



MOONSPELL haben sich dieses Mal Zeit gelassen: Zwischen „Hermitage“ und „Far From God“ liegen fünfeinhalb Jahre sowie die beiden Livealben „From Down Below“ und „Opus Diabolicum“. Kurzzeitig konnte man befürchten, den Portugiesen sei die Kreativität ausgegangen, doch nun steht das vierzehnte Album vor der Tür. Das von Eliran Kantor gestaltete Cover verspricht Gothic Metal par excellence und der Promotext spricht vom „Irreligious“ des 21. Jahrhunderts. Das sind große Worte, die Erwartungen schüren.
MOONSPELL entfernen sich von Gott
Nachdem der Vorgänger ein wenig zugängliches Werk war und auf „Opus Diabolicum“ orchestrale Opulenz herrschte, war es schwierig, die Richtung des nächsten MOONSPELL-Albums vorherzusagen. „Far From God“ ist eine Scheibe, die ruhig und ohne großes Tamtam beginnt. „Cross Your Heart“ und der Titeltrack sind nachdenkliche Gothic-Rocker, die manche Facette erst auf den zweiten Blick offenbaren. Dadurch kann zunächst der Eindruck entstehen, die Platte nehme erst mit „Biblical“ richtig Fahrt auf, wenn Fernando Ribeiro zu bedrohlichen Keyboardmelodien seine Shouts auspackt.
„The Great Wolf In The Sky“ ist das Herzstück des Albums. Die monumentale Nummer verbindet Epik, Zerbrechlichkeit, Aggressivität und Melancholie. Die spanische Violinistin Alicia Nurho unterstützt MOONSPELL hier und fügt dem Sound eine weitere Ebene hinzu. Das Lied ist einem Fan gewidmet, der vor der Fertigstellung des Albums leider verstorben ist.
„For The Love Of Mortals“ punktet mit einem schönen Gitarrensolo, und „Our Freedom To Fall“ überrascht durch seine Härte, die zwischenzeitlich fast in Death-Doom-Gefilde vordringt. Mit „Reconquista“ findet „Far From God“ einen ordentlichen Abschluss.
„Far From God“ überzeugt nicht restlos, ist aber vielseitig
Langjährige MOONSPELL-Fans können mit dem vierzehnten Album der Gothic-Metal-Altmeister wenig falsch machen. Nach dem etwas zähen Einstieg entwickelt sich „Far From God“ zu einem guten Album – ein „Irreligious“ des 21. Jahrhunderts ist es jedoch nicht geworden. Ohnehin ist die vielfältige Diskografie der Band immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Zwar gibt es einige Konsensalben, doch welches Werk für einen persönlich das beste ist, bleibt Ansichtssache. „Far From God“ wird vermutlich nur selten den letzten Platz in einem Diskografie-Ranking belegen.

Moonspell - Far from God
Jannik Kleemann






























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