Mother Of All - Age Of The Solipsist

Review

Auch wenn die Pandemie die meisten Musiker vor erhebliche Herausforderungen stellt, ganz besonders natürlich vor finanzielle, da es nicht mehr möglich ist live zu spielen, bietet sie zumindest in kreativer Hinsicht auch Chancen. Denn plötzlich ist genug Zeit da, sich um Projekte zu kümmern, für die selbige vorher fehlte. Im Falle von Martin Haumann bedeutet dies: Zeit für sein Soloprojekt MOTHER OF ALL. Der Däne ist nämlich als Live-Schlagzeuger normalerweise viel beschäftigt, in der Vergangenheit bereits bei MYRKUR und aktuell auch noch bei den schwer angesagten AFSKY, deren letztes Album auch uns überzeugen konnte. Mit MOTHER OF ALL veröffentlichte Haumann seit Gründung im Jahr 2013 zwei EPs und im Januar diesen Jahres auch eine Split mit KVAEN. Nun ist es endlich Zeit für das Full-Length-Debüt mit dem etwas kryptischen Titel „Age Of The Solipsist“.

MOTHER OF ALL – Gelungener Auftakt

Der Opener „Autumn“, der bereits auf der erwähnten Split enthalten war, kann dabei direkt ein deutliches Ausrufezeichen setzen. Die Mischung aus Akustikgitarre und schnelleren Attacken aus Melodic Death und Thrash ist so nicht gerade alltäglich, vor allem der sehr natürliche Sound fällt hierbei auf. Die modernen Shouts von Martin Haumann erinnern zwar eher an seine andere Band FINAL HOUR und wirken zunächst ein wenig wie ein Fremdkörper, letztlich ist „Autumn“ aber dennoch ein erstaunlich rundes, stellenweise sogar eingängiges Ganzes, mit gelegentlichen innovativen Ansätzen und einer interessant-düsteren Atmosphäre.

Nach so einem Auftakt sind die Erwartungen an den Rest des Albums natürlich hoch. Leider – so viel sei jetzt schon gesagt – wird die Vielschichtigkeit dieses Songs an keinem Punkt der Scheibe noch einmal erreicht. „We Don’t Agree“ ist eine rumpelige Death-Thrash-Mischung, die zwar mittels einiger Dissonanzen innovativ sein möchte, in der der gerade noch erfreulich natürliche Sound aber plötzlich furztrocken und dröge wie ein pappiges Brötchen vom Vortag wirkt. Auch die Riffs sind eher lauwarme Aufgüsse von hundertfach gehörter MeloDeath-Standardware, die Vocals, hier mit Unterstützung von Gangshouts, retten ebenfalls nichts mehr, erinnern an modernen Alternative Metal amerikanischer Prägung.

„Curators Of Our World“ macht es im Anschluss nicht besser – eher im Gegenteil. Die holperig vorgetragenen High-Speed-Shouts wirken stellenweise wie nachträglich auf den fertigen Song gelegt, lassen sogar hier und da Taktgefühl vermissen. Als Drummer hat Herr Haumann einfach mehr drauf als als Fronter, so viel lässt sich festhalten. Mit dem Titelsong kehren dann zumindest ordentliche Melodielinien zurück in das Portfolio von MOTHER OF ALL, dennoch wirkt auch diese Nummer letztlich zu konfus und kann nicht wirklich hängen bleiben.

Was folgt ist dann zumindest Standardware, bevor wenigstens der Rausschmeißer „Feel The Pain“ mit leichter PANTERA-Schlagseite nochmal ein wenig überzeugen kann und ein versöhnliches Ende eines doch sehr durchwachsenen Debüts bildet.

Am Ende unausgegoren – „Age Of The Solipsist“

So richtig klar, was uns Martin Haumann mit MOTHER OF ALL sagen will, wird im gesamten Verlauf des Debütalbums nicht. Ja, die bisherigen Stationen des Kopenhageners lassen sich ausmachen, vor allem im Titelsong ein paar leicht angeschwärzte Passagen, ansonsten eine Mischung aus modernem Thrash, Melodic Death und Alternative Metal. Man könnte daraus natürlich eine ansprechende, homogene Mischung kreieren, was hier jedoch abgesehen vom eröffnenden „Autumn“ einfach nicht funktioniert.

Ob nun einfach zu viel gewollt wurde oder nicht genug Zeit für die Ausarbeitung der Songs zur Verfügung stand ist uns nicht bekannt, ändert am Ergebnis aber nicht viel. „Age Of The Solipsist“ klingt an vielen Stellen unausgegoren, nichtssagend und manchmal auch einfach langweilig. Immerhin ist die Scheibe mit knapp 30 Minuten angenehm kurz, der Fehler die wenige vorhandene Substanz auf Überlänge auszuwalzen wurde nicht gemacht. Wirklich schade an dieser Stelle: Offenbar wäre durchaus mehr drin gewesen, denn der erste Song zeigt ja, dass MOTHER OF ALL es theoretisch durchaus könnten. So reicht es, in der Gesamtheit betrachtet, gerade mal zum absoluten Durchschnitt.

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18.04.2021

Time doesn't heal - it only makes you forget.

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