Lustre - A Glimpse Of Glory

Review

Das schwedische Einmannprojekt LUSTRE (frz. „Glanz“) schickt sich nach zwei Zwischenspielen in Form von Demo und EP nun wieder zu einem neuen Album an. „A Glimpse of Glory“ heißt das neue Machwerk, mit dem an alten Glanz angeknüpft werden soll. Doch leider scheint der alleinige Betreiber, Herr Nachtzeit, langsam Ermüdungserscheinungen zu zeigen.

Bereits seit der ersten EP „Serenity“ war der Stil von LUSTRE sehr spartanisch: Albentitel, Texte, Instrumentalisierung – alle Aspekte waren stets schlicht und wiesen nur ein minimales Maß an Variation auf. So geschehen auch abermals auf „A Glimpse of Glory“. Das Grundgerüst ist und bleibt das Gleiche: die rauschende, monotone Stromgitarre erzeugt eine Klangwand, die eigentlich nur den Zweck besitzt, dem ganzen einen dröhnenden Unterbau zu verpassen. Simpel programmierte drumpatterns taktieren im Hintergrund, zu hören ist meist nur die Hi-Hat und gelegentlich Snare und Doublebass. Auf dieser doch noch klassischen Metalbasis baut sich dann das unverkennbare Merkmal LUSTREs auf: ein den Klang bestimmendes, dabei aber meist entrückt-sphärisches Keyboard , das dann und wann wichtige Stellen mit klaren Melodien akzentuiert. Meist zusammen mit Naturklängen wie Wind, Meer oder Vogelstimmen. Der Gesang findet hier nur im ersten Titel „This Mighty Sight“ Verwendung; wie gewohnt rauschend, unverständlich und in den Hintergrund gemischt.

Nun, was auf „Night Spirit“ hervorragend funktionierte, und auf „Serenity“ und „Welcome Winter“ auch noch mehr als in Ordnung war, stößt hier langsam an seine Grenzen. Zu hören ist ein qualitativer Abstieg; ist das erste Stück noch vollkommen in Ordnung, und besonders im Anfang noch wunderschön und ergreifend, so zeigt der zweite Titel „Lunar Light“ schon eine erste Tendenz des Abstiegs was Stimmung und Wirkung angeht. Titel drei dann schließlich ist mit seinem Gezwitscher durchaus nervend, und auch in Hinsicht auf Liedaufbau und Stimmung verzichtbar.

Mir scheint es, als ob das selbst auferlegte Korsett der Monotonie als Stilmittel langsam zu eng wird. Denn was zuerst durch die Neuartigkeit auf dem Debut, dann durch minimale Akzentuierung auf den folgenden Outputs interessant war, ist nun ausgereizt. Zugegeben, im vergleich zum letzten Album wird sich hier schon um Veränderung bemüht, aber genau darin könnte auch der Fehler liegen. Ein spannender Liedaufbau ist zwar wichtig, aber „Night Spirit“ zeigte, dass das auch mit einfachsten Mustern durchaus spannend klingen kann. Mögen die Titellängen da auch eine andere Sprache sprechen; es wird sich einfach zu wenig Zeit genommen, um Stimmung aufzubauen – obwohl das Potenzial allein durch den Klang schon vorhanden ist.

Dies alles darf man nicht falsch verstehen: als neues Lebenszeichen von LUSTRE gefallen mir die ersten beiden Titel durchaus, sie sind schon schön und verträumt, auch in gewisser Weise mächtig, erhaben. Aber im Ganzen mag es kaum so faszinieren wie zuvor. Bleibt nur zu hoffen, dass auf den folgenden Veröffentlichungen der metallische Anteil wieder angehoben wird, denn das war nämlich stets das Spannende und Einzigartige an LUSTRE. Sonst verkommt es irgendwann zu einer Karikatur seiner selbst, was Projekte wie VINTERRIKET bestens illustrieren – und auf dem reinen Ambientsektor gibt es ohnehin schon mehr als genug gute und auch spannendere Projekte.

10.09.2010

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