
Walpurgisnacht 2026
Die Hexen tanzen ein letztes Mal!
Konzertbericht
Was für ein Kontrast. Zitterte man sich im Dezember zum De Mortem Et Diabolum XI noch fröstelnd vom nicht allzu weit entfernten Hotel in Richtung ORWOhaus, ist pünktlich zum Tag der Arbeit und zur Walpurgisnacht 2026 erstmals dieses Jahr der Sommer ausgebrochen. Zwar fernab von sämtlichem Erster-Mai-Stress in der Hauptstadt, aber dennoch aufgeheizt präsentiert sich die Betonhölle rund um die Bezirksgrenze von Lichtenberg und Marzahn.
Freitag, 01.05.2026
Dementsprechend beeilt sich das lichtscheue Gesindel natürlich, in die kühle Halle zu noch kühlerem Bier und geradezu frostiger Musik zu gelangen. OK, ganz so klischeebeladen geht es dann doch nicht zu, im Laufe des Tages lümmeln sich doch eine Menge schwarz gekleideter Menschen auf den Wiesen und Bänken rund um die Location und genießen u.a. das hervorragende Essen des Food Trucks 7Slices bzw. dieses Mal 7Smash. Das Line-up ist dieses Jahr, für eine Walpurgisnacht, recht düster ausgefallen, die Farbtupfer, die sich nicht Black- oder Death Metal zurechnen lassen etwas rarer gesät. Das Publikum stört es offenbar nicht, ist die Halle doch letztlich von Beginn an recht ansehnlich gefüllt.
DIABOLISCHES WERK
Pünktlich um 14.30 Uhr beginnen DIABOLISCHES WERK vor immerhin schon etwa 200 blastbeat-hungrigen Fans ihr … nunja, diabolisches Werk. Das Quartett klingt zwar nicht so sehr nach Goten-Deutschrock, wie der Name suggeriert. Dennoch fragt man sich, wie sich irgendjemand so tief im 21. Jahrhundert einen solch pathosschwangeren Bandnamen wählen kann. Aber Schwamm drüber. Musikalisch gibt’s Blackened-Death-Standardkost, die tight gezockt und überwiegend motiviert dargeboten wird. ‘Überwiegend motiviert’, weil das nicht auf die gesamte, irgendwie nicht beisammen wirkende Band zutrifft. Positiv: Für den Drummer mit dem grandiosen Pseudonym Smellhammer ist es eine Leichtigkeit, während der Blastbeats noch Backing Vocals zu singen. Sieht man auch nicht alle Tage.
Galerie mit 20 Bildern: Diabolisches Werk – Walpurgisnacht Festival 2026

WILT
WILT schlagen in eine ganz andere Kerbe: fetter, unermüdlich nach vorn rödelnder Oldschool Death Metal schwedischer Prägung? Das geht prinzipiell immer. Zwar hat man wie bei vielen Bands dieser Richtung den Eindruck, diverse Parts schon mal auf den Klassikern von ENTOMBED und DISMEMBER gehört zu haben. Aber erstens sind ihre beiden Alben “Faces Of The Grave” und “Into Nothingness” richtig super und zweitens zeigen die vier Jungs eine ansteckende Begeisterung, die beim Abschlusssong “Rise From The Grave” diverse Fäuste in die Höhe zaubert. So sieht eine Band aus, die auf der Bühne steht und darauf sogar Bock hat. Apropos Ästhetik: Wenn an den Gitarren ein Linkshänder und ein Rechtshänder stehen, die beide Flying Vs spielen, sah das schon immer verdammt cool aus. Bonuspunkte gibt’s noch, weil WILT mit einem Sessiondrummer unterwegs sind, der das Set der Band in gerade mal vier Tagen gelernt hat.
Galerie mit 20 Bildern: Wilt – Walpurgisnacht Festival 2026

OUTLAW
Wer OUTLAW noch nicht kennt, dürfte ebenfalls etwas Anderes erwarten. Der Begriff suggeriert jedenfalls eher Rotz, geballte Fäuste und grobe Unhöflichkeit als nach innen gekehrte Melancholie und atmosphärische Flächen. Die wahldeutschen Brasilianer haben ihre jüngsten beiden Platten immerhin schon bei AOP Records veröffentlicht und spielen eine interessante Mischung aus ALCEST und DISSECTION. Die flächigen Parts verlieren sich jedoch nie in Langeweile und auch sonst ist die Musik der Herrschaften erfreulich abwechslungsreich. Überraschungshighlight!
Galerie mit 8 Bildern: Outlaw - Walpurgisnacht Festival 2026

