Christian Death - Pornographic Messiah

Review

Christian Death standen schon immer für einen eigenen Charakter und gehören wohl unbestritten zu den Initiatoren der Gothic Szene. Nachdem eines der Orginalmitglieder, Rozz Williams gestorben ist, wird auch die Band, die schon länger ohne diesen auskam und sich sogar mit ihm zerstitten hatte, von der Publicity profitieren. Aber Christian Death waren schon immer für Schlagzeilen gut, was alleine schon der „skandalöse“ Name provozierte und so hat auch schon das Cover, der Titel und die gesamte Aufmachung dieser CD für einige verärgerte und beunruhigte Bürger gesorgt…

Dabei könnte eine Aufmachung nicht schöner und aufwendiger gestaltet sein: Ein dicke Pappbox mit drei(!) Booklets, entsprechend der drei Unterthemen, die auf der CD behandelt werden, weist dezent darauf hin, daß man hier glotzt statt kleckert. Das ist auch gut so, so hat der geneigte Käufer wenigstens etwas von seinem sauer verdienten Geld und muß sich nicht mit einer lieblos zusammengeschusterten Verpackung abgeben, die dann nicht einmal die Texte enthält. Die Texte sind bei dieser CD vorhanden, die Aufmachung ist schön, die Booklets sind schön…und die Musik?
Schwerverdaulich. Christian Death waren noch nie massenkompatibel, werden es auch mit dieser Scheibe wohl kaum werden. Obwohl – ein paar Marilyn Manson oder Nine Inch Nails Paralellen sind durchaus vorhanden und die beiden Bands sind ja nicht gerade unbeliebt. Dabei haben Christian Death aber ihren eigenen Background und müssen sich nun wirklich nicht mit solchen, im Vergleich zu ihnen, „Newcomern“ abgeben. Da wechseln sich Gitarrenattacken und Geschrei mit ruhigen, hypnotischen Teilen ab, ritualmässige Drums geben in einigen Tracks den Ton an, nur um im nächsten Lied von kräftigem Rock abgelöst zu werden. Dabei schleicht sich nur schwer Eingägigkeit ein und auch das Soft Cell Cover „Sex Dwarf“ ist wohl nicht direkt radiotauglich – dazu klingt es viel zu sick und abgedreht. Überhaupt klingt die CD stellenweise eher wie ein abgefahrener Drogentrip, denn wie eine „normale“ Gothic Rock Cd, auch wenn durchaus verdammt viel Goth auf dieser Scheibe zu finden ist, vielleicht mehr sogar als auf den ganzen Neuerscheinungen aus diesem Bereich der letzten Wochen und Monate. Man wagt sich an Experimente und schreckt vor nichts zurück – das ist teils sehr anstrengend, teils sehr innovativ – es bleibt wohl dem Hörer selbst überlassen. Und dann hauen Christian Death so-mir-nichts-dir-nichts noch eine solch geniale Goth Hymne wie „She Never Woke Up“ raus, daß mir einfach nichts anderes übrigbleibt, als vor dieser altgedienten Band den Hut zu ziehen.

Ein Reinhören ist also auf jeden Fall geboten, ich lege diese Cd aber auf jeden Fall allen Freunden unkoventioneller Musik ans Herz, besonders jenen, die Gothic immer noch mit einem offenen Ohr hören und nicht nur dem tausendsten Sisters oder Fields Goth huldigen.

24.11.1998

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