Scardust
Sandstorm Over Berlin

Konzertbericht

Billing: Scardust, Stimmgewalt und Bartok
Konzert vom 15.07.2018 | Musik & Frieden, Berlin

Bei Israel und Metal denkt man erst mal an ORPHANED LAND. Ganz so abwegig ist der Gedanke an dieser Stelle gar nicht, denn SCARDUST haben mit ihren bekannten Landsmännern nicht nur eine (Gast-)Sängerin gemeinsam, sondern auch eine Verbindung zum Berliner „HardChor“ STIMMGEWALT. Dieser ist am heutigen Abend auch vertreten. Ebenfalls befreundet sind sie mit VAN CANTO. Deren Mitglied Jan Moritz wird sich heute auch die Ehre geben. SCARDUST haben es aber nicht nötig, sich hinter bekannten Namen zu verstecken, denn sie überzeugen mit ihrem Progressive Metal auch im Alleingang. Alles Weitere ist nur die Kirsche obendrauf.

Fotos von Andrea Friedrich.

BARTOK

Galerie mit 14 Bildern: Bartok - Sandstorm Over Berlin 2018
Die Berliner Band mit internationalen Mitgliedern fackelt nicht lange, nachdem sie mit nur minimaler Verspätung die Bühne betritt. Diese BARTOK sollte man aber nicht mit den spanischen Progressive Metallern verwechseln, denn hier steht heute Hardcore auf dem Programm. Eigentlich war man ja davon ausgegangen, wegen STIMMGEWALT bei dieser Show nur „HardChor“ serviert zu bekommen, denn BARTOK passen mit ihrer Musik eher schlecht als recht ins Konzept des Abends. Musikalisch schlagen sie sich für eine erst 2017 gegründete Band aber auf jeden Fall ganz gut.

Ihr Zusammenspiel funktioniert passabel, auch wenn Bassist und Gitarrist eher gelangweilt wirken, während der Sänger ein wenig zu sehr versucht, „sick“ zu sein. Insgesamt vielleicht ein wenig zu stumpf im Vergleich dazu, was später noch geboten werden wird. Nach ca. einer halben Stunde eher nondeskriptiver Musik mit dafür ordentlicher Umsetzung und einer Lawine an platten Ansagen wie „we’re gonna play some more shit“ und „two more songs and then we’re gonna fuck off“ hat sich das Kapitel BARTOK dann auch erledigt.

STIMMGEWALT

Für eine kleine Überraschung sorgt der selbst titulierte „HardChor“ mit einem kurzen a cappella Soloauftritt, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Ausgegangen waren wir davon, dass STIMMGEWALT nur zusammen mit den Headlinern SCARDUST auf der Bühne stehen würden. Nach einem etwas holprigen Start, bei dem sich die zahlreichen Mitglieder erst mal auf der doch recht überschaubaren Bühne arrangieren müssen, geht es passenderweise mit „All Is One“, einem Cover von ORPHANED LAND, los. Passenderweise deshalb, weil es auch eine Verbindung zwischen den Israelis und ihren Landsleuten von SCARDUST gibt.

Konzertfoto von Stimmgewalt - Sandstorm Over Berlin 2018

Stimmgewalt – Sandstorm Over Berlin 2018

Weiter geht es mit Stücken, die unter anderem von VAN CANTO und ASP stammen. Auch mit VAN CANTO haben STIMMGEWALT sich eine Band ausgesucht, die nicht nur thematisch passt, sondern auch etwas mit dem heutigen Abend zu tun hat. Sänger Jan Moritz ist als Special Guest bei SCARDUST angekündigt. Von ASP gibt es „Ungeschickte Liebesbriefe“, dessen Elektro-Beat als Beatbox umgesetzt wird und das mit einer Mischung aus Chor- und Soloeinlagen die bisher meiste Abwechslung bietet. In der ersten Reihe wird sogar getanzt.

