An Early Cascade - Kairos EP

Review

Leidenschaft. Etwas, von dem die meisten Musiker behaupten, sie besäßen es noch. Jene Liebe für den Song, für all die Arbeit, für das Besondere. Viele Bands treibt sie auch nach Jahrzehnten noch an, bei anderen ist es nur plattes Gerede. Zum Glück ist Leidenschaft hörbar.

Pathos. Dünne Stimmchen und große Melodien. Jungenhaftes Geplärre, Geschrammel in den hohen Lagen, eingängige, angezerrte Klampfen, die sich zwar um den einen oder anderen ausgefallenen Akkord bemühen, aber letztlich doch ihrer Neigung zu eindrucksschindenden Popharmonien erliegen. Eine Art von Musik, der manche die Ehrlichkeit und Echtheit von vornherein absprechen. Klar, nicht jeder steht drauf.

Sound. Fast jeder kann heutzutage mit ein bisschen Kleingeld und Talent eine passabel klingende Platte in den eigenen vier Wänden aufnehmen. Die Technik bietet mittlerweile unglaublich viele Möglichkeiten, an den kleinsten Stellschrauben zu drehen. Aber so ein Knarzen beim Bass? So ein nuancenhaft übertriebener Tretminen-Hall auf der Gitarre? Den Sound einer dicken, edelhölzernen Bassdrum aus nächster Nähe? Sind diese Dinge mit nachträglicher digitaler Bearbeitung zu reproduzieren? Sind sie nicht. Noch nicht. Weswegen eine Band nach wie vor einen fähigen Mann hinter den Knöpfen braucht, der diese Klänge einzufangen weiß – sofern das von den Künstlern auch so gewünscht wird. Wie auch immer: Jan Kerscher (u.a. Produktionen für MUTINY ON THE BOUNTY, DER WEG EINER FREIHEIT, LIKE LOVERS) ist solch ein Mann.

Dreifaltigkeit. Wie es klingt, wenn oben genannte Komponenten in vorbildlicher Manier zusammenfinden, zeigen AN EARLY CASCADE auf ihrer „Kairos“ EP: Die Stuttgarter lassen auf ihrem neuesten Silberling den Screamo hinter sich und kommen mit sechs feinfühlig inszenierten Kompositionen daher, die sich stilistisch irgendwo zwischen THE MARS VOLTA, DREDG (als sie noch cool waren) und BLACKMAIL (als sie noch cool waren) einordnen und nach einigen Durchläufen einen erquickend-eigenständigen Charme entfalten. Ob die von pumpenden Basspatterns und erfrischend-eingängigen Melodien durchzogenen „The Waverer“ sowie der Opener „Passengers Of Today“, das kernig-treibende „Light Drowning“ oder das zwischen zarten Clean-Parts und fast schon derber Sludge-Wüterei pendelnde „Inside“ – AN EARLY CASCADE verstehen es, naiv-verkopfte Bockigkeit und musikalischen Vorwärtsdrang mittels bezirzender Akkordfolgen und ausgefeilter Rhythmik an den Mann zu bringen. Das Ganze ist dabei nicht nur äußerst unterhaltsam, sondern hin und wieder auch echt rührend.

Sicher nicht jedermanns Sache. Aber stark.

11.01.2016

"Am Ende isses immer Arbeit."

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