LIghtfold - Deathwalkers

Review

Um die drei Elefanten im Raum gleich vorweg anzusprechen: Ja, das Albumcover von LIGHTFOLDS zweiter Scheibe „Deathwalkers“ ist eine schlechte Kopie von SYMPHONY Xs „Underworld“. Ja, das lyrische Konzept hinter den 13 Songs ist ein dreistes Plagiat der Geschichte, die SEVENTH WONDER auf „Mercy Falls“ erzählen. Ja, die Sopranstimmen aus der Dose, denen man auf den ersten paar Songs begegnet, erinnern geradezu verdächtig an NIGHTWISHs „Once“. Allen Remineszenzen zum Trotz können die vier Griechen auf ihrem neuen Langspieler doch mit einer überraschend eigenständigen Mischung aus Progressive und Power Metal punkten.

„LIGHTFOLD“ – Im Spannungsfeld von Prog und Power

Das Telefon klingelt. „Hey Babe, I’m on my way. I’ll be home soon.“ Dann der verhängnisvolle Crash. Ein Mann, der nach einem Autounfall ins Koma fällt, verzweifelt versucht, aus der Zwischenwelt zwischen Leben und Tod zu seiner Geliebten zurückzufinden, am Ende der Geschichte aber dennoch das Zeitliche segnet? Genau das war auch das Konzept auf SEVENTH WONDERs „Mercy Falls“. Mit „Deathwalkers“ präsentieren die Griechen von „Lightfold“ ein Konzeptalbum in der Tradition von DREAM THEATERs „Scenes from a Memory“ oder eben SEVENTH WONDERs dritter Scheibe, wobei an die schwedischen Kollegen nicht nur die Lyrics, sondern oftmals auch die musikalischen Aspekte im engeren Sinne erinnern, die Kombination atmosphärischer Gitarrenpassagen mit komplex verschachtelten Prog-Strophen und bombastischen Power-Metal-Melodien namentlich.

An die Virtuosität von Andreas Blomqvist und Co. kommen die Griechen dabei freilich nicht ganz heran, und man kann nicht umhin, bei den anspruchsvolleren Passagen des Albums jene Präzision zu vermissen, die Bands des genannten Kalibers letzten Endes auszeichnet. Schade ist das insbesondere in der Hinsicht, dass die rhythmisch durchaus interessante Gitarrenarbeit dadurch erheblich an Charme verliert, sodass man sich bisweilen wirklich zu fragen genötigt sieht: „Ist das nun ein ungerader Takt oder einfach nur schlecht eingespielt?“

Dass „Deathwalkers“ dennoch nicht einfach ein mittelmässiges Album geworden ist, bewirkt einerseits das starke Songwriting – die Balance zwischen progressiver Komplexität und emotional geladenen Melodien gelingt LIGHTFOLD hier vorzüglich -, die ausgezeichnete Gesangsleistung des neuen Frontmanns Martin „Deathwalker“ auf der anderen Seite. Bei dessen Bariton fühlt man sich teils leicht an SYMPHONY Xs legendären Russell Allen erinnert, wobei sich LIGHTFOLD den amerikanischen Prog-Heroen mit ihrer düsteren Dramatik und martialischen Attitüde auch in stilistischer Hinsicht annähern. Freilich erreichen die Griechen die technische Raffinesse von Romeo und Konsorten nicht ganz und bewegen sich offenbar lieber in geradlinigeren Power-Metal-Kreisen.

„Deathwalkers“ – Starke Songs mit schwacher Produktion

Der im Vergleich zu Bands wie SEVENTH WONDER und SYMPHONY X deutlich reduzierte Komplexitätsgrad indessen nicht wirklich, macht „Deathwalkers“ tatsächlich sogar umso zugänglicher. Was dagegen stört, ist die Produktion der Scheibe: Abgesehen von der bereits gescholtenen Gitarrenarbeit und dem kaum vernehmbaren Bass, sind es insbesondere die Drums, welche dem Hörer seine musikalische Reise durch die Welten zwischen Leben und Tod immer wieder gehörig versalzen. LIGHTFOLD scheinen momentan keinen Drummer in ihren Reihen zu haben, und ich ziehe die Möglichkeit in Betracht, dass die Rhythmen auf dem Album schlichtweg von einem Drum-Computer stammen. Hyperaktive, fürchterlich anorganisch wirkende Zweiunddreissigstel-Fills werden zur Untermalung der ansonsten eher bombastisch als verspielt daherkommenden Songs herbeigezogen, ersticken einen wirklichen ‚Flow‘ immer wieder im Keim und werden – das ist das Schlimmste – dann im Gesamtmix auch noch viel zu laut geschaltet. Ob die Band damit versucht, die mangelnde Präzision der Gitarren- und Keyboard-Spuren zu kaschieren? Eben solche Feinheiten sind es doch, die gerade im episch-symphonischen Power Metal letztendlich darüber entscheiden, ob man das Pathos einer Band ernst nehmen kann oder nicht!

Und wäre da nicht die bestenfalls als mittelmässig zu bezeichnende Produktion, müssten sich LIGHTFOLD des Vergleichs selbst mit den Grössen des Genres wirklich nicht schämen. Spannungsgeladen und mitreissend kommt ihr Album mit einer ausgezeichneten Mischung aus vertracktem Riffing und wunderbar eingängigen Melodien daher, wie sie sich insbesondere auf der Single-Auskoppelung „The Collector“ zu annähernder Perfektion gepaart findet. Auch die bombastische Halbballade „Angel Of The Earth“, liefert einen eindrücklichen Beweis für die songwriterischen Fähigkeiten der Griechen, erinnert positiv an SYMPHONY X-Songs wie „Communion And The Oracle“. Den Höhepunkt der Scheibe stellt aber entschieden das martialische „The Battle“ dar, eine enorm energetische Power-Metal-Nummer, deren Wucht noch von den hier einzig anzutreffenden Death-Growls verstärkt wird. Damit haben LIGHTFOLD denn vorerst all ihr Pulver verschossen und lassen ihren Protagonisten mit einem ätherischen Ending („At The Gates Of Heaven“) in den Himmel auffahren. Der Spannungsbogen schliesst sich – „Deathwalkers“ ist ein Konzeptalbum erster Güte. Wären da nur nicht die drei plagiarischen Elefanten und die Produktion…

Fazit: Ein melodisches, emotionsgeladenes Power-Metal-Konzeptalbum mit progressiv angehauchtem Geriffe, das trotz der unterdurschnittlichen Produktion schnell ins Ohr geht. Kein Meisterstück, doch äusserst solides Material, um dem Fan des Genres die Wartezeit zur nächsten SYMPHONY X- oder ANTHRIEL-Scheibe zu verkürzen.

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04.05.2019

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