Innenkrieg - Kahlschlag

Review

Zu den Schmähbezeichnungen unerwünschter Black Metal-Stile könnte sich jetzt neben Gutmenschen-, Studenten- oder Muttersöhnchen-Black Metal noch eine weitere gesellen: Grafikdesigner-Black Metal. Dabei geht es darum, einen unspektakulären bis verhunzten Inhalt möglichst medienwirksam zu verpacken, indem man mehr Zeit in das Beherrschen von Photoshop als in das eines Instruments investiert. Ich fürchte, das hat das baden-württembergische Duo INNENKRIEG schon mit ihrer ersten Veröffentlichung, gekleidet in ein auf 70 Stück (!) limitiertes Digipak, zu einem hohen Grad perfektioniert.

INNENKRIEG sehen ein bisschen wie IMMORTAL aus und klingen auch ein klein wenig so wie die Norweger auf „Battles In The North“, auch wenn sie bei weit weniger musikalischem Talent trotzdem noch einen straighteren Eindruck machen. Das liegt wiederum nur an dem ziemlich schlechten Drumcomputer, der den Songs zwar einen gewissen Frame (für Nicht-Grafikdesigner: Rahmen) verleiht, ihnen dafür aber samt und sonders die Atmosphäre klaut. Da könnte man mal selektiv mit „Farbe ersetzen“ dran. Das Herzstück eines Black Metal-Albums, die Riffs, taugen leider ebenfalls nur sehr begrenzt. Was die beiden noch recht jungen ausschauenden Musiker, Rakshasa und Jerndöd, auf ihren Gitarren anstellen, bewegt sich irgendwo zwischen altbekannt, disharmonisch, verstimmt und undurchschaubar. Vor allem aber macht es den Eindruck, ziellos zu sein.

Auch nach längerer Suche habe ich nicht ein einziges wiedererkennbares Riff finden können. Da müsste man mal hart das Rauschen reduzieren, ehrlich. Der unheimlich verwaschene, basslastige und digital klingende Saitenmansch macht es einem aber auch nicht leicht, überhaupt irgendetwas herauszuhören. Zu viel Gauß’scher Weichzeichner. Was dann noch an Konturen da ist, verwischt der irre uninspirierte und gleichförmige Gesang. Der könnte gut und gerne 30, 40 Prozent mehr Kontrast vertragen. Und was die Texte angeht, die „menschliche Abgründe, mit denen man tagtäglich konfrontiert wird“, thematisieren sollen, könnte meinem Gefühl nach ein bisschen mehr Belichtung nicht schaden. Bedauerlich, dass man in Photoshop keine Sinnhaftigkeits- und Grammatikkurven autobegradigen kann.

Schade, dass sich viele Bands keine Gedanken darum machen, mit welchen Abgründen man als Rezensent Woche für Woche konfrontiert wird. INNENKRIEG sind ein Abgrund von sehr vielen einer Art, wie man sie in Deutschland und überall anders auf der Welt leider häufig findet. Eine offenbar persönliche Angelegenheit junger Black Metal-Fans, die meinen, man müsse umgehend die Öffentlichkeit mit den eigenen Ergüssen beschallen. Muss man aber nicht. Wenn der beste Track einer Platte das neunminütige Outro ist, das aus Regensamples, Akustikgitarre und einem sechs Minuten lang gehaltenen Keyboardton besteht, und der Rest so vollständig unemotional und ungekonnt wirkt, sollte man als Grafikdesigner lieber doch an seinem Rechner bleiben und die Finger von der Musik lassen.

13.03.2011

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