Christian Death - Catastrophe Ballet

Review

Gothic ist eine Subkultur, die sich mit den Themen Tod und Jenseits auseinandersetzt. Auch wenn hier verschiedentlich antichristliche Symbole gezeigt werden, geht es hier schwerpunktmäßig nicht um Satanismus oder Okkultismus, sondern eher um grundsätzliche Kritik an institutionalisierter Religion. Das vermutlich daran, dass diese Bewegung ungefähr zeitglich mit dem Punk populär wurde. Im Gegensatz zum extrovertierten Auftritt, der massiven Provokation und wenig ausgegorenen politischen Vorstellungen der bunthaarigen Chaoten fristeten die schwarzen Gestalten ein selbst gewähltes Schattendasein. Zu Zeiten des Kalten Krieges spiegelte sich hierin ein Zeitgefühl von Kälte, Resignation und Endzeit wieder. Entsprechend klang auch die „gothische“ Musik: depressiv, unterkühlt, von wenig positivem Lebensgefühl geprägt.
Obwohl Gothic eine primär europäische Sache war, erlangten ab ca. Mitte der 1980er zunehmend US-amerikanische Bands große Popularität in der Szene. Eine davon ist CHRISTIAN DEATH.

Gegründet von Rozz Williams (eigentlich Roger Alan Painter) stand diese Band für ein Programm, dass organisierte Religion und nicht etwa Religion an sich hinterfragte. Der manisch-depressive Williams stieg aufgrund von Drogen- und Alkoholproblemen bei CHRISTIAN DEATH aus und nahm sich 1998, gerade 34 Jahre alt, das Leben.

Mit ihren minimalistischen Gitarren, kalten Synthesizersounds und stoischen, teilweise elektronisch ergänzten Schlagzeugbeats hatten CHRISTIAN DEATH einen erheblichen Einfluss auf das Industrialgenre. Dessen Wurzeln sind auf „Catastrophe Ballet“ zu erahnen, dem Album, das – 1984 erstmals veröffentlicht – nun als remastertes Re-Release mit einem bisher unveröffentlichten Studio-Bonustrack vorliegt.
Dessen nüchtern-trockener 1980er-Sound wurde weitgehend erhalten, wodurch die zeitliche Nähe zum Punk deutlich wird. Dennoch klingt „Catastrophe Ballet“ zu keinem Zeitpunkt retrolastig oder gar altbacken. Besonders interessant ist, dass eine Band wie z.B. MARILYN MANSON ohne die CHRISTIAN DEATH-Alben „Catastrophe Ballet“ oder „Ashes“ überhaupt nicht denkbar wäre.
Für mich ist dieses Album ein tolles Zeitgeistdokument, das nicht nur für Gothicfans und andere erklärte Freunde düsterer Töne eine sehr lohnende Anschaffung ist.

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02.05.2009

Der metal.de Serviervorschlag

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