IMHA TARIKAT
Mit IMHA TARIKAT beginnt die zweite Hälfte des ersten Tages. Die Essener, live u. a. verstärkt um THE-NIGHT-ETERNAL-Sänger Ricardo am Bass, sind eine der aktuell heißesten und am meisten diskutierten Bands im deutschen Black Metal. Die Band ist ein Gesamtkunstwerk, das in der Live-Performance seine volle Wirkung entfacht. Intensität und Leidenschaft sind die Säulen, auf denen ihre Darbietung steht und in der Tat gelingt IMHA TARIKAT ein fantastischer Spagat aus kaltem Black-Metal-Wahnsinn und menschlicher Nahbarkeit.
Während der Songs ist Frontmann Kerem ein impulsives Biest und wirkt gelegentlich wie in Trance. Zwischen den Songs hingegen umarmt er seine Bandkollegen brüderlich und bedeckt das Publikum mit Wertschätzung. Mit “Wicked Shrine”, “Sturm der Erlösung”, “Excellent Grief”, “Radical Righteousness” und dem dramatischen Abschluss “The Day I Died” lässt die Setlist kaum Wünsche offen. Nur die Gitarren hätten ein Stück lauter sein können.
Galerie mit 17 Bildern: Imha Tarikat – Walpurgisnacht Festival 2026

ONE OF NINE
Schalten wir mal die drückende Intesität einen Gang zurück und geben einem weiteren heißen Phänomen der aktuellen Black-Metal-Szene die Bühne: die Nazgûl-Schwarzheimer ONE OF NINE aus den USA stehen auf dem Programm und verkünden eher huldvoll den Schatten von Mordor. Komplett in passend schwarze Kutten gehüllt und mit theatralischer Gestik nehmen die vier Gestalten das Publikum mit auf eine Reise in die Welt von Mittelerde. Dabei geht es mal kühl und rasend, mal episch-emotional zu Werke, aber immer überaus stimmungsvoll. Den Schwerpunkt des Sets bildet das bockstarke aktuelle Werk „Dawn Of The Iron Shadow“ : ONE OF NINE künden hierin von der Suche nach den Simaril, verzweifelter Tapferkeit und dem Zeitalter der Ketten.
Auch das imposante Zweihandschwert, das seinen Platz am Bühnenrand gefunden hat, kommt zum Einsatz: Frontgeist Fellrider of Northern Unlight (fescher Name!) schwenkt es wiederholt langsam und unheilvoll über das Publikum. Abgerundet wird der gelungene Auftritt mit der Präsentation von geschmackssicherem Mittelerde-Merchandise in der Vorhalle. Eine eindrucksvolle Kombination aus Musik, Auftritt und Ästhetik: ONE OF NINE werden ihren Weg machen, soviel steht fest.
Galerie mit 9 Bildern: One Of Nine - Walpurgisnacht Festival 2026

LAMP OF MURMUUR
Es wird ein wenig lichter vor Bühne zum Auftritt von Ein-Mann-Projekt LAMP OF MURMUUR. Nach eigener Aussage von Mastermind M. unterstützen Mitglieder von DÖDSRIT LAMP OF MURMUUR bei der Live-Präsentation seiner Songs – entsprechend professionell und routiniert fällt der Auftritt am heutigen Nachmittag auch aus, sind die Crust-Black-Metaller doch live ebenfalls eine echte Bank.
Offensichtlich waren jedoch einige Fans speziell für ONE OF NINE da, im Anschluss an den Auftritt der Ringgeister wenden diese sich nun anderen Aktivitäten zu (z.B. Merchandise erwerben). Dennoch ist die Venue ordentlich gefüllt, denn auch LAMP OF MURMUUR eilt spätestens seit deren laufender Frühjahrs-Tour der Ruf voraus eine gute Show abzuliefern – auch das großartige aktuelle Album „The Dreaming Prince In Ecstasy“ dürfte einige Aufmerksamkeit generiert haben.
Optisch geben sich LAMP OF MURMUUR wie schwarz-weiße Gothic-Cowboys: Maskiert, geschminkt und wahlweise mit Cowboyhut oder Kapuze behütet wird Sänger und Gitarrist M. begleitet. Dieser wirft sich energisch in Vampirpose und knurrt und grummelt sich durch seine Songs, dass es eine wahre Freude ist. Mit diesem Habitus und einem zunehmend düsterrockigen Soundgewand erinnern LAMP OF MURMUUR an eine Mischung aus SOLSTAFIR und THE FIELDS OF THE NEPHILIM, was durch den phasenweise melancholischen Western-Sound noch zusätzlich unterstrichen wird. Diese Assoziation gilt jedenfalls immer dann und zumindest solange, bis wieder der melodische Black Metal das Ruder übernimmt und das Tempo anzieht. Spaß macht der Auftritt allemal, zu wenig Abwechslung bieten LAMP OF MURMUUR jedenfalls zu keinem Zeitpunkt.
Galerie mit 14 Bildern: Lamp Of Murmuur - Walpurgisnacht Festival 2026

