Enshine - Transcending Fire (EP)

Review

Sechs lange Jahre sind mittlerweile vergangen, seitdem es das letzte Lebenszeichen von ENSHINE gab – zumindest in Form eines musikalischen Outputs. Kein Wunder allerdings, sind doch beide beteiligten Musiker noch Teil von diversen anderen Bands und Projekten. Vor allem Jari Lindholm dürfte durch den Erfolg mit der Post-Rock-Formation SEAS OF YEARS recht beschäftigt gewesen sein. Vermutlich nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie fand der Schwede nun offenbar wieder Zeit, zusammen mit Shouter Sebastien Pierre an neuen, sphärischen Songs zwischen Melodic Death und Doom zu schrauben. Erstes Ergebnis ist die EP „Transcending Fire“, der im nächsten Jahr auch endlich ein neuer Longplayer folgen soll.

Enshine – Veränderung innerhalb der eigenen Grenzen

Natürlich kann musikalisch in sechs Jahren eine Menge passieren, und so überrascht es nicht unbedingt, dass der titelgebende Song zwar noch nach ENSHINE klingt, aber dennoch gewissermaßen runderneuert daherkommt. Da ist natürlich nach wie vor diese typisch skandinavische Melancholie und auch mit Keyboards wird sich weiterhin nicht unbedingt zurück gehalten. Zunächst überrascht aber bereits der Klargesang von Sebastien Pierre, der aber auch in Sachen Shouts in der Zwischenzeit einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht hat. Auf keinem der beiden vorigen Alben klang der Franzose derart aggressiv, teilweise sogar schwarzmetallisch fauchend. Entsprechend erhalten die Vocals hier auch verdientermaßen mehr Präsenz, als dies früher der Fall war. Statt dauerhaft auf spaceige Synthesizer zu setzen, sorgen die eingesetzten Flächen und natürlich vor allem das Piano eher für eine traurige Grundstimmung, die stellenweise zwar an der Kitschgrenze kratzt, diese aber nicht überschreitet. Gewohnt schmachtend und intensiv fügen sich dabei die Gitarren-Leads von Lindholm in das Gesamtbild ein.

Gleich der Beginn des zweiten echten neuen Songs „Awake In Void“ erinnert wieder viel eher an die älteren Songs von ENSHINE, auch wenn die Shouts nach wie vor die Intensität von „Transcending Fire“ besitzen. Mit einigen Double-Bass-Passagen wird das Tempo leicht angezogen, sowohl Riffing als auch Keys klingen wieder kosmischer als der Opener. Dazwischen schieben sich einige clean gespielte, typische Post-Rock-Gitarrenparts, die dem Engagement bei SEAS OF YEARS geschuldet sein dürften, sich aber durchaus stimmig in die Songstruktur von „Awake In Void“ einfügen.

Die beiden anderen „Songs“ der Vier-Track-EP sind dann – so ehrlich muss man sein – eher schönes Beiwerk und lediglich für absolute Fans interessant. Das nur aus Elektronik-Sounds und Gitarre bestehende „Ascend“ ist zwar ganz nett, taugt aber letztlich nur als Interlude. Ziemlich gelungen ist hingegen die Akustikversion des 2013er-Instrumentals „Constellation“ vom Erstling „Origin“. Tatsächlich schafft es Lindholm das Hauptthema noch einmal spannend neu in Szene zu setzen, das erst auf diese Weise einen starken Folk-Charme entfaltet.

Hoffnung auf kommendes Album – „Transcending Fire“

ENSHINE bleiben auf ihrer neuen EP sie selbst, dennoch ist eine gewisse Entwicklung innerhalb der selbst gesetzten stilistischen Grenzen auszumachen. Während Songwriter und Hauptinstrumentalist Jari Lindholm Post-Rock-Einflüsse zulässt und den Keyboard-Soundteppich zumindest im Titeltrack ein klein wenig zurück fährt, zeigt Sebastien Pierre seine bislang stärkste Performance am Mikro.

„Transcending Fire“ ist ein starker Beweis, dass es die Band noch gibt und macht Hoffnung auf das hoffentlich bald erscheinende neue Album. Ob es die beiden B-Seiten-Tracks unbedingt gebraucht hätte, darüber lässt sich streiten. Zumindest die Akustik-Folk-Einlage ist in jedem Fall äußerst gelungen. Welcome Back, ENSHINE!

30.07.2021

Time doesn't heal - it only makes you forget.

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