Horrorfilm, aber er hat schon Elemente aus dem Horror.

Gut, das war’s von mir – ich danke! Irgendwelche letzten Worte?

Ja, danke auch. Jeder, der auf Metal steht, der atmosphärisch, aber auch energetisch ist, sollte sich unser neues Album mal anhören!

Galerie mit 4 Bildern: The Vision Bleak - Prophecy Fest 2017
16.10.2013

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