The Vision Bleak
Ein kleiner Vorgeschmack auf "Set Sail To Mystery"

Special

Es scheint unglaublich, aber das letzte Lebenszeichen der deutschen ‚Horror Metal‘-Gruppierung von THE VISION BLEAK in Form von „The Wolves Go Hunt Their Prey“ hat schon wieder über zweieinhalb Jahre auf dem musikalischen Buckel. Genau aus diesem Grund machen die beiden Ausnahmemusiker Ulf Theodor Schwadorf und Allen B. Konstanz nun wieder die Massen unsicher und präsentieren dieser Tage ihr neustes Machwerk „Set Sail To Mystery“. Grund genug, um mit Markus alias U.T. Schwadorf ein wenig über die neuen Songs zu sprechen. Folgend erfahrt ihr die textlichen sowie musikalischen Hintergründe der neuen Titel und was, wie und warum THE VISION BLEAK eigentlich ausmacht. Viel Spaß mit einer ungewöhnlichen „Listening Session“ in Worten…

The Vision Bleak

„Set Sail To Mystery“. Acht Songs und ihre konzeptionellen Hintergründe. Markus, let’s go…

„A Curse Of The Grandest Kind“

„A Curse Of The Grandest Kind“ stammt von Lord Byron und ist ein Auszug aus seinem Drama „Manfred“. Dabei handelt es sich um eines meiner Lieblingsstücke der Weltliteratur. In den letzten zehn Jahren haben wir uns textlich schon oft darauf bezogen und es wurde nun endlich an der Zeit, das Ganze der Öffentlichkeit zu präsentieren, denn es bedeutet mir extrem viel. Musikalisch stellt es ein Thema dar, dass sich im Laufe der Spielzeit immer mehr aufbaut, sich zuspitzt und komplett ohne Gitarren auskommt und auf reiner Orchestrierung basiert.

„Descend Into Maelstorm“

…ist eine Geschichte von Edgar Allen Poe. Es geht um einen Fischer, der zusammen mit seinem Bruder von einem Mahlstrom – einem Strudel in der See – verschlungen wird. Die letzte Möglichkeit der Rettung, die dem Fischer bleibt, ist, direkt in den Mahlstrom zu springen, um wieder nach oben zu kommen. Das Ganze ist für mich eine sehr metaphorische Geschichte. Der Mahlstrom kann für Vieles stehen, einen Mahlstrom in der Seele zum Beispiel. Etwas, das dich nach unten zieht und die einzige Chance zu entkommen, ist, sich der Sache zu stellen und in das Auge des Sturms zu blicken. Musikalisch ein sehr mitreißender, schnellerer Song mit „stürmischem“ Mittelteil und Old School Entombed Riffing, das auf große Orchestrierungen trifft.

„I Dined With The Swans“

…ist eigentlich ein sehr untypischer Song für THE VISION BLEAK. Der Song ist langsam, sehr atmosphärisch und hat sich irgendwie zu einem meiner Favoriten entwickelt. Das Lied ist zwar sehr simpel aufgebaut, ist aber gerade deshalb sehr effektiv. Textlich geht es um Peter Kürten, den „Vampir von Düsseldorf“ (Anm. Red.: deutscher Serienmörder, 1883 – 1931). Der faszinierende Aspekt an Kürten ist aber aus unserem Blickwinkel nicht, dass er ein Massenmörder war. Kürten hat – so sagt man – bevor er seine Morde beging, das Blut von Schwänen getrunken. Das ist einfach ein grandioses Bild, ein bizarrer Gedankengang. Der Schwan stellt für uns die Reinheit dar. Dass er zuerst das Reine, das Weiße töten musste, bevor er einen Menschen umbringen konnte, ist für einen grausamen Menschen wie ebenjenen Peter Kürten ein sehr überraschender und poetischer Gedanke. Es geht also nicht um die Morde an sich, sondern um dieses Bild, das ich dabei vor Augen hatte und habe.

