Limp Bizkit - Three Dollar Bill, Y'all$

Review

Galerie mit 25 Bildern: Limp Bizkit - Live 2018 - Tour

Blast From The Past

Scheiße, wie die Zeit vergeht: Vor 21 Jahren haben LIMP BIZKIT ihr Debüt „Three Dollar Bill, Y’all$“ veröffentlicht und traten damals noch nicht als die wandelnde Punchline in Erscheinung, welche die Band im Allgemeinen und Fred Durst im Besonderen in der Folge geworden sind – Grund genug, als jemand, der mit diesem Sound aufgewachsen (und diesem eigentlich entwachsen) ist, sich zu erinnern. Das war die Zeit vor dem großen LINKIN PARK-Boom, bevor der Nu Metal in den 2000ern seinen inflationären Hochpunkt erreicht hat. Und vor allem war das die Zeit, in der LIMP BIZKIT tatsächlich noch gut waren und sich nicht mit Anlauf und Ansage lächerlich gemacht haben.

Eine Band jenseits von Gut und Böse?

Was seither passiert ist kann man natürlich ihrem immensen Popularitätsschub zuschreiben, den die Band dann in der Folge durch „Significant Other“ und besonders „Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavoured Water“ erlebt hat und mit „Gold Cobra“ mehr schlecht als recht wieder aufleben lassen wollte. Was vorher noch eine gewisse Integrität und Härte aufwies, wurde immer mehr kommerzialisiert hin zum Punkt, an dem die Band ihr wohl schlechtestes Album „Results May Vary“ herausgebracht hat und endgültig zur Lachnummer verkommen ist. Und sind wir mal ehrlich: Mit dem scheußlichen THE WHO-Cover „Behind Blue Eyes“ haben sie auch nichts anderes verdient.

Doch auch „Three Dollar Bill Y’all$“ kam mit einer Cover-Version daher, nämlich „Faith“ von George Michael, das hier jedoch in eine fast punkige Nummer mit heftig groovendem Abgang umgewandelt worden ist. Damit wir uns klar verstehen, die Rede ist hier tatsächlich von der härteren Version, die auf dem Debüt vertreten ist, nicht dem fragwürdigen EVERLAST-„Fame Remix“ aus dem Remix-Album „New Old Songs“. Aber am Zenit ihres Erfolges zogen es die US-Amerikaner nun mal vor, sich selbst zu zelebrieren, anstatt anständige Alben wie das hier vorliegende zu veröffentlichen.

Als LIMP BIZKIT noch richtig giftig klangen

Doch vor alledem war nun mal „Three Dollar Bill Y’all $“ und das war gut. Hier klangen LIMP BIZKIT noch hungrig und giftig, hatten Bock, auf die Kacke zu hauen und taten das auch, allen voran mit dem wahnsinnigen „Pollution“. Ebenfalls großartig ist „Stuck“, das zwar etwas langsamer, aber dennoch im Refrain und vor allem seinem Outro richtig heftig aufspielt. Hier klangen sogar Dursts Rap-Passagen noch geschmeidig genug, um auch als solche durchgehen zu können. Bezüglich der Aggression hat der Sechsminüter „Stalemate“ ordentlich was auf dem Kasten, gerade dank seiner zweiteiligen Beschaffenheit, bei deren Übergang die Intensität des Songs angezogen wird.

Auf diesem Album sitzen auch die Grooves an allen Stellen. Das ist zugegeben etwas, mit dem LIMP BIZKIT im Rahmen ihrer ersten drei Alben selten ein Problem hatten, aber in Kombination mit dem hohen Maß an Aggression drücken die Songs schon ordentlich. Diese Rohheit ist letzten Endes auch, was „Three Dollar Bill Y’all$“ ausmacht und nach vorne treibt, weshalb die ruhigeren Stücke wie das stark Hip Hop-beeinflusste „Indigo Flow“ im Vergleich eher abstinken. Die atmosphärischeren Parts sitzen dagegen wieder, man höre nur „Sour“. Aber 100%ig konsistent war die Band dann eben doch nie.

