Obsequial Joy - Show My Mercy

Review

Asien hat durchaus die ein oder andere unorthodoxe Metalband produziert, denkt man an die japanischen Weirdos DIR EN GREY, BABYMETAL oder SIGH. OBSEQUIAL JOY kommen aus Taiwan, gründeten sich 2015 und spielen einen Mix aus Doom Metal, Post-Einflüssen, Gothic-Vibes und Pop-Appeal. Viel mehr ist weder auf ihrer Facebook-Präsenz, noch sonst in den Weiten des Internets zu Identität, Diskografie und weiteren Informationen zur Band zu finden. „Show My Mercy“ ist laut Promo eine EP mit dem Konzept, Gnade und nach Karma-Payback vielleicht auch Reue zu zeigen und erscheint über das österreichische, auf Doom und Black Metal spezialisierte Label Talheim Records.

„Show My Mercy“ – Die Mischung macht’s…

Eingeleitet wird durch ein sehr filmisch anmutendes Intro, das mit Kindesweinen und Sprachsamples bis in den Opener „Helpless“ hinein reicht. Ähnlich der Gothic-Schlagseite von solchen Bands wie DRACONIAN gibt es hier eine eher ruhigere, melancholische und poppig-eingängige Seite anstatt den sonst im Doom üblichen Todeslandschaften in friedhofsartiger Langsamkeit und Dröge. Denn gestartet wird mit cleanen gezupften Gitarren, einsamen Synthie-Akkorden, die sogar recht hoffnungsvoll aufspielen, ehe die Tonart in Moll umschlägt und die nötige Kante durch die unnachahmlich bösen Growls des Sängers mit hinein kommt, die beinahe schon in eine Funeral-Doom-Ecke schauen.

„因為太深所以淹死了“ ist ganz im Doom-Modus als ein sehr langer Track, der aber sogar später im Song mit Blasts und ungewöhnlich geschäftiger Bassarbeit aufhorchen lässt und Spaß macht, auf der anderen Seite mit den extrem penetranten Reizüberflutungs-Synthies zwischendurch während den härteren Passagen aber auch stark am Geduldsfaden reißt. „Mercy’s Gate“ dient als nettes, aber irgendwo aussageloses Piano-Intermezzo, ehe „Hope“ mit einer süßlichen Mischung aus Pop-Melancholie und Funeral-Doom-Growls aus einer knappen halben Stunde Material entlässt. Somit bleibt es auf „Show My Mercy“ abzüglich Intro bei drei Songs.

… steht OBSEQUIAL JOY aber auch manchmal im Weg

Die Mischung ist schon leicht komisch. Wenn man vor dem geistigen Auge aus klebrigen CREMATORY-Keyboards, DRACONIAN-Versatzstücken mit Funeral-Doom-Grunzen etwas Neues zusammenbastelt, klingt das auf dem Papier nach einer Verletzung der Genfer Konventionen. Es funktioniert teilweise aber erstaunlich gut, wobei es hinsichtlich Songwriting schlau gewesen wäre, etwas mehr „auszuwhimpen“ oder die Zügel anzuziehen. Denn manche Fäden verlieren sich leider im Nirgendwo und auch durch das Setzen zwischen alle Stühle und ein wenig unausgegorenes Songwriting bleiben leider nur grundsätzlich coole Ideen und Konzepte, denen noch ein wenig die Ausarbeitung fehlt.

Die nächsten erfolgreichen Asien-Weirdos?

Sollten sie das in Zukunft ausbügeln, sind OBSEQUIAL JOY auf gar keinem verkehrten Pfad als experimentell angehauchte Doomer. Durch ihren kauzigen Mix sind sie ziemlich einzigartig im Genre. Nun liegt es an Ihnen, daraus etwas zu machen. Das einzige, was nach der Musikbesprechung noch unbeantwortet bleibt, sind somit die ganzen Clowns, ob in Form von Masken auf Livebildern oder auch etwa auf dem EP-Cover. Wieso müssen es Clowns sein? Zu oft Stephen Kings „Es“ geschaut? Fragen, die weiterhin beschäftigen.

22.03.2021

"You can't spell Funeral without Fun!"

Der metal.de Serviervorschlag

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