Harakiri For The Sky, Waldgeflüster, Karg und Bald Anders
Waldgeflüster - Album Release Concert

Konzertbericht

Billing: Harakiri For The Sky, Waldgeflüster, Karg und Bald Anders
Konzert vom 25.09.2021 | Backstage, München

Der Spätsommer bäumte sich an diesem Samstag noch einmal auf und schenkte München einen wunderbaren Nachmittag. Gut eingestimmt pilgerte infolgedessen eine beachtliche Zahl an Schwarzmetallern in ihr “Dahoam”, dem Backstage. Die Location steht seit Jahrzehnten im Fokus der Independent- und Metalszene der Landeshauptstadt und konnte heute eines der ersten richtigen Konzerte nach langer Zeit veranstalten, was gepaart mit dem großartigen Lineup ein Highlight zu werden versprach.

BALD ANDERS schlagern sich düster an den Herzen des Publikums vorbei

Den Reigen eröffneten BALD ANDERS, die mit ihrem Mix aus Fabel-Dark-Wave-Whatever und schräger Kostümierung nicht den Geschmack aller KonzertgängerInnen trafen. Überraschend war diese Tatsache kaum, fiel die Truppe nämlich in allen Belangen aus dem Rahmen. Das ist ein bisschen schade, denn interessant ist die Musik der Band in jedem Fall, auch wenn böse Zungen sie mit schwerfälligem Schlager vergleichen mögen. Leider blieb die Resonanz im Publikum spärlich zurückhaltend, während sich ein Großteil der Fans ohnehin vor der Halle aufhielt.

KARG und das kreisende Haupthaar

Das änderte sich schnell, als KARG die Bühne betraten. Die Band ist innerhalb der Szene schon allein deshalb bekannt, weil sie als Solo-Projekt des HARAKIRI-FOR-THE-SKY-Mannes Michael Wahntraum gilt. Das Live-Setting ist mit drei Gitarren dagegen ein wenig angeberisch angelegt und man möchte im ersten Moment die Stirn runzeln, ob der Bühnensound das verkraftet. Alle Befürchtungen, es könnte zu einer Woge von undefinierbarem Sound-Brei kommen, waren jedoch schnell verflogen. Der Klang war brillant und ordentlich definiert, ja selbst die Lautstärke musste nicht künstlich gedrosselt werden, damit der extrem breit angelegte Post-Black-Metal seine Wirkung nicht verfehlte. Die mittlerweile sehr gut gefüllte Halle feierte den Gig beinah schon überschwänglich, was daran gelegen haben mag, dass man so lange nicht mehr ungehemmt den Propeller anwerfen konnte (stets mit Mund und Nase bedeckender Schutzmaske). Die energetischen und gleichzeitig  tiefschürfenden Songs taten dabei aber ihr übriges. Während Wahntraum nach dieser Festlichkeit um zwei Zentimeter gewachsen die Bühne verließ, haben sich die Jungs von WALDGEFLÜSTER womöglich gefragt, ob die Zusammenstellung des Lineups für ihr Release Konzert zum neuen Album “Dahoam” wirklich clever war. Die Zwischenschicht im Sandwich mit KARG und HARAKIRI FOR THE SKY zu bilden, ist keine leichte Aufgabe.

Eine Heimkehr und beeindruckende Show von WALDGEFLÜSTER

Und doch: die Lokalmatadoren meisterten die Herausforderung mit Bravour. Die Songs von “Dahoam” fügen sich wunderbar in das ältere Material der Band ein. Auch wenn heute die Geburtstagsparty der Platte auf der Agenda stand, muss man sich noch ein wenig in Geduld üben, da die Veröffentlichung noch einmal verschoben wurde. Wie auch immer, von einer dezenten Bühnendeko flankiert und stimmungsvollen Lightshow in Szene gesetzt, ließ Sänger Winterherz seine Mähne kreisen und begeisterte mit seinem fiesen Gekeife genauso wie mit selbstbewusstem Klargesang. Leider war am Ende von den Lyrics, die in bayrischer Mundart verfasst wurden, nicht viel zu verstehen, was vermutlich mehr an der Feierlaune als an den Sprachkenntnissen gelegen hat.

Black Metal mit Partygarantie

HARAKIRI FOR THE SKY lieferten im Anschluss an den geheimen Mainact dann noch einmal ab. Wahntraum hatte natürlich noch den moralischen Vorsprung seines Auftaktes als Ass im Ärmel und strotze vor Entertainer-Qualitäten. Nicht etwa, weil er sich in Albernheiten oder gar ausufernden Monologen in den Songpausen verloren hätte. Der Mann besitzt einfach eine Ausstrahlung, die auf bedrohliche Weise zum Abgehen verpflichtet. Dementsprechend enthusiastisch feierte das Publikum im offiziell ausverkauften Backstage das Set der Österreicher mit frenetischem Applaus und Dauermoshen und sang gelegentlich auch mal mit.

Wie facettenreich das Sub-Genre tatsächlich ist, wird einem an solchen Abenden immer wieder bewusst. So viel gute Laune und ungehemmter Wille zu Feiern würde es während einer DARK-FUNERAL-Visite oder einem FORGOTTEN-TOMB-Stelldichein nicht geben. Und genau mit diesem wohligen Gefühl, endlich wieder ein richtiges Live-Konzert ohne Strandkörbe und Biertische besucht zu haben, gingen die Lichter für viele KonzertbesucherInnen an diesem Samstagabend noch lange nicht aus.

02.10.2021

Left Hand Path

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