Angelus Apatrida - Angelus Apatrida

Review

Soundcheck Februar 2021# 2 Galerie mit 16 Bildern: Angelus Apatrida - Descend Into Madness European Tour 2020

Wenn das berühmte, spanische Temperament auf den Frust der Corona-Pandemie trifft, dann kann das Ergebnis schon mal ziemlich laut und leidenschaftlich werden, besonders wenn es wie hier um Metal geht. ANGELUS APATRIDA rücken mit dem siebten Album an, dessen Entstehungsprozess – wie bei vielen dieser Tage – durch die anhaltende Pandemie beeinflusst worden ist. Dass die Band dieses neue, ursprünglich als EP geplante Werk nach sich selbst benannt hat, lässt wie so oft bei selbstbetitelten Nicht-Debüt-Alben erstmal viel Interpretationsspielraum. Zwischen den Zeilen der Presseinfo lässt sich herausdeuten, dass die Spanier um Frontröhre Guillermo Izquierdo dieses Mal extra angepisst gewesen sind, da COVID ihr 20-jähriges Jubiläum ins Wasser hat fallen lassen.

Mit Wut im Bauch dem Pandemiefrust trotzen

Aber es wurden definitiv keine Fahnen auf Halbmast gehängt. Stattdessen wurden die Gitarren einen Halbton heruntergestimmt und der Frust in kreative Energie umgewandelt. Und man verzichtete mal auf die Heimproduktion und ließ das neue Langeisen von Christopher „Zeuss“ Harris abmischen – wennschon dennschon. Das Ergebnis gerät auf den ersten Hör ein bisschen gewöhnungsbedürftig, da vor allem die Snare nicht so hart klöppelt, wie sie zweifelsohne gerne möchte. Aber nach und nach erschließt sich die Ausgeglichenheit der Produktion und man merkt, wie sahnig das Teil eigentlich klingt, wie viel eine zu aufdringliche Snare hier vielleicht kaputtgemacht hätte. Man ist versucht, „butterweich“ zu sagen, aber dafür rasieren die Riffs zu sehr.

Musikalisch halten ANGELUS APATRIDA ein relativ breit gefächertes Spektrum parat. Das Fundament bleibt beinhartes Gekloppe nach bester Bay-Area-Art. All die klassischen Trademarks sind da, inklusive obligatorischer Gangshouts, die schön ins Mark gehen. Izquierdo kotzt sich wunderbar dynamisch am Mikro aus, als würde ihn die gesamte Welt anwidern. Damit unter anderem fliegt schon buchstäblich der Rotz mit, der auch das neue Album erdet und vor Anflügen von Sterilität bewahrt. Es wird bei der Saitenfraktion Izquierdo/Alvarez nämlich wieder einmal präzise wie ein Uhrwerk geschrubbt und gerifft, sodass diese Erdung gute Arbeit leistet. Und Grooves gibt es anno 2021 bis zum Abwinken. Hier glänzen besonders die Midtempo-Parts, die wie eine Verneigung vor den klassischen PANTERA wirken.

ANGELUS APATRIDA haben u. a. gewisse Groove-Metal-Veteranen studiert

Im Schnitt sind die Spanier, was die durchschnittliche Spielzeit pro Stück angeht, wieder etwas kürzer pro Track unterwegs als beim Vorgänger „Cabaret De La Guillotine“. Von simpleren Songs kann jedoch nicht die Rede sein, die Herren aus Albacete verwalten ihre Ideen heuer einfach nur sehr effizient. Der hektisch beginnende Opener „Indoctrinate“ scheint nach knapp zwei Minuten alles gesagt zu haben. Das hält ANGELUS APATRIDA jedoch nicht davon ab, einen richtig fiesen Midtempo-Einschub hinterher rumpeln zu lassen, der förmlich nach kollektivem, je nach aktueller Zahl auf dem Tacho mehr oder weniger rhythmischem Fistpumping im staubigen Infield schreit. So etwas ist natürlich des Thrashers täglich Brot, aber es funktioniert eben.

„Bleed The Crown“ demonstriert die immense Stärke der Band im Midtempo und lässt deutlich spüren, dass sie sich in diesen Passagen vermehrt von den Groove-Metal-Großtaten der Neunziger hat inspirieren lassen. Dort groovt sich das Teil nämlich breitbeinig ein, wobei regelmäßige Uptempo-Attacken, vornehmlich bei den Strophen, das Teil spannend und agil halten. Das herrliche Bierdosen-in-die-Höh‘-Solo setzt dem dann noch die Krone auf. Das folgende „The Age Of Disinformation“ teasert seinen klimaktischen Instrumental-Part bereits im Intro an, der sich definitiv wie eine Verneigung vor MAIDEN respektive deren Göteborger Ableitung anhört. Melodische Soloarbeit, diesmal mehr im klassischen Metal-Sektor beheimatet, gibt es auch später im nervösen „Empire Of Shame“ zu hören, das zudem mit fetter Hook daher kommt.

Das Selbstbetitelte gräbt das umliegende Thrash-Umfeld angemessen um

Mit „Childhood’s End“ feuern die Spanier eindeutig den besten Track der Platte ab, der eine fast crossover-thrashige Giftigkeit und einen verfickt eingängigen Midtempo-Refrain unter einen Hut bringt, während „Through The Glass“ noch mal die Groove-Keule auspackt. Dieses abwechslungsreiche Programm ziehen die Spanier mit beeindruckender Konsequenz durch, bis hin zum finsteren Rausschmeißer „Into The Well“, während immer wieder kleinere Gemeinheiten wie die fast nach Speed Metal klingenden Riffs und die dazu passende, hymnische Hook von „We Stand Alone“ eingestreut werden, die das Vergnügen abrunden. Keine Neuerfindung per se also, aber dennoch klingt das Selbstbetitelte frisch, forsch, kreativ und angemessen angepisst.

ANGELUS APATRIDA graben das thrashige Umfeld also doch ein bisschen um und rocken hier und da sogar mal querfeldein, ohne zu sehr auf Abwege zu geraten. Die Gesamtspielzeit ist dafür genau richtig bemessen, nicht zu kurz, nicht zu lang, genau so wie es sich für eine knackige, hochqualitative und dynamische Prügelplatte gehört. Kurz: Ihr werdet den Knüppel fressen, ob im Up- oder Midtempo. Und ihr werdet es lieben. Den Spaniern ist hier definitiv ein Rundum-Sorglos-Paket für Thrasher gelungen, das wenig neu, dafür praktisch alles richtig macht.

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31.01.2021

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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3 Kommentare zu Angelus Apatrida - Angelus Apatrida

  1. Lord Budweiser sagt:

    Wirklich gut gemacht! Es stimmt sehr vieles in dem Song… Nur so richtig enthusiastisch bin ich nicht nach dem hören gewesen. Hätte man denk ich mehr draus machen können. Besonders Gesangstechnisch fehlt mir das gewisse etwas

  2. Klodumbo sagt:

    Hat für mich starke Anleihen an Annihilator.

    7/10
  3. BlackForest sagt:

    Wirklich ordentlich gemacht!
    Aber man hat das Gefühl nach drei Songs die komplette Platte gehört zu haben! Vielleicht liegt es nur an mir aber im thrash hört sich für mich in letzter Zeit irgendwie alles gleich an!
    Gebe aber trotzdem gut gemeinte 7 Punkte

    7/10