Christian Death - The Root Of All Evilution

Review

CHRISTIAN DEATH veröffentlichen ein neues Album! Eine Aussage, die vor langer, langer Zeit für ordentlich Aufmerksamkeit gesorgt hätte, heutzutage aber bei großen Teilen nicht mehr als ein unbeteiligtes Achselzucken oder Gähnen hervorruft. Es gibt sie noch, die großen, einflussreichen Bands, die im Grunde nie zum wahren, zum im Grunde ihnen zustehenden Erfolg gekommen, aber umso tiefer gefallen sind – CHRISTIAN DEATH gehören dazu. Einst mit Alben wie „Only Theatre Of Pain“ (1981) und „Catastrophe Ballet“ (1984) zu den Pionieren des Death- bzw. Goth-Rocks zählend, rüttelt die Band seit mehreren Alben und Jahren an ihrem Status der lebenden Legenden. Die Gründe hierfür sind unterschiedlicher Art: Neben eher durchschnittlichen, um nicht zu sagen schlechten Alben, bekriegten sich zwei Bandmitglieder auch untereinander, was schlussendlich zu zwei separaten Bands mit ein und demselben Namen und somit auch zur Teilung der Fans in zwei Lager führte. Da Bandgründer Rozz Williams nun seit guten 15 Jahren nicht mehr unter uns weilt, verwaltet heutzutage allein Valor Kand das Erbe von CHRISTIAN DEATH.

Treue Fans gibt es anscheinend aber immer noch einige: Das acht Jahre nach „American Inquisition“ erscheinende „The Root Of All Evilution“ (welch schönes Portmanteau) wurde mittels Crowdfunding finanziert (beispielsweise wurde als eine Möglichkeit angeboten, die Band auf der eigenen Beerdigung spielen zu lassen). Wie eigentlich immer bei einem neuen CHRISTIAN DEATH-Album, folgt auch „The Root Of All Evilution“ seinen ganz eigenen Gesetzen und hört sich im Vergleich zu seinen Vorgängern komplett anders an. Dies fällt vor allem direkt bei der Produktion auf, die dieses Mal deutlich reduzierter und organischer daherkommt als noch auf „American Inquisiton“. Großer Trumpf des neuen Materials ist die stilistische Vielfalt. Ob nun das mit spookigen Streichern angereicherte „FEMA Coffings“ oder das ruhige, bluesig-angehauchte „We Have Become“, in dem Sänger Kand die Stärken seiner gefühlvollen Stimme ausspielt: Abwechslung wird in gut 40 Minuten des neuen Albums ziemlich groß geschrieben. Dass dabei nicht alles gut gehen kann, ist selbstverständlich. Waren die Duetts in hohen Stimmlagen zwischen Valor Kand und seiner weiblichen Mitstreitern Maitri schon immer Geschmackssache, stimuliert das orientalisch angehauchte „This Cross“ mit zunehmender Spiellänge gehörig die Nerven, das flotte „Illuminazii“ schreckt mit schrillen Leads eher ab und der Zusammenklang aus Tinitus-Synthie-Melodie und Mundharmonika im stumpfen, da arg einfach gestrickten „Deliver Us“ verursacht auch massives Stirnrunzeln. Als Grundlage besitzen die Songs aber, wie es sich für eine Kapelle dieses Schlages auch gehört, allesamt ein solides Gothic Rock-Fundament, was sich vor allem in den klassisch gruftig gehaltenen Songs „Tar Black Liquid“, „Forgiven“ und „Penitence Forevermore“ zeigt.

Inhaltlich dreht sich „The Root Of All Evilution“, wie der Titel bereits vermuten lässt, um soziologische Aspekte der menschlichen Existenz – dass dabei insbesondere die dunkle Seite ein dominante Rolle spielt, erklärt sich von selbst: Die Entwicklung des Bösen, ein Prozess, der sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte zieht und insbesondere, nach Meinung von Valor Kand, von Religionen für eigene Zwecke und den Machtausbau genutzt wird. Eine Frage, die dabei immer wieder im Raum steht ist, wie schlimm bzw. böse es noch werden kann. Es bleibt also spannend…

… und „The Root Of All Evilution“ am Ende eine vor allem interessante, mitunter sogar wirklich gelungene Platte. Bedenkt man, dass CHRISTIAN DEATH bislang immer ihr Ding durchgezogen, sich also nie wirklich darum geschert haben, was andere über sie denken, und einem alten Sprichwort zufolge immer ein bisschen Schwund ist, muss konstatiert werden, dass der Band endlich mal wieder eine respektable Leistung geglückt ist. Aber warten wir nun ab, wie es weitergeht, denn, wie bereits angemerkt, langweilig wird’s um die Amerikaner wohl nie werden.

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25.10.2015

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