
Soundcheck Juni 2026# 6
DUIR veröffentlichen mit „Catarsi“ ihr zweites Album nach „T.S.N.R.I. – Impermanenza“ aus dem Jahr 2022. Aber wer sind DUIR eigentlich?
Wer sind DUIR?
DUIR, abgeleitet aus dem keltischen Wort für „Eiche“, ist eine Folk-Black-Metal-Band, die 2013 von MK, bürgerlich Mirko Albanese (Gitarrist, auch EARD, SILENCE THEREAFTER) in Verona in Italien gegründet wurde. Weitere Mitglieder sind Sänger Vox in Umbra, Gitarrist Skryer (Matteo Greco, auch AMORPHUS, DEFIANT CULT), Schlagzeuger P (Matteo Polinari, vormals Ælegy) und TZ (Thomas Zonato, Dudelsack, Drehleier, Low Whistle). Unter Eigenregie erfolgten die Veröffentlichungen der „Tribe“-Demo (2014) und der „Obsidio“-EP (2018). Inhaltlich beschäftigen sich DUIR auf „Catarsi“ nicht mit den üblichen Stereotypen.
Nicht die üblichen Stereotypen
Die Texte sind komplett in Italienisch gehalten und spielen in der Zeit des Ersten Weltkriegs. Das Werk handelt von einem jungen Soldaten, der zwischen Stolz, Verzweiflung und Vergessen hin- und hergerissen ist. Durch die Verwendung ihrer Landessprache in Kombination mit dem atmosphärisch dichten Klangbild werden Emotionen greifbar, Bilder von Schützengräben, tristem Schlachtengelände zeichnen sich. Die psychische Last des Krieges bringen DUIR in ausgedehnten Kompositionen mit einer Mischung aus Atmospheric / Melodic Black Metal und Folk zum Ausdruck.
Ausgedehnte Kompositionen zwischen Atmospheric / Melodic Black Metal und Folk
Die Grundlage der Klangwelten von DUIR ist im atmosphärischen Black Metal angesiedelt, der jedoch mit zahlreichen stimmungsvollen Folk-Elementen sowie vereinzelten Post- und Doom-Anspielungen durchsetzt ist. Die dichte Atmosphäre, geheimnisvolle Aura und die geschickte, stringente Verflechtung sorgen für einen cineastischen Charakter. Der Sound ist wunderbar schroff.
Die flächigen, ausschweifenden Stücke sind geprägt von verzerrt sägenden Gitarren, die eindringlich kalte Riffs und Melodien liefern, treibende Rhythmen bis hin zu rasenden Blastbeats, dazu packend keifende Screams zwischen Wut und Verzweiflung. Flöte, der Dudelsack oder die Drehleier bieten fein eingewobende, markante folkloristische Akzente. Das gibt dem Ganzen an den richtigen Stellen etwas mehr Fülle, eine Extraportion Epik. Aber, das muss hier klargestellt werden, das sind nur Akzente, der Fokus liegt klar auf dem harschen Schwarzmetall. Und das ist schon ein Unterschied zu vielen Folk / Pagan Black-Metal-Bands, die die Melodien der Folk-Instrumente stärker in den Vordergrund stellen. Hier ist kein Platz für Pathos und noch weniger für Kitsch.
DUIR verstehen es, in ihr aggressives, raues Klanggewand packende, malerische Melodien in einzubetten und Atmosphäre aufzubauen. Das ist nicht ganz unähnlich zu SAOR, wobei die Italiener noch eine Spur düsterer und melancholischer agieren. Auch WINTERFYLLETH und GALLOWBRAID haben Gemeinsamkeiten. Die sich dynamisch entwickelnden langen Stücke leben von nahtlos ineinander wechselnden Abschnitten, verdichten, steigern sich in eine kathartische Reise.
Eine kathartische Reise mit DUIR
Die Eröffnung ist das zehnminütige, rituell wirkende Epos „Manifest“ mit einleitend ruhig klaren Gitarrenklängen die in ein schwarzmetallisches Inferno übergehen, rasend harscher Gesang, depressive Stimmung, ein kurzer traditioneller Abschnitt mit Flöte. „Di Nessuno“ ist ein dichter, ausgeprägt kraftvoller Black-Metal-Sturm, intensiver Gesang, prägnante Riffs, dezent eingeflochtene Dudelsackklänge. Modernen, atmosphärischen Post Black Metal liefern DUIR mit „Impeto“. Gastsänger ist hier L.G. von ELLENDE mit einer zwischen Besessenheit und Verzweiflung pendelnden Performance. Drehleier und Flöte geben dem Stück weitere Klangfarben.
„Della Notte“ als Instrumental ist mit unter fünf Minuten der kürzeste Song mit starken Riffs und akzentuierender Blockflöte. Im zunächst getragenen, weniger aggressiven „Del Giorno“ kombinieren DUIR Post Doom Metal mit Black Metal. Das abschließende „Oltre l’Alba“ beginnt zunächst mit Meeresrauschen und traurigen Dudelsackklängen, ehe der Atmospheric Black Metal wieder mit Wucht hereinbricht. Die folkig-keltischen Elemente sind hier fast während des gesamten Stücks präsent. Der emotionale Höhepunkt auf „Catarsi“.
An die kompositorische Macht von SAOR reichen DUIR (noch) nicht heran. Es fehlt den Stücken noch etwas an vielschichtiger Abwechslung, markanterer Ausformulierung, es gibt einige Längen und der Spannungsbogen wird nicht über die gesamte Spielzeit aufrechterhalten. Das schmälert den ansonsten positiven Gesamteindruck nur wenig.
Positiver Gesamteindruck
DUIR bieten auf „Catarsi“ eine stimmige Mischung aus Atmospheric Black Metal angereichert mit dezenten Folk-Elementen. Nicht in der 1. Liga, aber weit vorne in der zweiten Reihe.

Duir - Catarsi (Digipak)
Markus Endres






























Kommentare
Sag Deine Meinung!