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Mental Home - Vale

Review

Sicher gibt es einige Dinge auf der Welt, die noch weitaus seltsamer anmuten als eine Band aus Moskau, die auf einem kalifornischen Label angesiedelt ist. Spontan kriecht ein kleiner Gedanke von den billigen Plätzen neben dem Kleinhirn nach Vorne, winkt und hält ein kleines Plakat hoch: „Woher haben die eigentlich die Instrumente?“. Das soll hier nicht die Frage sein. Viel eher sollte sie lauten: „Warum können die so gut auf ihnen spielen?“
Mental Home wurden 1993 gegründet und nach mehreren Besetzungswechseln, einem Demo und einer Mini-CD wurde im Frührjahr 1996 die CD Vale in Rußland veröffentlicht. Sie hüpfte auf Platz 1 der dortigen Charts (!) und war innerhalb von drei Monaten ausverkauft. Was ist das besondere von Mental Home? Die Band scheut sich nicht davor, unzählige Stile so perfekt miteinander zu vermischen, daß die Songs nicht nur einfach „fließen“, sondern solch perfekte Ohrwurmmelodien aneinanderreihen, daß man sich unwillkürlich fragt, was die ganzen anderen Bands nur für einen Schrott produzieren. Die Musik auf Vale fließt sanft dahin. Erstaunlicherweise selbst dann, wenn Geknüppel und Gekreische die Melodien zerreißen. Hier paßt alles zusammen.
Die Band vermischt geschickt Vocals, die teilweise an Tiamat zur Zeit der Astral Sleep („Southernmost Voyage“) und Clouds („Caress of Stars“), aktuelle Alastis und Samael erinnern. Die Musik vermengt Keyboardklänge, die ähnlich den Geigen von My Dying Bride arrangiert sind, mit sanften doomigen Passagen bis hin zu schnellen und treibenden Double Bass-Parts und singenden Gitarren, die so frei klingen, wie bei „South of Heaven“ vom Decade of Aggression Live-Album von Slayer. Mit Worten läßt sich diese Musik nicht beschreiben. Sie klingt so voll, daß man gar nicht sagen kann, auf wie vielen Ebenen sie sich einem gleichzeitig präsentiert. Keyboards, Gitarren, Drums und die Vocals variieren so stark und vermengen sich so schnell miteinander, daß jede Sekunde eines Songes einzigartig wirkt und man nach jedem Hören das Gefühl hat, doch nicht alles gehört zu haben. Die Vocals gehen z.B. teilweise mitten in einem Wort über vom sanften Hauchen zu dem Gekreische, was am ehesten mit dem heutzutage sehr überstrapazierten Begriff „Dark Metal“ beschrieben werden kann. Diese fließenden Übergänge finden sich zwischen jedem Instrument und so schmilzt vom sphärischem Keyboard-Metal bis zum knüppelnden Black/Dark Metal alles ineinander über, ohne daß man genau mitkriegt, in andere Klanglandschaften gehoben zu werden. Mental Home haben es quasi geschafft, einen Farbverlauf zu vertonen… Und nach einer Weile kriecht der kleine Gedanke wieder zurück zu den unergründlichen Gegenden rund um das Kleinhirn. Er muß noch viel lernen. Diese Band hat Instrumente. Und ihre Musik stellt viele der „etablierten“ Bands mehr als nur in den Schatten. Pflichtkauf für Fans jeder Stilrichtung!

17.03.1998

Der metal.de Serviervorschlag

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