SCARDUST

Galerie mit 18 Bildern: Scardust - Sandstorm Over Berlin
Nach einer kurzen Umbaupause, in der dafür gesorgt werden muss, dass gleich bis zu 16 Personen gleichzeitig auf die kleine Bühne passen, steigen SCARDUST gleich voll in ihr Set ein. Umgeben von den Sängerinnen und Sängern von STIMMGEWALT müssen die Musiker aufpassen, keine zu ausladenden Bewegungen zu machen, doch die hier versammelte Mannschaft scheint sich schon im Voraus gut eingespielt zu haben. Ab dem zweiten Song, „Eyes Of Agony“, steigt der Chor dann auch stimmlich mit ein. Es zeigt sich augenblicklich, dass der Effekt seine Wirkung nicht verfehlt.

Die Stimme, die sich kraftvoll über alle anderen erhebt und dabei auf sämtlichen Tonlagen jeden Ton trifft, ist aber die von SCARDUST-Sängerin Noa Gruman. Umso mehr beeindruckt sie dann mit ihren Growls, die ebenfalls sehr cool kommen. Die Stücke werden nun auch zunehmend progressiver, und die Anzahl und Geschwindigkeit der Tempowechsel nimmt schon beim zweiten Song zu. An vierter Stelle kommt dann das Stück, das die meisten Anwesenden wahrscheinlich am besten kennen. Zu „Arrowhead“ gibt es auch ein schniekes Musikvideo.

Konzertfoto von Scardust - Sandstorm Over Berlin 2018

Scardust – Sandstorm Over Berlin 2018

Gitarrist Yadin Moyal beweist wenig später, dass auch er mit einem Goldkehlchen gesegnet ist. Sein Klargesang ist ebenfalls kraftvoll und passt wunderbar ins Gesamtkonzept. Zwischen zwei Songs erzählt Noa dann noch eine Anekdote, die davon handelt, wie sich für SCARDUST hier der Kreis schließt. Die Bekanntschaft mit STIMMGEWALT entstand nämlich in eben diesem Club, als sie als Gastsängerin mit ORPHANED LAND unterwegs war. Der darauffolgende Song „Queen Of Insanity“ wird dann mit Jan Moritz von VAN CANTO bestritten, der die Bühne noch ein wenig voller macht.

Das Set neigt sich dem Ende zu, da wird noch mal allen Beteiligten und Anwesenden gedankt. Zum letzten Song werden auf Geheiß der Band dann sämtliche Lichter im Club aus- und die Handylichter der Zuschauer angeschaltet. Es kann sich natürlich nur um eine Ballade handeln, und dementsprechend ruhig geht der SCARDUST-Auftritt dann auch zu Ende. Zumindest fast. Denn das Publikum lässt sich nicht lumpen und schreit nach einer Zugabe. Die kommt in Form von „Gravity“, das dann doch noch mal ballert und die Fans so mit Wumms entlässt.

Setlist
1. Tantibus I
2. Eyes Of Agony (ft. Stimmgewalt)
3. Dials (ft. Stimmgewalt)
4. Arrowhead (ft. Stimmgewalt)
5. Out Of Strong Came Sweetness (ft. Stimmgewalt)
6. Queen Of Insanity (ft. Jan Moritz von VAN CANTO)
7. Tantibus II
8. Sands Of Time (ft. Stimmgewalt)
9. Zugabe: Gravity (Shards pt.III)

Ein wenig länger hätte das SCARDUST-Set ruhig sein können. Vielleicht hätte man dafür auch auf den STIMMGEWALT-Auftritt verzichten können. Auszusetzen gab es daran zwar nichts, doch a cappella ist und bleibt Geschmackssache. SCARDUST, die mit dieser Minitour ihre ersten internationalen Auftritte haben, bekommt man dagegen nur selten zu sehen und hätte gerne mehr davon gehabt. Bleibt also zu hoffen, dass es die Truppe in Zukunft öfter in unsere Gefilde verschlägt.

20.07.2018

headbanging herbivore with a camera

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