Horrendous - Ecdysis

Review

Es ist immer wieder angenehm zu hören, wenn junge Formationen den engen Schubladen, in die sie sich in ihren ersten Jahren selbst mit reichlich Freude gesteckt haben, entkommen möchten. Ein sehr interessantes Beispiel für diese Suche nach der eigenen Nische sind die noch weitgehend unbekannten US-Ostküstler HORRENDOUS mit ihrer zweiten Scheibe „Ecdysis“.

Der nach wie vor größte Einfluss des Trios mögen diverse klassische (Stockholm-)Todesbleitruppen der frühen 90er Jahre sein, doch auch die Göteborger Schule sowie neuere, progressiv-psychedelische Death-Metal-Emporkömmlinge à la TRIBULATION und MORBUS CHRON scheinen ihre Spuren hinterlassen zu haben. Das alles ist so geschickt vermengt, dass einzelne Lieder nie zu deutlich dieser oder jener Lehre folgen; es sind stets nur Aussagen über grobe Tendenzen möglich: Das siebenminütige „The Stranger“ etwa zeigt trotz beachtlicher Vehemenz eine deutlich melodisch-verlockende Seite, die ekstatisch aufheulenden Gitarrenläufe von „Pavor Nocturnus“ möchten parallel zum mächtigen Wumms entwirrt werden und das aggressive „Resonator“ ist mit seinem Schnell-langsam-Wechselspiel wunderbar dynamisch. Das dazwischen hervorbrechende heisere Gekrächze erinnert stellenweise stark an Martin van Drunen, verbirgt seine Einflüsse aber größtenteils besser und wird beim packenden „Nepenthe“ gar zu gespenstisch verwehten Lauten. Zu allem Überfluss haben die US-Amerikaner mit den beiden Instrumentalstücken „The Vermillion“ und „When the Walls Fell“ dann auch noch willkommenes Zierwerk angebracht – erstgenanntes völlig entspannt und leise gezupft, zweitgenanntes metallisch hart.

HORRENDOUS gehören zu jener gefühlt kontinuierlich schrumpfenden Minderheit, die es vermag, das Altbekannte respektvoll aufzufrischen. Ihre Verspielt- und Offenheit bleibt wohldosiert und lässt den Death-Metal-Kern noch intakt, wenngleich die kompromisslose Brutalität ihres ebenfalls empfehlenswerten Debüts „The Chills“ natürlich geringfügig aufgeweicht wurde. Dafür haben sie mit „Ecdysis“ ein ebenso vielköpfiges wie unberechenbares Ungeheuer erweckt – ein Haupt zähnefletschend, eines finster und schemenhaft, ein anderes wieder betörend anmutig. Sich ihm zu stellen verspricht ein gehöriges Abenteuer.

10.11.2014

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