Jesus On Extasy - The Clock

Review

2011 war für JESUS ON EXTASY bisher kein gutes Jahr. Nach der Trennung von Sänger Chai stiegen auch noch Bassist BJ (persönliche Gründe) und Keyboarderin Ophelia Dax, die sich auf ihre andere Band APOPTYGMA BERZERK konzertrieren wollte, aus. Und als wäre das nicht genug, zog sich auch noch Drakkar Records aus dem Vertrag mit den Essenern zurück. Wohl in dem Glauben, die Band wäre zerbrochen.

Mastermind Chai Deveraux raffte sich dann aber auf, um allen zu zeigen, dass dies nicht der Fall war. Zunächst gründete er mit Farscape Records sein eigenes Label zur Veröffentlichung zukünftiger Projekte. Anschließend suchte er gemeinsam mit Drummer Dino nach neuen Mitstreitern und fand schließlich  Chris Kassad, der fortan den Bass bedient und Sängerin Manja Wagner, die dem ein oder anderen vielleicht von X-PERIENCE oder ILLUMINATE bekannt sein dürfte. In diesem Line-Up spielte die Combo ihr viertes Studio-Album “The Clock“ ein, das gleichzeitig den Beginn einer Triologie darstellen soll, die sich thematisch um Zeit und Vergänglichkeit drehen soll.
Dabei hat sich an der grundsätzlichen musikalischen Ausrichtung von JESUS ON EXTASY gar nicht einmal so viel verändert. Nach wie vor haben die Musiker beim Songwriting Riffs und Drum-Elemente aus dem Gothic Metal als Basis für ihre Songs hergenommen. Diese verbinden sie mit elektronischen Elementen aus dem Synth Rock, wie ihn Bands wie THE CRÜXSHADOWS oder ZEROMANCER machen. Aber auch der leicht punkig angehauchte Industrial Metal der DEATHSTARS blitzt immer wieder auf. So entsteht eine mitreißende Mischung aus klassischen Gitarren-Sounds und elektronischen Beats, die den Hörer auf eine düstere Reise mitnehmen und mit ihrer tanzbaren Grundausrichtung vor allem in den Clubs für reichlich Furore sorgen wird. So weit, so bekannt. Neu im Sound der Ruhrpöttler ist hingegen die weibliche Stimme von Manja, die dem Ganzen noch einen Anstrich in Richtung des Female Fronted Gothic Metal verleiht, dessen Speerspitze Bands wie XANDRIA oder EPICA bilden. Dadurch fügt sie dem Material noch eine weitere Facette hinzu, welche die Vielschichtigkeit des Album noch einmal unterstreicht.
Leider verliert dies aber mit zunehmender Spielzeit etwas an Spannung. Wo die Songs am Anfang noch aufregend, mitreißend und eingängig sind, kommt in der zweiten Hälfte eine dezente Langeweile auf. Die Elemente der einzelnen Titel ähneln sich dann doch zu sehr und auch Manjas Stimme sorgt logischerweise nicht über die gesamte Dauer der Scheibe für jenen Überraschungseffekt, der den Hörer aufhorchen lässt. Dafür ist ihr Stil einfach jenen von anderen Sängerinnen der Symphonic Metal und Synth Rock Szene zu ähnlich. Dafür werden Fans der Band mit einigen kleinen Highlights entschädigt. So findet sich mit “Ordinary World“ eine gelungene Cover-Version eines DURAN DURAN-Klassikers, sowie ein Song, dem der BELOVED ENEMY-Sänger Ski seine unverwechselbare Stimme aufdrückt und der auf den Namen “Snow Of Syberia“ hört.
Und dann gibt es ja auch noch die drei Bonus Tracks. “The River“ ist eine Instrumental-Version, welche die düster-emotionale Grundstimmung des Albums perfekt einfängt und als letzter Song auf dem Album für einen gelungenen Abschluss sorgt. Von “Nothing To Cry For“ findet sich noch eine zweite nachdenkliche Version, die in einem Hotelzimmer aufgenommen wurde und ohne jeglichen elektronischen Schnickschnack die musikalischen Fähigkeiten der einzelnen Musiker unterstreicht. Und letztendlich stellt Chai mit einem Ambient-Mix von “Heartless“ auch noch sein Geschick als Mixer unter Beweis, auch wenn dieser nicht so richtig zum Rest des Albums passen will.

JESUS ON EXTASY haben es also geschafft. Sie sind nicht tot! Im Gegenteil haben sie mit “The Clock“ bewiesen, dass sie lebendiger sind denn je. Auch wenn noch nicht alles Gold ist, was glänzt, werden die Essener es mit diesem Album schaffen, sich neue Fan-Schichten zu erschließen, ohne dabei ihren eigentlichen Sound und damit ihre alten Fans zu verleugnen. Auf diese Weise wird es für die Band gewiss auch in Zukunft wieder nach oben gehen.

 

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12.10.2011

Der metal.de Serviervorschlag

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