„Three Dollar Bill Y’all$“ – ein Relikt?

Doch ziehe ich für meinen Teil dieses Album den meisten anderen Veröffentlichungen des Nu Metal gerne vor, einfach aufgrund der rohen Energie und des vergleichsweise (noch) geringen Poser-Anteils, der hierhinter steckt und spätere Alben der Band deutlich schlechter hat altern lassen als dieses hier. So gesehen kann man das Album natürlich als ein Relikt betrachten, das eine ganz andere Qualität eingefangen hat von einem Genre, das heutzutage rückblickend nur zu gerne verteufelt wird – sicher nicht ganz zu unrecht, gemessen an dem, was in den frühen 2000ern an Schrott wie Pilze nur so aus dem Boden geschossen kam.

Mag sich die Band in vereinzelten Songs hier auch nicht mit Ruhm bekleckert haben, so bleibt „Three Dollar Bill Y’all$“ doch das vielleicht beste der Band, eines der besten des Genres und definitiv eines, zu dem man als Kind der Spätachtziger/Frühneunziger mit Vergangenheit im Nu Metal immer noch stets zurückkehren kann, ohne sich gleich fremd zu schämen.

26.09.2018

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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3 Kommentare zu Limp Bizkit - Three Dollar Bill, Y'all$

  1. BlindeGardine sagt:

    Oje, ich wittere krieg. Persönlich hätte ich ja wenn „chocolate starfish“ oder „significant other“ hier platziert, die waren zwar glatter und letzteres hat ja auch zum internationalen durchbruch geführt, sie hatten aber auch eingach die besseren und eigenständigeren songs. Das debüt war zwar etwas giftiger, letztlich aber auch nur ein abklatsch von korn und den deftones mit nasalem rap vermischt. Da ist bei mir nie mehr als „faith“ hängen geblieben.

    Und nun ihr vertreter des wahren stahls, vernichtet mich !

    6/10
  2. dachstheangry sagt:

    Da werde ich gleich ganz nostalgisch. Three Dollar Bill Y’all$ war die allererste CD, die ich mir damals mit 15 Jahren gekauft habe. Lieder wie Pollution, Counterfeit oder Stink Finger waren lange in unserer Partyplaylist vertreten. Zur Musik haben wir uns auch immer ordentlich besoffen, bevor wir weiter in die Rock/Metalbars unserer Stadt gezogen sind.
    Zugegeben, nach nicht einmal zwei Jahren habe ich die Band komplett aus den Augen verloren, aber sie haben mir den Weg für den härteren Metal geebnet und dafür bin ich ihnen dankbar.

    7/10
  3. Buddy S. sagt:

    Erster Kommentar mit neuer Anmeldefunktion.

    Natürlich hatte mein New Metal verseuchtes Ich das Album gefressen eben gerade auch wegen den Krachern auf dem Album, die quasi vor Energie sprühten. Mein damaliges Ich kannte ja nur MTV / VIVA Musik und ein paar Radiosender die mehr für Pop Musik standen.

    Lyrisch waren Limp Bizkit vermutlich nie allzu einfallsreich, aber das war damals okay da es nur darum ging ordentlich zu ballern, was mit dem ersten Album definitiv der Fall war, selbst wenn es Korn oder Deftones bereits gemacht haben und objektiv gesehen vermutlich auch besser konnten. Ich gehöre dennoch zur Sorte, die die ersten drei Alben und Gold Cobra auch heute noch einmal im Jahr auskramen, was aber eher daran liegt, dass es zu viel gute Musik gibt als stets die gleiche Platte zu hören. Dass man auf den späteren Platten auch mehr skippen musste war nicht ganz unumgänglich.

    Ich schließe mich meinem Vorredner, zumindest was die Bewertung betrifft, an und vergebe auch heute noch 7 Punkte, da es eins der Gateway Alben für mich gewesen ist mit dem ich in härtere Gefilde abgedriftet bin.

    7/10