Letzte Instanz - Goetter Auf Abruf

Review

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Die Geschichte der Letzten Instanz ist kurz, aber ereignisreich. Von der klassisch angehauchten Folkband auf ‚Brachialromantik‘ ist heute kaum noch was übrig, ebenso von düstergotischen Anleihen in ‚Das Spiel‘, und selbst auf den Stil des zurecht hochumjubelten ‚Kalter Glanz‘ konnte man sich nicht einigen. Ein paar Bandmitglieder wurden ausgetauscht, wie schon auf der letzten Tour steht nun ein zweiter Gitarrist in den Startlöchern, und um die Verwirrung perfekt zu machen lud man sich auch rasch einen Gastrapper, Pianisten und Kinderchor (!) ein um das neue Werk zu perfektionieren.
Dementsprechend chaotisch heimelt sich dieses komplexe Konstrukt auch beim ersten Durchlauf dem Hörer an. Statt eines straighten Openers im Stile von ‚Ganz oder gar nicht‘, gibt es nun mit ‚Salve Te‘ eine merkwürdige Mischung aus Thomas D. Strophen, einem Rammstein Refrain und einem klassischen Cellozwischenspiel das am Ende die Rückkehr in Crossovergefilde einleitet. Das seltsamste an diesem Lied ist aber: Es funktioniert von vorne bis hinten und sorgt Live für wahre Begeisterungsstürme.
Dementsprechend ist das ganze Album anzusiedeln. Mangelnden Experimentiergeist konnte man dieser Band ja sowieso noch nie vorwerfen, aber auf ‚Götter auf Abruf‘ vermischen sich mehrere Musikepochen die scheinbar nichts miteinander zu tun haben zu einem homogenen Ganzen. Zwar zieht sich immer noch ein roter Crossoverfaden durch die Scheibe (der aufgrund der zweiten Gitarre jedoch deutlich roher rübergedroschen wird), aber zwischenzeitlich gibt es stetig muntere Ausflüge in den Blues (‚Am Fluss‘), Folk (‚Zwei Wege‘), Nu Metal (‚Der letzte Schrei‘), Hiphop (‚Position im Kosmos‘) oder Klassik (‚Sprachlos‘).
Ebenso anspruchsvoll und breitgefächert sind auch die Texte des Albums, zum letzten Mal vorgetragen vom großartigen Sänger Robin Sohn, welche zwar nicht ganz die Genialität des Vorgängeralbums erreichen, aber sich dennoch auf allerhöchstem Niveau befinden. Gerade die Balladen sind textliche Meisterwerke die geradezu nach Interpretationen schreien und einem auch nach Wochen nicht mehr aus dem Kopf gehen. Gerade wenn man bedenkt wie sich viele deutsche Bands schwer tun Texte in ihrer Landessprache zu verfassen, muss man vor der Letzten Instanz absolut den Hut ziehen. Egal ob bei Folk, Nu Metal oder Blues Anleihen – die Lyrik harmoniert wunderbar mit der Musik.
Und damit enden diese 53 Minuten dann auch. Bei allem Innovationsgeist muss man teilweise doch anmerken, dass die Band mehr Zeit in das Streben in neue Genres verbracht hat, als beim eigentlichen Komponieren der Stücke. Somit ist zwar alles einwandfrei, kommt aber nicht ganz an den Kalten Glanz der Jahrtausendwende ran. Ein starkes Album ist es aber trotzdem – und live ist diese Band sowieso eine Macht. Zumindest war sie das bis zu diesem Zeitpunkt, denn nachdem nun erneut etliche Bandmitglieder die Stechkarte gezogen haben und nun in neue berufliche Richtungen streben, ist es fraglich wie es mit dieser Band weitergeht. Vermutlich werden wir uns aber auch in Zukunft über undefinierbare Alben in allen Genregrenzen freuen dürfen.

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27.03.2005

Der metal.de Serviervorschlag

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