Minas Morgul - Heimkehr

Review

Danke, MINAS MORGUL. Danke, dass ihr uns nach unzähligen Monaten der Abstinenz an eines der zweifelhaftesten Vergnügen erinnert, die Konzerte und Festivals mit sich bringen. Ihr Lesenden kennt das. Ihr wartet auf die Band, deretwegen ihr eigentlich angerückt seid und presst euch scheinbar endlose Stunden B-Klasse-Supportbands. Ihr ertappt euch dabei, zu fragen, welche Location, Agentur oder Menschen eigentlich Geld für solche Bands ausgeben. Ihr stellt beschämt fest, dass ihr über die ersten beiden Reihen, die den Kram richtig hart abfeiern, amüsiert die Nase rümpft. Irgendwie sind sie aber immer auf irgendwelchen Billings zu finden, obwohl man sich fragt, warum da nicht gerade ‘ne richtig gute Band spielen könnte. Und wie zum Henker “Heimkehr” schon Album Nummer sieben sein kann.

“Heimkehr” – Ein bunter Strauß Klischees …

MINAS MORGUL erfüllen jedenfalls sämtliche Anforderungen an die eingangs beschriebenen Erfahrungen. Obwohl sie doch eine vielleicht zahlenmäßig überschaubare, aber sehr streitlustige Horde Fan-Orks haben, wie wir hier bei metal.de sehr gut wissen. Symptomatisch für dieses bedauernswerte Stadium des ewigen Vierte-Reihe-Acts ist auch bei ihnen, dass man MINAS MORGUL grundsätzlich gar nicht anlasten kann, übertrieben scheiße zu sein. Es blitzen ab und an recht gute Riffs auf (“Stein um Stein”, “Weltenfall”) und das Material auf “Heimkehr” ist beileibe nicht abwechslungsarm. Diese Attribute retten das Album jedoch nicht mal auf das absolute Mittelmaß.

Dass die einzelnen Ingredienzien setzkastenartig aneinander geplant wirken – geschenkt. Niemand muss das Rad neu erfinden, auch MINAS MORGUL nicht und gerade im Pagan Metal sind gewisse Limits gesetzt, die dem musikalischen Inhalt Rahmen und Stimmung geben. Eine angenehm eskapistische Wikinger-Stimmung kann bei “Heimkehr” trotzdem nicht aufkommen. Dafür weckt das Album viel zu sehr die Assoziation zu billigen Trinkhorn-Fantasien der nervigen Kids in der ersten Reihe um 14 Uhr auf irgendwelchen B-Klasse-Festivals. Die allermeisten Parts auf “Heimkehr” klingen immer noch wie schon mal gehört und sind ein ums andere Mal entweder unfassbar stupide (“Teufel”, “Totenschiff”) oder konzeptlos zusammengeschustert (“V. F.”). Zumindest dahingehend sind MINAS MORGUL bemerkenswert konstant unterwegs. So allerdings funktioniert emotionale Tiefgründigkeit, die “Heimkehr” durchaus zu erreichen versucht, nicht.

… und eine Fülle an Ideenlosigkeit.

Dabei ist alles so hübsch glatt aufgenommen, dass die spielerische Qualität auf “Heimkehr” kaum angreifbar ist. Bloß niemandem wehtun! Könnte ja noch jemand auf den Gedanken kommen, ein echtes Metal-Album zu hören. Dass kein Instrument ernsthaft stolpert, sagt allerdings überhaupt nichts aus. Denn genau so künstlich wie die Drums klingen (beziehungsweise vor sich hin clippen), könnten in gleicher Weise auch die Spuren editiert worden sein. Nochmal die Frage: Wo genau soll hier was für eine Stimmung aufkommen? Bei den kitschigen Keyboard-Wulsten, die sich heimlich um jeden zweiten Part schlingen?

Am Ende ist “Heimkehr” das “Metal”-Äquivalent zu einer Biedermeier-Einrichtung von IKEA: aufgrund der oberflächlichen Perfektion lässt sich wenig dagegen sagen. Funktional ist es auch, denn die Metkrüge der entsprechenden Klientel dürften sich schunkelnd raisen lassen; ein bis zwei Parolen aus den vorgestrigen Macker-Texten lassen sich auch super dazu rumgrölen, ohne dass man irgendwas dafür können muss. Und trotzdem ätzt die kalkulierte Affektwirkung dieses Albums an, weil sie durchschaubar bis auf die Unterhose ist.

MINAS MORGUL verharren im pubertären Stadium

Und dann wäre da noch der Gesang. Dass dieser wie bei fast jeder einheimischen Pagan-Metal-Band gruseligsten Pathos kombiniert mit Plattitüden aus der Deutschrock-Hölle (“Heimkehr”, “Stein um Stein”) von sich gibt, überrascht keineswegs. Dass für dieses kraftlose Knurren, dessen Background-Vocals häufig völlig neben der Spur sind, Robse Dahn von EQUILIBRIUM zuständig sein soll, gleicht eher einer Randnotiz. Irgendwie findet wohl zusammen, was zusammen gehört.

Somit bleibt ein Album, dessen wahre Bestimmung vielleicht eher nicht-musikalischer Natur ist. Ihr könnt es zum Beispiel der nervigen Person aus dem Bekanntenkreis schenken, die sich “auch irgendwie für Metal interessiert”, um sicherzustellen, dass sie nie auf den gleichen Veranstaltungen wie ihr zu finden sein wird. Und vielleicht schnell das Interesse wieder verliert.

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16.04.2021

Redakteur

Der metal.de Serviervorschlag

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2 Kommentare zu Minas Morgul - Heimkehr

  1. nili68 sagt:

    Würde ich nicht kaufen, aber so schlimm wie der Reviewer finde ich das jetzt auch nicht. Kann man laufen lassen, während man im Internet einen Artikel liest oder so. Von gut ist das natürlich immer noch entfernt.. ach, vielleicht 5 Punkte oder so. Totales Mittelmaß halt und immer noch besser als Crematory. Wenn das keine Auszeichnung ist! 😀

  2. Travis Sickle sagt:

    Wirkt so, als hätte der Reviewer hier ein persönliches Ding am laufen. Finde die Platte ist absolut stabil und gelungen, für das was es sein soll. Ist ja ok, wenn man etwas nicht mag, aber sachlich kann es schon bleiben. Wenn ich schon lese, wie der Autor über „Macker-Texte“ schwadroniert, denke ich mir nur, das er wahlweise unabsichtlich völlig am Thema vorbeigallopiert, oder vielleicht doch die Finger von Pagan und Black Metal lassen sollte und vielleicht einfach weiter sein Missy Magazin weiterlesen sollte. Pathetische Texte im Black, Death und Pagan Metal…wo gibts denn sowas. *tränenlachsmiley

    7/10