Host - IX

Review

Soundcheck Februar 2023# 10

HOST ist das neueste Projekt des PARADISE LOST-Gitarristen Greg Mackintosh. Unterstützt von Nick Holmes begibt sich das HOST-Debüt „IX“ in die Untiefen des 1980er Gothic-Rock-Dark-Wave-Universums, vornehmlich englischer Spielart. Da fallen natürlich so illustere Namen wie THE SISTERS OF MERCY , Anne Clark und NEW ORDER – ebenjene Künstler, die Mackintosh und Holmes in ihrer Hochzeit faszinierten und die musikalisch die Clubs des heimatlichen West Yorkshire bevölkerten.

HOST zieht es zurück in die 1980er-Jahre – und die Jugend der PARADISE LOST-Masterminds

Mitnichten ist HOST dabei eine direkte Fortsetzung des gleichnamigen Albums von PARADISE LOST, das zwar weitgehend elektronische Elemente nutzt, aber insgesamt doch eher synth-poppig daherkommt. Dennoch ist der Projektname eine Hommage an die experimentierfreudige und für Fans durchaus herausfordernde Ära von PARADISE LOST. Gleichsam kommen einige Parallelen mit PARADISE LOST zum Vorschein. Holmes‘ charismatischer Gesang erinnert des Öfteren an „One Second“, auch die eingesetzten Streicher und spärlich gesetzten Gitarren sowie die eingängigen Melodien aus der Feder von Mr. Mackintosh sind bei den Gothic-Death-Doom-Urgesteinen zu finden.

„IX“ hat einige Höhepunkte im Gepäck: Das stampfende „A Troubled Mind“ und „Tomorrow’s Sky“ bringen einen astreiner Tanzflächen-Beats mit, „Instinct“ offenbart einen knalligen Darksynth-meets-PARADISE LOST-Ansatz mit Vintage-Überzug, oder besser: ein Beispiel dafür, wie Darksynth vielleicht wirklich in den 1980ern geklungen hätte. Auch der Opener „Wretched Soul“ hat wunderbares Ohrwurmpotential. Jaja, sowas kann er, der Greg.

Dabei setzt HOST nicht auf bloße Nostalgie und einen Retro-Sound, sondern versucht auch moderne elektronische Musik einfließen zu lassen – Bezüge zu modernen Electro-Ansätzen sind klar erkennbar, hiervon zeugt nicht zuletzt die von Synthwave-Künstler GOST beigesteuerte Remix-Fassung des bereits erwähnten „Tomorrow’s Sky“.

Daneben stehen aber leider auch ein paar Füller, die zwar nicht wehtun, aber auch etwas beliebig wirken. Nennen wir hier das eher unspektakuläre „My Only Escape“ oder das verträumte „Inquisition“ – alles nicht schlecht, aber auch nicht alles richtig gut. Auch das abschließende A FLOCK OF SEAGULLS-Cover „I Ran (So Far Away)“ ist eine nette Verneigung, aber die Interpretation von HOST weit von der Klasse und dem bemerkenswert luftig-unschuldigen Charme des Originals entfernt.

„IX“ verbindet Old-School-Sound mit modernen Elementen zu einem gelungenen Experiment

„IX“ ist vielleicht nicht der ganz große Wurf und sicherlich keine Revolution – aber durchaus ein gelungenes Experiment. HOST liefern ein gefälliges und unterhaltsames Werk, das für echte Elektro-1980er-Nostalgiker mit Mut zur Neuinterpretation eine Anschaffung wert sein dürfte. Mit HOST lebt Greg Mackintosh eine weitere Facette seines persönlichen, düsteren Musikuniversums aus – bleibt zu hoffen, dass er seinem kreativen Drang auch zukünftig schön scheuklappenfrei nachgibt.

21.02.2023

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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6 Kommentare zu Host - IX

  1. Watu sagt:

    Geht mir hier so, wie bei Paradise Lost selbst auch. Kann was, angenehm zu hören, aber prallt irgendwie relativ emotionslos an mir ab. Was sicher auch mit den etwas belanglosen 08/15 Vocals zu tun hat. Aber ganz solide und ich kann mir gut vorstellen, dass es Leute gibt die das genau so haben wollen und mögen. Für mich selbst bleibt dann nur die Hoffnung auf den 24.02.!! :)))

  2. doktor von pain sagt:

    Ich mag Paradise Lost, aber nicht alles von denen. Tatsächlich bin ich gar kein so großer Freund der Doom-Death-Frühwerke, weswegen ich auch mit den letzten Alben, die zumindest ein Stück weit zu den Wurzeln zurückgehen, nur bedingt etwas anfangen kann. Das erste PL-Album, das ich seinerzeit kennengelernt habe, ist „One Second“ aus dem Jahr 1997, und bis heute ist das auch mein Favorit. Dahinter kommen das selbstbetitelte Album aus dem Jahr 2005 und „Draconian Times“ von 1995.

    Lange Vorgeschichte, wenig danach: Der hier verlinkte Song des Nebenprojekts von Mackintosh und Holmes ist ganz nett, er haut mich allerdings nicht gerade um. Kann man gut nebenbei hören, doch ob ich mir das als physisches Album ins Regal stellen würde, weiß ich nicht.

  3. nili68 sagt:

    >Das erste PL-Album, das ich seinerzeit kennengelernt habe, ist „One Second“ aus dem Jahr 1997, und bis heute ist das auch mein Favorit.<

    Genau wie bei mir. Der Song hier ist okay. Mehr hab' ich momentan nicht dazu zu sagen.

  4. ArtBeck sagt:

    Charismatische Stimme? Es tut mir leid, aber der melodische, klare Gesang war und ist keine Stärke von Nick Holmes. Bis zur Auto-Tune-Grenze komprimiert, klang und ausdruckslos…vor sich hinplätschernd. Ohne Seele, ohne Tiefe. Und so startet IX mit „Wretched Soul“ und kommt von Anfang an nicht aus dem bedeutungslosen Plätscher-Quark. Das ist nett, kann man nebenbei hören, tut nicht weh – die Sounds passen zum 90s Vibe. Brauchen tu ich’s nicht.

    6/10
  5. Vlad_the_Impala sagt:

    Klingt halt auch echt wie PL-Resterampe aus den Spätneunzigern/Frühzweitausendern. Wow, hätte ich nicht gedacht. Aber gut, dieses Cover-Artwork, nun ja…
    Zu gern hätte ich meinen Vorrednern widersprochen, aber .. vielleicht beim nächsten Mal. 😀 (bin btw.eher so der Shades../Icon-Typ)..

  6. doktor von pain sagt:

    Nachdem ich nun doch das komplette Album gehört habe, muss ich ernüchtert feststellen: Nee, so prickelnd ist das nicht. Es ist nicht schlecht, aber doch ziemlich belanglos. Da ist das Album „Host“ von Paradise Lost besser als das gleichnamige Projekt.

    6/10