Gefrierbrand - Es war einmal…

Review

GEFRIERBRAND aus Pforzheim beschäftigen sich auf ihrem inzwischen dritten Album „Es war einmal…“ mit alten Märchen und Sagen der deutschen Lande; wertvolles und prägendes Kulturgut also, das heutzutage leider etwas in Vergessenheit geraten ist. Beschäftigt man sich mit diesen wundersamen Geschichten, erkennt man schnell, wie viel Düsternis, Schaurigkeit und Brutalität darin steckt. Also durchaus passende Themen für eine Band, die musikalisch in der Schnittmenge aus Melodic Death,  Black und Thrash Metal agiert und an der Pforte zum dunklen Schwarzwald beheimatet ist.

Mit „Es war einmal…“ von GEFRIERBRAND in die wundersame Welt der Märchen und Sagen eintauchen

„Es war einmal…“ beginnt schon gleich so, wie man es sich vorstellen mag. Ein Schaukelstuhl knarrt, es wird in einem Buch geblättert, beschauliche Akustikgitarrenklänge, Stimmung baut sich auf. Dann der Titelsong, der gleich flott Fahrt aufnimmt. Schnelle Double Bass, harsches, tightes Riffing, eingestreute Melodien, aggressiver Schreigesang, inhaltlich kurze Anrisse bekannter Märchen wie Rapunzel, Rotkäppchen, Rumpelstilzchen und Der Froschkönig, die teils auf dem Album selbst noch mal thematisiert werden. Mit einem recht simplen Riff eröffnen GEFRIERBRAND das folgende „Boten des Todes“, ein straightes, flottes, brutales Stück in der Schnittmenge Death/Black Metal mit wechselnden Rhythmen und fiesem Gesang mit einer guten Portion Zynismus. GEFRIERBRAND sind um Abwechslung und Atmosphäre bemüht: Es gibt wieselflinke Blast Beats wie in „Der Graf von Gleichen“, melancholisch düster schleppendes wie der erste Teil vom gruseligen „Totenhemdchen“, das zunächst von einer traurigen Gitarrenmelodie getragen wird aber in sich auch einige Brüche hat. Weitere Höhepunkte auf „Es war einmal…“ sind „Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben“, das zunächst ruhig anfängt, etwas Epik und Progressivität in sich trägt, dazu grausame, in Erzählform dargebotene Lyrik. Auch „Das letzte Haus (am Ende des Brotkrumenweges)“, hier wird die Geschichte von Hänsel und Gretel interessanterweise aus dem Blickwinkel der Hexe erzählt, ist ein toller, etwas schnellerer Song, mit fieser Stimme und dunkler Atmosphäre. Auch in „Rot“ erzählen GEFRIERBRAND ein Märchen mit geänderter Perspektive, hier das Rotkäppchen, aber aus der Sichtweise des bösen Wolfes. Das Stück fällt stilistisch etwas aus dem Rahmen, da der Anfang balladesk gehalten ist mit Akustikklängen und klarer Gesangsstimme, die allerdings leider nicht so gelungen ist und recht geqäult klingt. Im Refrain wird dafür ordentlich gekeift. Nicht alles ist gelungen, nicht jede Idee zündet, aber im Großen und Ganzen machen GEFRIERBRAND verdammt viel richtig!

Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage

„Es war einmal…“ ist ein gelungenes Album voller Märchen, die von GEFRIERBRAND interessant, durchdacht und vor allem grausam-schön interpretiert wurden, abseits üblicher Klischees.

03.04.2020

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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4 Kommentare zu Gefrierbrand - Es war einmal…

  1. doktor von pain sagt:

    Die Toppits-Gefrierbeutel-Werbung hat früher immer vor Gefrierbrand gewarnt – jetzt haben wir den Salat.

    1. Se Wissard sagt:

      Hust, sind halt Top Hits. Hust…

  2. Steppenwolf sagt:

    Werd’s als alternative zu den herkömmlichem Gutenachtgeschichten für meine Kinder nehmen. Mal gucken was die davon halten 😂
    ich finds eigentlich ganz witzig auch wenn ich was anderes erwartet habe…
    Den Namen find ich mal mehr als gewöhnungsbedürftig. Was man sich wohl dabei gedacht hat 🤔

  3. sardine sagt:

    Ich kannte die Band vorher nicht, bin aber durch meine enge Verbindung unter anderem zum Punk daran gewöhnt nichts auf die Bandnamen zu geben, somit bin ich komplett unvoreingenommen an diese Platte ran gegangen.
    Ich bin aber echt positiv überrascht, die Songs an sich sind allesamt soweit auf einem wie ich finde akzeptabel guten Niveau. Die Texte bzw. die Thematik der Songs….ok….muss man sich dran gewöhnen…aber hey ist mal was anderes und man kann auch mal Fünf gerade sein lassen. We butter the bread with butter oder die Grindfuckers singen auch keine lyrischen Ergüsse.
    Dennoch finde ich dass Gefrierbrand eine Hand für schnörkellosen Black/Death Metal haben der mit wirklich guten melodischen Riffs rüberkommt und auch gekonnt mit Tempowechsel spielt. Ich würde diese Scheibe irgendwo in dem Bereich schwedischer Melo Death einordnen, denke da kann man das gerne mal dazwischen laufen lassen. Für mich echt soweit gut hörbar.

    7/10