Enid - Munsalvaesche

Review

ENID sind eine dieser Bands, die sich zwar immer treu geblieben sind und ihren eigenen Stil durchgezogen, aber trotzdem nie bloß sich selbst kopiert haben. 1997 von Sänger, Pianist und Bandkopf Martin Wiese und Metal.de-Kollege Florian Dammasch gegründet, klang man von Album zu Album immer ein bisschen anders, mal mehr nach epischem Black Metal, mal gitarrenlastig, mal Soundtrack-orientiert – aber eben immer irgendwo nach dem verspielten Fantasy/Medieval Metal ENIDs. Dann, nach dem 2004er-Überalbum „Gradwanderer“ legte man eine siebenjährige kreative Pause ein, um sich dann im Jahre 2011 mit einem neuen Werk zurückzumelden.

Auf den Namen „Munsalvaesche“ hört das Album, für das man sich im Hause ENID lyrisch wie musikalisch vom mittelalterlichen Artus-Versroman „Parzival“ von Wolfgang von Eschenbach inspirieren ließ und ein daran angelehntes Konzept erdachte, welches sich über acht epische Songs erstreckt und ein bisschen so klingt, als würden sich ENID mit einer Art „Best Of“ ihrer vorigen Alben zurückmelden. So gibt es natürlich auch auf „Munsalvaesche“ wieder die Verspieltheit, mit der es die Band zu einem gewissen Bekanntheitsgrad innerhalb der Szene gebracht hat, es ist die Epik zu hören, aber auch gitarrenlastige, groovende Parts haben es auf das Comeback geschafft. Hier liegt dann auch die Stärke des Albums: In der abwechslungsreichen Dynamik, die sich mal hart, groovend und metallisch („Belrapeire“, „Valley Under Two Suns“), mal an Soundtracks angelehnt und mit orchestralen Arrangements („Red Knight“, „Munsalvaesche“) und mal mit Betonung auf ruhigere, emotionale Momente (im fast pop-rockig anmutenden „Condwiramurs oder am Anfang des abschließenden „Sheafs Of Sparks“) zeigt. Das alles wird ständig durch den warmen, angenehmen Gesang Martin Wieses begleitet, der die Songs, so unterschiedlich sie teilweise scheinen mögen, zusammenhält und dafür sorgt, dass das Album bei aller Abwechslung und bei allen verschiedenen Ausrichtungen, die es zu hören gibt, trotzdem immer ein homogenes Ganzes bleibt.

„Munsalvaesche“ hat also eine ganze Reihe guter bis sehr guter Songs zu bieten und obwohl ich nicht die ganze vorherige Diskographie kenne, wage ich jetzt mal zu behaupten, dass die Songs „Belrapeire“ und „Sheafs Of Sparks“ wegen ihrer Vielfalt mit zum besten gehören, was ENID je geschrieben und aufgenommen haben. Trotzdem bleibt bei „Munsalvaesche“ ein leichter fader Beigeschmack: Oft kommen mir die Songs bei aller Epik ein bisschen künstlich verlängert vor, verzetteln sich in ihrem Spiel zwischen Rock- und Klassik-Instrumentalisierung und wirken auf Dauer oft gegen Ende ein wenig langatmig. Außerdem – und das ist eigentlich der größere Schwachpunkt – wirkt der Sound ein bisschen zu kuschelig. Das mag den orchestralen, Soundtrack-artigen Momenten vielleicht zu Gute kommen, lässt die härteren, gitarrenlastigeren Passagen des Albums – und das sind nicht wenige – aber ein bisschen schwachbrüstig erscheinen.

Das soll die Klasse dieses Albums nicht herunterspielen: „Munsalvaesche“ ist ein gutes, solides Album geworden – und geht an diversen Stellen noch darüber hinaus. Wer ein Album mit einem durchdachten Konzept und großer musikalischen Vielfalt hören möchte, Geduld mitbringen und dabei auch über den teils etwas zu weichen Sound hinwegsehen kann, dem sei „Munsalvaesche“ definitiv ans Herz gelegt.

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20.11.2011

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