THE NIGHT ETERNAL
Nicht nur nach der Doppelladung musizierender Kapuzengeister, sondern generell nach einem Tag voller Geballer sind THE NIGHT ETERNAL mit ihrem düsteren, aber klassischen Heavy Metal ein unheiliger Segen. Auch sie haben einen Drummer am Start, der das komplette Set in kürzester Zeit lernen musste. Für Jerome Reil, Sohn von KREATOR-Drummer Ventor, der an diesem Tag schon mit IMHA TARIKAT auf der Bühne stand und sonst aktuell bei EXUMER und HELLRIPPER die Feller verkloppt, ist das kein Problem. Als hätte er in seinem Leben bei keiner anderen Band gespielt, bildet er gemeinsam mit Aushilfsbasser Kerem (von IMHA TARIKAT) die tight pumpende Rhythmusgruppe einer Band, die ein letztes Mal mit dem Programm des aktuellen Albums “Fatale” unterwegs ist. Mehrfach betont Frontmann Ricardo, dass sich die gesamte Band darauf freut, bald endlich neues Material zu spielen.
Aber immerhin: die inzwischen so oft gezockten Stücke profitieren logischerweise von der Wiederholung und die Band ist ein Musterbeispiel für eine Truppe, die routiniert und professionell ist, dabei trotzdem noch verdammt viel Spielfreude ausstrahlt. “Elysion”, “Prince Of Darkness”, “Stars Guide My Way” oder das unsterbliche “Moonlit Cross” – im gegenwärtigen Heavy Metal gibt es momentan keine bessere Band. In zwanzig Jahren werden THE NIGHT ETERNAL Legendenstatus haben.
Galerie mit 23 Bildern: The Night Eternal – Walpurgisnacht Festival 2026

CULT OF FIRE
Nach dem Powerhouse geht es weitaus atmosphärischer zu, als die Tschechen mit ihrer südasiatisch angestrichenen Black-Metal-Ästhetik die Bühne betreten. Zuvor muss die Deko allerdings in Position gebracht werden. Im Zentrum des Geschehens wird selbstverständlich der Altar mit allerlei Obst und Opfergaben errichtet, der von übergroßen Cobras in Angriffspose flankiert wird. Zwar sind die Kunststoffschlangen auf eine kleine Bühne zugeschnitten und wirken daher nicht so imposant, wie sie es normaler Weise bei CULT-OF-FIRE-Gigs tun, die Gitarristen passen aber immer noch (un)bequem im Schneidersitz auf die Podeste und verschmelzen mit den Figuren zu einer Statue.
Die Lichter leuchten episch, während Sänger Vojtěch Holub den maskierten Prediger gibt. Die Live-Show trifft zwar nicht alle Geschmäcker, ist und bleibt aber ein Blickfang und bringt noch mehr Abwechslung in das ohnehin schon bunte Lineup. Rein musikalisch können wir über CULT OF FIRE sowieso nicht meckern, denn was die Herrschaften technisch liefern, ist mehr also nur solide.
Nach dieser Headliner-Show ist der Abend noch lange nicht vorbei, aber wenn schon einmal Besuch aus dem Ruhrpott anwesend ist, muss das natürlich gebührend gefeiert werden.
Galerie mit 12 Bildern: Cult Of Fire - Walpurgisnacht Festival 2026

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Outlaw (BR), Imha Tarikat, One Of Nine, Lamp Of Murmuur, The Night Eternal, Myrdal, Servant, Agrypnie, Karg und Nornír auf Tour
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| 23.07. - 25.07.26 | Burning Q Festival 2026 (Festival)Grave Digger, The Haunted, Atlantean Kodex, Immolation, Spectral Wound, Lamp Of Murmuur, Crypt Sermon, Riot City, Endseeker, Phantom Spell, Megaton Sword, Servant, Nephylim, For Victory, Damnation Defaced, Rană, Moribund Oblivion, Steelpreacher, Traktat, Tyranthrope, Exorcism, Tyranex, Human Prey und The Chainsaw DemonsBurning Q Festivalgelände, Freißenbüttel |
| 29.07. - 01.08.26 | Beyond The Gates Festival 2026 (Festival)Rotting Christ, Imha Tarikat, Castle Rat, Sulphur Aeon, Spectral Wound, Testament, Concrete Winds, Electric Wizard, Beherit, 1349, Warning, The Ruins Of Beverast, Forteresse, Bölzer, Vafurlogi, Saturnalia Temple, Blood Incantation, Marduk, Whoredom Rife, Misotheist, Mortuary Drape, Emperor, Alcest, Arcturus und Gaahls Wyrd |
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metal.de Redaktion 































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