
Six Feet Under und Embryonic Autopsy
Tour 2026
Konzertbericht
Der ewige Vergleich zwischen den alten und neuen CANNIBAL CORPSE mag den Herren Barnes und Owen auf den Sender gehen, Death-Metal-Fans der ersten Stunde werden gerade mit den jüngeren Werken aus dem Hause SIX FEET UNDER aber gerade im direkten Kontrast zu Platten wie „Eaten Back To Life“, „Butchered At Birth“ und „The Bleeding“ weiterhin berechtigt fragen, was das sein soll.
Mit „Next To Die“ haben SFU nicht nur ein neues Studio-Album veröffentlicht, die Band ist dazu auf ausgiebiger Konzertreise. Wir begeben uns an einem Mittwochabend ins Münchner Backstage und den Altersdurchschnitt des Publikums können wir augenzwinkernd als „rentennah“ bezeichnen. Erstaunlich wenige CANNIBAL-CORPSE-Shirts fallen uns auf, aber die Bands lassen sich rein musikalisch auch nicht miteinander in Verbindung bringen.
EMBRYONIC AUTOPSY überzeugen uns nur bedingt
Als Einheizer sind die, aus Chicago mitgebrachten Brutal-Deather von EMBRYONIC AUTOPSY im Einsatz. Der Gang auf die Bühne erinnert dabei erstmal mehr an Black Metal, denn die extrem grimmig dreinblickenden Musiker bewegen sich behäbig, Sänger Tim King lässt seine dunklen Haare übers Gesucht hängen und macht eine finstere Miene. Leider wird der Unterhaltungswert nicht besser, als das Konzert beginnt, denn der Sound lässt wirklich einige Wünsche offen. Wir hören nur Drums und die ultratiefen Growls, während wir die Gitarrensoli nur daran erkennen, weil wir sehen, wie der Gitarrist flinken Fingers über das Griffbrett saust. Einige Songs kommen wie eine Raubkopie der früheren Chris-Barnes-Werke daher, aber wie gesagt: Nur soweit wir das überhaupt beurteilen können.
Ein Prosit der Gemütlichkeit
Wie ausweglos King die Situation empfinden muss, wird uns klar, als er ernsthaft das Publikum fragt, ob Desperados als Biermarke klargeht. Die Mehrheit der Münchner:innen verneinen das, woraufhin Tim King verlauten lässt: „That´s why we are stupid fucking Americans“.
Der Sound wird indes ein wenig besser und ein, zwei Nummern sind auch wirklich nicht schlecht. Ansonsten bleibt es aber beim Einheitsbrei aus Gehirnmasse und Eingeweiden, den wir in dieser Metal-Sparte oft genug serviert bekommen. Später gönnt sich King ein weiteres Dosengetränk und feiert das deutsche Publikum, weil man nur hier solche Dinge treiben kann. Leider ist der folgende Jubelsturm der Höhepunkt des Gigs. Eigentlich handelt es sich bei EMBRYONIC AUTOPSY doch um recht umgängliche Burschen, die sich bescheiden und höflich mehrmals bedanken. Schade…
Der König betritt die Bühne
Kurz vor dem Beginn des Headliners (auf ein Plural verzichten wir an dieser Stelle), fällt uns auf, dass SIX FEET UNDER kein Backdrop hinter dem Drumriser platziert haben und die Tür zum Bühnenaufgang hektisch mit einer Stoffbahn händisch abgehängt wird. Ah – Chris Barnes ist im Anmarsch. Nachdem sich die Mitmusiker auf der Bühne platziert haben, geht ein kurzes und heftiges Raunen durch den Saal als Barnes im Zentrum des Geschehens auftaucht. Bis auf die leicht geduckte Haltung, macht der Mann aber einen guten Eindruck und auch das ein oder andere Lächeln zuckt um seine Mundwinkel.
Schon beim Auftakt „War Is Coming“ („Warpath“) kommt Bewegung in die Bude, wenngleich natürlich nicht ausufernd, sondern den Rhythmen angemessen zurückhaltend. Ein SIX-FEET-UNDER-Konzert eignet sich mehr für ein dezentes Wippen mit dem Kopf, als für ein ausgelassenes Headbanging. Allzu viel Bewegung strahlt allerdings auch nicht von der Bühne herab. Auf der linken Seite stehen sich Gitarrist Ray Suhy und Bassist Jeff Hughell unter den Füßen herum, weil ihr Bewegungsradius auf rund 10 Quadratzentimeter beschränkt ist. Auf der rechten Seite gibt sich Jack Owen als gereifter Gitarrist und könnte etwas kräftiger in die Saiten langen.
SIX FEET UNDER: A One Man Show
Als Drummer Ruston Grosse bei „Revenge Of The Zombie“ den Einsatz verpasst, entschuldigt er sich übertrieben mehrere Male bei Barnes, der den Song unterbricht und neu anfangen lässt. Auch das Publikum hängt an den Lippen des früheren CANNIBAL-CORPSE-Sängers und die Stimmung ist eigentlich viel zu gut für die Leistung auf der Bühne. Der Sound ist zwar gut abgestimmt, ballert aber ab der fünften Reihe kaum noch und auch wenn die Setlist fünf Tracks vom Debüt „Haunted“ aufweist, springt der musikalische Funke bei uns einfach nicht über.
„Next To Die“ würdigt die Band nur mit einem Song („Mister Blood And Guts“), während der Moment, auf den offensichtlich alle gewartet haben, ohnehin erst zum Ende des Sets eintritt. Das ausgerechnet die beiden CC-Klassiker „Stripped, Raped And Strangled“ und „Hammer Smashed Face“ auch die besten Songs des Abends darstellen, ist längst kein gut gehütetes Geheimnis mehr. Diese Songs mit Barnes am Mikro zu erleben, versetzt uns aber jedes Mal wieder in die wohligen Erinnerungen aus der Jungendzeit und das allein, macht den Abend schon lohnenswert.
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Oliver Di Iorio



















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