Flowing Tears - Thy Kingdom Gone

Review

Die deutsche Antwort auf LACUNA COIL nennt sich FLOWING TEARS und das nicht erst seit dem internationalen Durchbruch der Italiener. Wobei die Anfänge der Band eher an den Karrierestart von THE GATHERING erinnern. Damals firmierte man noch unter dem Namen FLOWING TEARS & WITHERED FLOWERS und spielte atmosphärischen Doom Metal mit Death-Einschlag, allerdings noch ohne weiblichen Gesang. Der kam erst später in Form von Stefanie Duchêne dazu (die 2002 die Band verließ und von Helen Vogt ersetzt wurde), nach dem zweiten Album verkürzte man den Bandnamen auf FLOWING TEARS und nach dem göttlichen „Jade“-Album begann man damit, den Gesamtsound zu erneuern und den musikalischen Horizont zu erweitern, was sich in den folgenden Alben „Serpentine“ (sehr gut) und „Razorbliss“ (gut) niederschlagen sollte.

Nach einem halbakustischen Livealbum melden sich die Saarländer mit „Thy Kingdom Gone“ wiedererstarkt zurück und geben von Anfang an mächtig Gas. Mit reinem Gothic Metal hat das alles nichts mehr zu tun, eigentlich hatte das die Band auch nie, denn alleine schon der tiefe, melancholische Gesang von Helen Vogt (die stimmlich gut in die Fußstapfen von Duchêne trat) unterscheidet sich erheblich vom üblichen Engelsgesang des Genres. Wenn man schon eine Referenz an die alten Tage heranziehen möchte, dann ginge das allenfalls über „Colossal Shaped Despair“, dem doomigsten und traurigsten Stück der Platte, das Gitarren-technisch an PARADISE LOST zu „Draconian Times“-Zeiten erinnert. Doch ansonsten ist die totale Depression einem wesentlich Rock’n’Rolligeren Ansatz gewichen. Das Quartett bewegt sich abseits jeglicher Trauerweidenklischees: Mal rockig, mal metallisch, mal aggressiv nach vorne preschend (die Riffs in „For My Enemies“ könnten auch von einer Power-Metal-Truppe sein), mal melancholisch in sich versinkend, mal atmosphärisch agierend – es gibt nichts, was die Band schrecken könnte. Erneut erweisen sich die satt produzierten Gitarren als perfektes Fundament für die Songwriting-technisch ausgefeilten Songs. Mal brutzeln sie einfach nur heavy vor sich hin (wie im atmosphärischen „Pain Has Taken Over“), mal bezirzen sie den Hörer mit unerhörter Eingängigkeit (siehe den Opener „Orchidfire“, das mit einem starken Chorus gesegnete „Words Before You Leave“ oder die potentielle Hitsingle „Grey“), auf jeden Fall stellen die FLOWING TEARS sie weitaus mehr in den Vordergrund als vergleichbare Acts. Was die Band schon immer grandios beherrscht hat, ist das wunderbare Ausgestalten ihrer Songs. Meist sind es Kleinigkeiten, Details, die aus einem guten Song einen sehr guten machen. Das haben die fliegenden Tränen früher schon richtig gut hingekriegt, aber mittlerweile beherrschen sie das fast schon in Perfektion und das macht sie für mich zu einer solch großartigen Band.

Ein besonderes Schmankerl ist der Titelsong, der durch effiziente Keys und verstörende Atmo besticht und zum größten Teil von SAMAEL’s Vorph gesungen wird! Es gibt also erneut eine Menge zu entdecken auf „Thy Kingdom Gone“. Auch wenn „Jade“ unerreichbar sein mag, so ist das aktuelle Werk das vielleicht beste seit jenem 2000er-Geniestreich. Ein Pflichtkauf für jeden aufgeschlossenen Düster-Metaller!

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13.11.2008

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2 Kommentare zu Flowing Tears - Thy Kingdom Gone

  1. Holger sagt:

    die cd ist "anders". anders als das was vorher war. sie gehen ihren eigenen weg. und so soll es sein. was ich an jade und serpentine mochte ist kaum noch vorhanden. das ganze wirkt massiver und orrantreibender. eine gute scheibe – wenn auch anders als das was sie ausmachte bisher.

    7/10
  2. Anonymous sagt:

    Irgendwie habe ich den Werdegang der Band nach der Zazorbliss nicht mehr weiter verfolgt. Ich dachte die Band hätte sich aufgelöst oder ähnliches. Vor 1 1/2 Jahren hatte ich dann mal so halb mitbekommen es gäbe ein neues Live Album. Live Album, bei 3 CDs? Naja muss nicht sein. So ist mir auch Ende des letzen Jahres diese Scheibe an mir vorbeigegangen. Doch irgendwie dachte ich mir hörste sie mal an. Gleich beim ersten Song war ich recht überrascht. Ich hätte nun erwartet das die Band so Richtung Razorbliss weitermacht doch was ich da hörte traute ich mein Ohren nicht. Die nächsten Songs waren von ähnlicher düsterer Härte. Als dann das Titelstück mit Vorph kam dachte ich nur noch Au Backe, ist das schweine geil.

    Mittlerweile rotiert die CD (ich liebe diesen Ausdruck einfach obwohl ich alle meine CDs als ogg/vorbis auf der Pladde habe) schon mindestens 23x bei mir und von den unzähligen Abläufen im Auto mal abgesehen und ich bin immer noch Lied für Lied begeistert. Viele Sachen hören sich schnell ab, aber bei dieser Pladde ist es einfach anders. Ich liebe sie immer noch nach jedem Durchlauf. Die Songs sind einfach gigantisch gut. Bei den 12 Stücken ist kein Ausfall zu erkennen. Das Spektrum der musikalischen Qualität ist enorm. Vom Einsteiger "Orchidfire" über das Titelstück "Thy Kingdom Gone" bis zu dem sentimentalen "Miss Fortune"

    Nach über 23 mal Anhören kommt mir die Platte immer noch nicht aus den Ohren raus, sowas kann einfach nur 10 Punkte geben. Ich würde sehr gerne noch mal 2 Bonuspunkte drauf legen weil die Saarländer einfach die unterbewerteste Band Deutschlands sind. Jeder der The Gathering zu Mandylion Zeiten nachtrauert und Samael zu Zeiten von Ceremony Of The Opposites liebt sollte hier zuschlagen! Pflichtkauf!

    10/10