Capstan - Separate

Review

Soundcheck Juli 2021# 20

CAPSTAN ist die englische Bezeichnung für  eine Tonwelle. Eine rotierende Welle, die in Kombination mit einer Andruckrolle dazu dient, das Band in einem Bandgerät (Tonbandgerät, Kassettenrekorder etc.)  mit konstanter Geschwindigkeit am Tonkopf vorbeizuziehen. CAPSTAN aus Orlando, Florida erzeugen ihre eigenen Wellen. Die Mischung aus Hardcore, Post-Hardcore und Punk, die die Band kennzeichnet, wurde nach eigenen Angaben nochmal einem Upgrade unterzogen. Das Ergebnis ist die Platte „Separate“.

Trennungsschmerz und Wachstum mit „Separate“

Mit dieser Veröffentlichung stürzen sich CAPSTAN tief hinein in den Bewältigungsprozess. So handeln einige der Songs zum einen von der Trennungs-und Scheidungszeit des Gitarristen Joe Mabry. In diesem Zusammenhang gibt die Band an, über die Jahre so viele persönliche Ups and Downs durchlaufen zu haben, dass diese nunmehr dazu beigetragen haben, dass sich CAPSTAN neu definieren und weiter gewachsen sind. Gemeinsam. „Separate“ ist Ausdruck dieses Wachstums.

„Shades Of You“, die Vorab-Single“ des Albums verdeutlicht diese Reise und versinnbildlicht die Zerrissenheit einer sich auflösenden, bröckelnden Beziehung. Vertonter Trennungsschmerz. Mit klagenden Vocals und deepen Riffs und gleichzeitig drückendem Groove geht es hier auf eine Achterbahnfahrt. Nahezu fröhlich und trällernd wird es im Anschluss bei „Take My Breath Away Noose“ zu. Obwohl die Lyrics bitter sind und die Geschichte einer toxischen Beziehung erzählen, swingt das Ding in einem seichten Rhythmus vor sich hin. Eine bizarre Darbietung, die einen gutgelaunt mit wippen lässt, obwohl es gerade bei diesem Thema nicht passend erscheint. Mindfuck durch CAPSTAN.

CAPSTAN packen zu

Mit „Alone“ wird dann wieder eine Hardcore-Klatsche ausgepackt, die mit djentigen Gitarren ums Eck sprintet. Rotzig, fies. Hier wird wieder griffig zugepackt. So auch bei „Shattered Glas“, welcher ebenfalls mit zackigen Riffs punktet, aber mit seinem durchdringenden Vocals noch weiter ins Innere trifft und aufwühlt. Hier wird ordentlich Stimmung gemacht. Durchatmen und Runterkommen dann bei „Sway“. Der Track mit Unterstützung von Charlene Joan am Mikro ist die Quotenballade der Platte und plätschert etwas zu sehr beliebig und poppig vor sich her.

Wenn alles in einer Waagschale landet: „Separate“

Diese besagte Pop-Note ist trotz all der aufgefahrenen Härte und Bitternis weiterhin bei CAPSTAN immer wieder durchzuhören. „Separate“ zeigt sich zwar deutlich griffiger und angepisster als beim Vorgänger „Restless Heart, Keep Running“, wirkt dadurch aber gleichzeitig etwas konfus. Wütend solls sein, Anklagend solls sein, Aggressiv solls sein, ein bisschen Pop darf nicht fehlen, aber auch Groove muss. Kleiner Overload.

Die Grundeinstellung darf bleiben

„Separate“ schmeißt alles in die Waagschale und läuft damit Gefahr stellenweise zu angestrengt zu wirken. Sicherlich ist das Grundthema der Platte das Durcheinander der Gefühlswelt bei einer schwerwiegenden Trennung, wirbelt im Ohr aber auch so einiges auf und durcheinander. CAPSTAN sind aber mit ihrer aggressiveren Grundeinstellung echt gut unterwegs und dürfen diese gerne so beibehalten.

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16.07.2021

It`s all about the he said, she said bullshit.

Der metal.de Serviervorschlag

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