Doom:Vs - Earthless

Review

Ein-Mann-Bandprojekte haben grundsätzlich einen etwas zweifelhaften Ruf, denn in den wenigsten Fällen gelingt es einer einzigen Person, den Prozess von der Erschaffung bis zur vollständigen Umsetzung von fesselndem Songmaterial in einer gleichbleibenden Qualität zu erreichen. Eine erfrischende Ausnahme hiervon stellt das Soloprojekt DOOM:VS dar, die Spielwiese des Schweden Johan Ericson, der auch bei der Gothic-Doom-Band DRACONIAN die Gitarre bearbeitet. Schon die beiden Alben „Aeternum Vale“ und „Dead Words Speak“ gehören zu den richtig guten Alben der schleppenden, doomigen Death Metal-Zunft – auch wenn es Herrn Ericson damit (bisher) nicht nachhaltig gelang, aus dem Schatten seines Hauptprojektes herauszutreten und es immerhin sechs Jahre von Vorgänger „Dead Words Speak“ bis zur aktuellen Scheibe „Earthless“ gedauert hat. Aber es zählt ja das Hier und Jetzt – und das kann sich im Falle von „Earthless“ wahrlich hören lassen.

DOOM:VS konzentriert sich auf „Earthless“, im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern, noch deutlicher auf die schwere, bleierne Seite des Death Doom: Dagegen wirkt Johan Ericsons Hauptbetätigungsfeld DRACONIAN stellenweise fast leicht und luftig. Dennoch driftet man nie in die gefährliche und allzeit verlockende Untiefe des Funeral Doom – die lähmende Monotonie – ab. Ein wirklich gelungener Drahtseilakt, den es auf „Earthless“ zu hören gibt, und der konsequent die noch an den Vorgängeralben zu erkennenden Mankos ausbessert: Vornehmlich durch Steigerung im Bereich der Produktion und eine erfreuliche Überraschung bei der gesanglichen Leistung. Denn durch „Outsourcing“ der Frontmannarbeit und Einbeziehung des Death-Doom-Veteranen Thomas A.G. Jensen (SATURNUS) mit seinen gegrowlten Parts, der die Kompositionen von „Earthless“ in seinem markanten Gesangsstil noch etwas klagender und verzweifelter klingt lässt, wird der Musik von DOOM:VS eine zusätzliche Qualität verpasst. Aber auch gesprochen, geschrien und geflüstert wird auf „Earthless“: Alles sehr harmonisch in die Stimmung der Songs eingefasst. Zudem klingt die Produktion noch etwas satter und voller als noch auf dem Vorgänger.

Natürlich dominieren auch auf „Earthless“ genretypisch markante und walzende Riffs, die fast durchgehend im unteren Geschwindigkeitsbereich angesiedelt sind. Gelegentlich wird jedoch einen (klitzekleinen) Gang hochgeschaltet, und es entstehen mitreißende und geradezu anrührende Passagen, die bestimmt auch alte Metal-Haudegen sprachlos und berührt zurücklassen werden. Zudem gibt es auf „Earthless“ einiges zu entdecken: Ein mitreißendes Duett im Titeltrack, ein einsames Gitarrensolo am Ende von „A Quietly Formin Collapse“, das schwer verdauliche und monolithische „The Dead Swan Of The Wood“, unerwarteter Klargesang in „Oceans Of Despair“, der epische Einstieg in „The Slow Ascent“. Jeder der sechs Songs enthält sein eigenes kleines Highlight – sei es mit ein bisschen Keyboard als Unterstützung, in Form einer bezaubernden Gitarrenmelodie oder als bewusst gesetzte Pause im Gesang: Langeweile kommt auf jeden Fall nicht auf. Dabei sind DOOM:VS stilistisch Traditionalisten im besten Sinne: Alle Songs stehen auf einem soliden Fundament der klassischen Death Doom-Werke der 1990er-Jahre, und man schafft es dennoch, nicht abgedroschen oder wie ein Plagiat zu klingen. Naheliegenderweise erhört man zwar ein bisschen SATURNUS, dazu die Kollegen von MOURNING BELOVETH, manchmal Anklänge bei MY DYING BRIDE – und all dies ist sicherlich keine Revolution des Genres, kein Feuerwerk an Innovation, das hier abgebrannt wird, aber es handelt sich zweifellos um schwer fesselnde und stimmungsvolle Musik, die mit traurigem Herzen und viel Leidenschaft vorgetragen wird.

Und so lässt man sich dann durch die fünfzig Minuten Spielzeit schleppen und kann die düstere, zähe und verzweifelte Stimmung der Songs förmlich greifen. „Earthless“ ist somit ein Genuss für jeden Freund melancholischer Töne im Allgemeinen und Fans der oben bereits genannten Death-Doom-Größen im Speziellen. Also: Zimmertür zu, Vorhänge runter, Frühling raus – „Earthless“ an.

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13.05.2014

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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