
IronFest 2026
Saumagen-Burger trifft Teutonic Thrash: Wie das IronFest 2026 drei Tage am See zelebriert
Konzertbericht
Sommer, Sonne, Heavy Metal – was will man mehr? Noch liegt der Ohmbachsee in der Westpfalz still. Eine überschaubare Bühne, ein paar Pavillons und Getränkewagen. Mehr verrät der Donnerstag noch nicht von den kommenden drei Tagen, an denen siebzehn Bands die vielbeschworene Ruhe vor dem Sturm wegföhnen. Bei 28 Grad unter blauem Himmel füllt sich das Gelände bei Schönenberg-Kübelberg allmählich, so dass die Schattenplätze unter den Bäumen begehrt und bald rar sind. Hinter dem Festival steht inzwischen der Verein IFF e.V. und etwa zweihundert Helfer sowie Organisator Niko Bremm sorgen dafür, dass am See alles läuft.
Donnerstag: Anwärmen bei Bier und Bratwurst
ENDTIME PROPHETS eröffnen als Local Act, stellen ihren neuen Mann am Bass vor und läuten mit ihrem Dark Metal das Wochenende ein. Dann holen TRANCE ihren ausgefallenen Auftritt vom Vorjahr nach. Sänger Alexx Stahl ist leicht angeschlagen, trotzdem macht die Band Stimmung. STEELPREACHER feiern ihr 25-jähriges Bestehen und die Koblenzer treffen den Nerv. Schon beim Soundcheck schmettern sie AC/DCs „It’s A Long Way To The Top“ über den See. „Habt ihr was dagegen, wenn wir früher anfangen und dafür länger spielen?“, fragt der Sänger. Niemand hat etwas dagegen.
Der Platz am Stausee steht schon am Donnerstag gut voll und die Metalgemeinde feiert bei Bier, Bratwurst und Heavy Metal. WARRANT aus Düsseldorf runden den Festivaltag mit Thrash und Speed Metal ab. Vor der Bühne bleibt es familiär bis in die Nacht. Man kennt sich, teilt ein, zwei Bier, und DJ Benne beschließt den Abend mit seiner Metal-Disco.
Galerie mit 24 Bildern: IronFest Open Air 2026 - Impressionen vom Donnerstag

Freitag: Hitze, Tretboot und Moshpit
Karaokegesang empfängt die ersten Besucher zu High Noon des zweiten Tages. Und während die ersten versuchen, die richtigen Töne zu treffen, führt Otti vom Metalkeller im Tretboot abseits der Bühne ein Interview. THE DEVIL WEARS NADA machen schließlich den Auftakt. Wohl dem, der wie Otti einen schattigen Sitz hat und bei einem Bier-Tasting mit STEELPREACHER in Ruhe sinnieren kann. MEGATON SWORD ziehen mit traditionellem Heavy Metal viele Besucherinnen und Besucher vor die Bühne. Fäuste trotzen der Hitze und recken sich im Takt in den strahlenden Himmel.
CYCLONE aus Belgien ziehen das Tempo brutal an. „Wir touren schon seit Mitte der 80er, einige von euch waren da noch nicht geboren“, stellt die Band trocken fest. Das Publikum bedankt sich mit einem Moshpit, der bis zum letzten Ton nicht stillsteht. In der Dämmerung graben VENGEANCE aus den Niederlanden Songs aus ihren Anfangsjahren in den 80ern aus, die bis jetzt auf keinem Album zu finden sind. Sänger und Band wirken spielfreudig, die Menge vor der Bühne feiert lautstark. Selbst als beim Mikrofonkreisen das Gerät den Anschluss verliert und über die Bühne segelt, nimmt es die Band mit Humor. Beim IronFest herrscht eben nicht nur unten gute Laune, sondern gute Laune überall.
Der Tag macht hungrig und der Andrang an den Food-Ständen steigt sichtlich. Vom Ironburger (einem Burger mit Saumagen) gestärkt, feiern die Metalheads in zunehmender Dunkelheit ANGEL WITCH, eine der Pionierbands der New Wave of British Heavy Metal. Den Freitag beschließen FLOTSAM & JETSAM, aus Phoenix in Arizona stammend, sind sie die am weitesten angereiste Band des Wochenendes. Sänger Erik A.K. steht sicher im Ton, hinter ihm sitzt Ken Mary am Schlagzeug, der schon für Alice Cooper die Drums schlug. Mit mitreißenden Riffs bewegen sie die große Menge bis zum Schluss.
Galerie mit 30 Bildern: IronFest Open Air 2026 - Impressionen vom Freitag

Samstag: Vom Lampenfieber zum bierseligen Finale
Der letzte Tag startet früh und laut. Den Auftakt machen BLIZZEN aus Gießen mit einer Mischung aus Speed- und klassischem Heavy Metal. Mittendrin sucht der Gitarrist den direkten Kontakt und steigt in die Crowd. ANGEL SWORD aus Finnland schließen nahtlos an, bis kurz ein Metronom klickend über die PA läuft. Eine kurze Pause, dann ist der Patzer behoben.
Manche tragen den dritten Festivaltag bereits sichtbar im Gesicht und der Weg vom Campground scheint mit jedem Mal ein Stück länger zu werden. Trotzdem füllt sich der Platz pünktlich zu SACROSANCT. Den Thrashern bleibt nach ihrem Set kaum Zeit zum Verschnaufen, ehe sie zum Lachen in den Metalkeller verschwinden, oder vielmehr hoch in die Backstage-Area zum Podcast-Interview mit Otti. THE GEMS aus Schweden kämpfen schweißtreibend mit der ungewohnten Hitze und das Publikum führt mit kühlem Bier vor, wie man der Dehydrierung trotzt. Dann kommt der mit Spannung erwartete Auftritt von ATLANTEAN KODEX. Die Oberpfälzer bringen eine beachtliche Zahl textsicherer Fans mit, die den harten, progressiven Sound lautstark mitsingen.
BENEDICTION stehen mit Dave Hunt am Mikro, der die Band schon von 1998 bis 2019 begleitete und kurzfristig für den erkrankten Dave Ingram einspringt. Nach eigener Aussage stand er lange nicht mehr mit der Band auf der Bühne und hat ordentlich Lampenfieber. Es schadet nichts, im Gegenteil: Das Quartett zeigt sich in Topform und knüppelt mit prallem Sound in die Dämmerung. Das angekündigte Gewitter bleibt aus – jetzt kommt es von der Bühne.
Als Otti sein letztes Interview beendet hat, ist der Headliner bereit. Zuvor bedankt sich der Veranstalter und verspricht eine weitere Ausgabe am See. Dann gehört TANKARD die Stage. Die Frankfurter Thrash-Veteranen setzen den bierseligen Schlussstrich: kompromisslos, schweißnass und mit dem Augenzwinkern, das sie seit über vier Jahrzehnten von ihren ernsteren Kollegen abhebt. „Wir sind zwar alte Säcke, aber haben immer noch Feuer“, ruft der Sänger.
Galerie mit 44 Bildern: IronFest Open Air 2026 - Impressionen vom Samstag

Auf ein Neues 2027
Das IronFest 2026 beweist an drei Tagen, worauf es ankommt: Ein See, engagierte Helfer und eine leidenschaftliche Metalszene reichen aus, um aus einem Festival ein jährliches Wiedersehen zu machen. Wer das nachholen will, trägt sich den 20. bis 22. Mai 2027 in den Kalender.
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Andreas Schieler



























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