Coming-Home-Tour 2016
Ein Abend mit Pain, The Vision Bleak, Billion Dollar Babies und Dynazty

Konzertbericht

Billing: Pain, Billion Dollar Babies, Dynazty und The Vision Bleak
Konzert vom 23.10.2016 | Turock, Essen

PAIN kommen zurück nach Hause. Denn zumindest in Sachen Verkaufszahlen geht Deutschland problemlos als zweite Heimat für das Tägtgren’sche Tanz-Metal-Projekt durch. Mit dem aktuellen Studiowerk „Coming Home“ im Gepäck, schicken sich die Schweden also an einem zugigen Sonntagabend an, das kurz vor dem Ausverkauf stehende Essener Turock in einen Hexenkessel zu verwandeln.

Mitgebracht aus Schweden haben Peter und Co. ein haariges Bandduo bestehend aus BILLION DOLLAR BABIES und DYNAZTY. Den quotendeutschen Co-Headliner machen niemand Geringeres als die Gothic-Metal-Veteranen von THE VISION BLEAK.

Haariger Hard Rock aus Schweden im Vorprogramm

Pünktlich um 19 Uhr entern BILLION DOLLAR BABIES die Bühne – und zumindest rein optisch kann man sich nicht ganz sicher sein, ob man es hier nicht auch mit einer Hair-Metal-Parodie á la STEEL PANTHER zu tun hat. Netzhemdchen, Fellboa und offene Lederjacke auf nackter Hühnerbrust sind jedenfalls am Start. Durch sympathisches Auftreten und ehrliche Spielfreude gewinnt die Truppe das Turock aber schnell für sich und ihren breitbeinigen Hard Rock. Am Ende gibt es ein Selfie mit der Crowd und sogar der Kalauer zu Setbeginn („Essen! Are you eating a lot?“) ist längst verziehen.

BILLION DOLLAR BABIES heizen dem Essener Turock ein

BILLION DOLLAR BABIES heizen dem Essener Turock ein.

Nach exakt einer Viertelstunde Umbaupause wird es plötzlich eng auf der Bühne. Fünf haarige Hühnen, die sich allesamt vor das bereits im Hintergrund thronende Drumset des Headliners drängen müssen, kriegt die Bühne nur so gerade eben noch unter. DYNAZTY sind noch ein gutes Stück metallischer und lauter als BILLION DOLLAR BABIES. Die vielfach eingesetzten Gesangsharmonien geben dem Dargebotenen eine gute Power-Metal-Note. DYNAZTY bringen den mittlerweile ziemlich vollen Innenraum trotz eingeschränkter Bewegungsfreiheit gehörig zum Kochen. Die Haare fliegen und vielfach wird bereits aus voller Kehle mitgesungen. Ein besonderes Schmankerl gibt es zwischendurch in Form eines eindrucksvollen Basssolos. Auch die zweite Band des Tages lässt sich das Selfie mit dem behörnten Publikum am Ende natürlich nicht nehmen.

Bei DYNAZTY wird es im Turock voller, lauter und metallischer

Bei DYNAZTY wird es im Turock voller, lauter und metallischer.

Galerie mit 26 Bildern: Dynazty - Coming Home Tour 2016

„Can you say Kutulu?“

Der Zeitplan ist an diesem Abend ein Paradebeispiel deutscher Pünktlichkeit. Wieder vergehen ziemlich exakt 15 Minuten, bis die Düsterheimer von THE VISION BLEAK loslegen. Deren deutlich dunklerer Sound- und Stimmungskatalog ändert nicht daran, dass die Fäuste sich zuverlässig in die Höhe recken. Neben dem Painhead ist der Hoodie mit der Aufschrift „Can you say Kutulu“ an diesem Abend ein unter den Versammelten durchaus häufig anzutreffendes Stück Merchandise. Allen B. Konstanz hat sich bei seiner Bühnenpersönlichkeit eindeutig von einem gewissen Till Lindemann inspirieren lassen. Die steife und majestätische Gestik des Sängers kommt einem bekannt vor, funktioniert aber auch hier hervorragend. Die Publikumsinteraktion beschränkt sich auf ein paar trockene „Dankes“ – aber man will ja auch nichts kaputt reden. Die Atmosphäre bei THE VISION BLEAK stimmt jedenfalls und auch der stampfende Sound weiß zu gefallen. Fast 50 Minuten lang heizen die Deutschen ein, dann ist es an der Zeit für PAIN.

Galerie mit 26 Bildern: The Vision Bleak - Coming Home Tour 2016

Tägtgren und PAIN liefern ab

Gut, sofort noch nicht, denn Tägtgren und Mitstreiter haben (licht)technisch ordentlich aufgefahren. Das will alles angetestet werden. Als der Meister dann aber gegen kurz vor 22 Uhr in weißer Zwangsjacke durch die Strobostrahlen tritt, hat er sofort alle Aufmerksamkeit. PAIN starten ihr Set mit dem brandneuen Western-Banger „Designed To Piss You Off“. Danach geht es Schlag auf Schlag. Die Singles von „Coming Home“ reihen sich nahtlos zwischen alte und neuere Gassenhauer ein. „The Great Pretender“ von „You Only Live Twice“ fehlt genau so wenig wie bewährte Hits á la „End Of The Line“ und „Monkey Business“. Die Technik hat dem Headliner eindeutig noch ein paar Dezibel mehr zugestanden. Drums und Gitarren hacken mächtig in die zuckende Zuschauerschaft.

PAIN sind eine Live-Macht.

PAIN sind eine Live-Macht.

Dem Mädchenpit in der zweiten Reihe scheint das so aufs Gemüt zu schlagen, dass es zu Handgreiflichkeiten zwischen zwei Kampfhennen kommt. Nach zwischenzeitlicher Schlichtung flammt das Ganze einen Song später wieder auf – diesmal unter Einbezug der männlichen Begleiter. Und siehe da: Maskuline Metalheads ziehen sich scheinbar gegenseitig an den langen Haaren, um ihre Dominanz zu beweisen. Dabei dominiert hier und heute sowieso nur das Langhaar mit den Augenringen auf der Bühne. Peter Tägtgren kreischt, keift, singt, röhrt, mal emotional, mal fies, aber immer on point und immer mit dem richtigen Quäntchen Show. Auch seine Mitmusiker geben sich keine Blöße und erschaffen zusammen ein massives Soundfundament, das auch den Allerletzten zum Headbangen und Tanzen bringt. Zwischendurch gibt es Gimmicks in Form eines über die Bühne kriechenden Painheads und der Joakim-Brodén-Puppe aus dem „Call-Me“-Video, die den Feature-Gesang vom Band stilecht live begleitet. Deutlich über eine Stunde lang brennt das Turock und am Ende müssen selbst die glühendsten HYPOCRISY-Anhänger zugeben, dass man dem Herrn Schreihals durchaus auch mal in einer PAIN-Phase ein bis zwei Ohren leihen kann und verdammt nochmal sollte.

Galerie mit 40 Bildern: Pain - Coming Home Tour 2016
24.10.2016

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