„A Romance With The Grave“

…ist im Prinzip der härteste, straighteste und auch schnellste Song auf der gesamten Platte. Der Text beinhaltet sehr viel „Augenzwinkern“. Man kann ihn auch als ironisch, aber durchgehend poetisch bezeichnen.

The Vision Bleak

„The Outsider“

…ist auf jeden Fall der ‚Hit‘ der Platte. Bis dato gab es noch kein THE VISION BLEAK-Album ohne H.P. Lovecraft und auf „Set Sail To Mystery“ ist es eben „The Outsider“ geworden. Es geht dabei darum, sich selbst zu erkennen. Es handelt von jemandem, der in Katakomben erwacht, hat aber keine Ahnung, wie er dahin gekommen ist, wie lange er schon da ist und wer er eigentlich ist. Er entflieht letztendlich aus diesen Katakomben, steht vor einem Spiegel und erkennt sich selbst als eine Art Ghul oder Dämon. Der Song hat auch wieder etwas sehr Metaphorisches an sich und eine psychologische Tiefe die vielen guten „Horrorgeschichten“ anhaftet. Ich denke, es gibt nichts Schlimmeres und Erhebenderes gleichzeitig, als sich selbst wahrhaftig zu erkennen und darum geht es im Text von „The Outsider“.

„Mother Nothingness (The Triumph Of Ubbo Sathla)“

Der Song basiert auf einer Geschichte von Clark Ashton Smith (Anm. Red.: US-amerikanischer Dichter, Bildhauer und Maler, 1893-1961) und beschreibt einen nihilistischen, total verzweifelten Hintergrund. Der Grundgedanke ist: Wir kommen alle aus dem Nichts und kehren alle wieder in das Nichts zurück. Das ist eine sehr erschreckende Vorstellung für einen Menschen, der religiös oder auf eine gewisse Art und Weise spirituell ist. Dass wir aus dumpfem, gedankenlosem Schleim kommen und dorthin wieder zurückkehren, ist ein wahrhaftig grausamer Gedanke. Musikalisch ist es der außergewöhnlichste Song auf der Platte, da es eigentlich ein reiner Doom-Song ist. Trotz allem ist das sehr bezeichnend für „Set Sail To Mystery“, da wir uns sehr wenig Gedanken darüber gemacht haben, was THE VISION BLEAK für die Hörer ausmacht, was den Fans oder den Medien gefallen könnte, sondern einfach nur an jenen Songs gearbeitet haben, die sich gut angefühlt haben und „Mother Nothingness“ fühlt sich für uns nach wie vor richtig gut an!

„The Foul Within“

…ist für unsere Verhältnisse ein sehr progressiver Song mit vielen polyrhythmischen Sachen, schrägen Harmonien und diversen Taktwechseln. Textlich behandelt er das sehr interessante Thema der dämonischen Besessenheit. Wie kommt es dazu? Ist es wirklich das, was wir denken was es ist? Ist die menschliche Psyche wahrhaftig so stark, dass sie so etwas selbst erschaffen kann? Ich finde diese Gedanken sehr faszinierend.

„He Who Paints The Black Of Night“

Damit sind wir schon beim letzten Song der Platte angelangt. „He Who Paints The Black Of Night“ ist ein wenig an Oscar Wilde’s „Picture Of Dorian Grey“ angelehnt, aber nur insofern, dass der Text einen ähnlichen Grundgedanken auffasst. Ein Künstler, der mit seinem Kunstwerk, mit seinem Schaffen eins werden kann, ist eine sehr aufwühlende, interessante Vorstellung. Ein symbiotisches Verhältnis, indem nicht nur der Künstler das Kunstwerk erschafft, sondern auch in umgekehrter Richtung.

Galerie mit 4 Bildern: The Vision Bleak - Prophecy Fest 2017
12.03.2010

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