Christian Steiffen - Gott Of Schlager

Review

Endlich ist sie da, die neue CD von CHRISTIAN STEIFFEN. Dem Arbeiter der Liebe, dem Bernsteinzimmer der guten Musik und des guten Geschmacks, dem „Gott Of Schlager“, wie der Poet sein neuestes Werk in aller Bescheidenheit betitelt. Für uns Musikkritiker, die wir uns nur durch schlecht bezahltes Massenrezensieren und Pfandflaschensammeln über Wasser halten können (und ansonsten (im tödlichen Netz des Frohsinns solcher Spaßkapellen wie METALLICA, BEHEMOTH, SHINING und GHOST gefangen) ziellos durchs Leben straucheln), zweifellos ein Lichtstreif am Horizont, ein roséfarbener und rüschenbesetzter obendrein. Denn selbst wenn das Leben für uns nicht nur Pommes und Disko ist – aber irgendwie, ja irgendwie haben auch wir uns unseren STEIFFEN verdient.

„Gott Of Schlager“ ist ein roséfarbener und rüschenbesetzter Lichtstreif am Horizont

Und nachdem wir die Accessoires des „Gott Of Schlager“ einer ausgiebigen Punktewertung unterzogen und den Klängen des Openers „Hier ist die Party“ gelauscht haben, müssen wir konstatieren: Erleichterung ist das nicht. Vielmehr entwickelt sich so richtig Zug in der Flanellhose. Und aus freudiger Erregung wird Ekstase, wie es CHRISTIAN STEIFFEN in „Verliebt Verlobt Verheiratet Vertan“ nachzeichnet. Ja, der Sänger aus Osnabrück hat einen reichen Erfahrungsschatz aus 60 Jahren deutscher Schlager (und darüber hinaus, wie man anmerken möchte). Etwas weniger ekstatisch, dafür aber nicht weniger sinnlich gibt sich die fahrige erste Single „Wie der Wind“ – wenngleich es etwas andere Sinne sind, die hier angesprochen werden.

Nun ist es so, dass Vielseitigkeit seit jeher ein Markenzeichen von STEIFFEN ist, und so widmet er sich nicht nur lauen Lüftchen, sondern auch gewichtigeren Themen: „Ich breche in die Nacht“ ist somit nicht bloß eindimensional an die Debütsingle der DOORS angelehnt. Vielmehr handelt es sich um eine Gefühlsregung, die den „Gott Of Schlager“ auch beim organisierten Frohsinn überkommt, wenn er allzu poetisch die gediegene Alliteration „Kack Kack Kack Kack Karneval“ anstimmt.

CHRISTIAN STEIFFEN ist vielseitig wie eh und je

Mit beiden Beinen im Hier und Jetzt stehend, spannt CHRISTIAN STEIFFEN den Bogen zwischen fünfter Jahreszeit, Vergangenheit („Ja ja die Punkmusik“) und Zukunft („Das neue Jahr“). Wo er sich „In Budapest beim Schützenfest 1810“ verortet, kann man hingegen nur erahnen. Aber man spürt: „Gott Of Schlager“ ist ein Album universellen Ausmaßes.

Wie immer gekonnt in Szene gesetzt in enger Zusammenarbeit mit Dr. Martin Haseland (musikalisches Multitalent und Leiter des Haseland Orchesters), wie immer garniert mit seiner nasalen Stimme, in der eine unbändige sexuelle Freizügigkeit mitschwingt wie dereinst bei Roland Kaiser und Reinhard Mey, verbindet es so unterschiedliche Bereiche wie Schlager und Rock’n’Roll, Country und Disko, Pommes und Fettabsaugen, Alkoholkonsum und Erbrechen. Oder, um es mit dem Sänger selbst auszudrücken: „Jetzt bin ich hier, und hier ist Party!“ Daran werden wir Musikkritiker mit einem Lächeln auf den Lippen denken, wenn wir demnächst nach einer Großveranstaltung die Pfandflaschen abräumen.

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07.04.2019

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5 Kommentare zu Christian Steiffen - Gott Of Schlager

  1. mr.cb sagt:

    Ferien vom R’n’R gefällt mir persönlich etwas besser. Kann man zwischendurch mal hören. Auf jeden Fall besser als so manche Party-Metal-Kapellen… (nein ich sage jetzt nicht Ma****r) 😉

    7/10
    1. mr.cb sagt:

      Ach geh, schon der erste errät es 😥😉

  2. Master sagt:

    Ist das eigentlich so eine Art running gag?
    Ich meine, nicht das ich was dagegen hätte, wenn man ab und zu mal einen comedy review einstreut, aber irgendeine Form der Bewertung finde ich dann schwierig, vor allem wenn die Bewertung dann auch noch höher ausfällt, als bei so manch ernst gemeintem Album, welches einem vielleicht am Herzen liegt.
    Dann sollte man konsequenterweise hier auch immer eine 10 vergeben, damit die Ironie deutlicher herausgestellt wird.
    Ich könnte aber trotzdem lieber ganz drauf verzichten.

    1. doktor von pain sagt:

      Och, für mich gehört ein Review zum jeweils neuen Album von Christian Steiffen auf metal.de mittlerweile irgendwie dazu. Es hätte mich gewundert, wenn es diesmal ausgeblieben wäre.