Convictors - Envoys Of Extinction

Review

Wer sich bereits im Jahr 1986 gegründet hat, darf seinen Stil mit Fug und Recht als Oldschool Death Metal bezeichnen. Beides trifft auf CONVICTORS zu. Also wird „Envoys Of Extinction“ bestimmt schon das … nun, sagen wir mal mindestens zehnte Studioalbum sein. Mitnichten. Die Herren aus Baden-Württemberg liefern anno 2014 ihr Debüt ab. Verrückte Geschichte? Irgendwie schon, wenn man bedenkt, dass die Bandgründung beinahe 30 Jahre zurückliegt. Was ist geschehen? Hat man in der Zwischenzeit vergessen, dass man eigentlich Musik machen wollte? Im Gründungsjahr ging ein Demo-Tape an den Start („The Last Judgement“), doch danach war erst mal Schluss. Bis 2009, als man es mit der „Abdication Of Humanity“-EP erneut versuchte. Dann wieder fünf Jahre Ruhe und jetzt ein neuer Angriff. Da ist es doch ganz wunderbar, dass gleich das erste Riff überzeugt, einen gelungenen Start darstellt und ein Album eröffnet, das die Reunion mehr als rechtfertigt.

Altehrwürdiger Death Metal kann so viel: eingestaubt sein, altbacken klingen, so richtig schön (im positiven Sinne) verschimmelt dahinvegetieren, an ein altes Haus mit knarrenden Dielen erinnern, in dem aber kürzlich mal etwas aufgeräumt wurde. CONVICTORS gehören eher in die letzte Kategorie. Nicht, weil sie auch nur bruchstückhaft neumodisch klingen, sondern weil der Sound (hach ja, dieses begleitende Schnarren zwischen den Riffs) organisch, aber zeitgemäß ist, und weil die Leiche namens „Envoys Of Extinction“ trotz hörbarer Verwesung hier und da spannende musikalische Aspekte aufweist, die man so nicht erwarten würde. Und was passiert dann? Richtig, das Teil wandert nicht einfach in den Leichensack, sondern wird einer eindringlichen Obduktion unterzogen. Genau aus diesem Grund hat sich das Langeisen inzwischen schon mehrmals im Player gedreht.

CONVICTORS punkten mit großen Riffs und exakt der richtigen Menge an Zusätzlichem zum Gewohnten. Anders ausgedrückt: Manche Bands musizieren eintönig, andere übertreiben es mit der Variation – CONVICTORS finden eine sehr gelungene Mitte. So gesellen sich zum rostigen Todesstahl ein paar aufblitzende Ideen. In „Festering Infestation Strikes“ überraschen Pig-Squeals zu eher filigranerem Riffing. „Epitome Of Decay“ zeigt, dass Fronter Fabian nicht nur Einheitsbrei-Growls draufhat, auch wenn mich die Rhythmik der Vocals stark an eine bestimmte SUICIDAL-ANGELS-Nummer erinnert. Die gewohnte Thrash-Würzung hat man mit Bedacht vorgenommen, „Proclivity“ ist im Bereich der schneidenden Gitarren aber ein vortrefflicher Pate-Song. „Diabolical Female“ fällt dann so richtig aus dem Rahmen, denn hier wendet man sich deutlich von der Zerstörung ab und wird immens stimmungsvoll. Ganz klar gelungen! Und interessant, denn das Lied stammt vom einstigen Demo-Material. Der Hidden-Track ganz am Ende ist auch eine knackige Idee, obwohl das sicher schon asbach-uralte Material mit Proberaum-Flair im Vergleich erschreckend punkig klingt. Tja, und dann gibt’s sogar noch eine (nicht aufgeführte) neunte „Nummer“, zu der mir nur einfallt: „Oh je, du“. Aber hört selbst – und das ist durchaus ernst gemeint, denn CONVICTORS machen auf ihrem verspäteten Debüt, das für Fans von HARM, DESERTED FEAR und Konsorten ein gefundenes blutiges Fressen ist, extrem viel richtig. Noch mehr Aha-Momente und beim nächsten Mal (wenn es denn ein nächstes Mal gibt) ist die Kaufempfehlung drin!

05.11.2014

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