
Stormkeep
„Irgendwann schließt sich der Kreis.“
Interview
STORMKEEP kratzen mit ihrem zweiten Album „The Nocturnes Of Iswylm“ gefährlich an der Höchstnote und haben sich zudem einen verdienten ersten Platz in unserem Juni-Soundcheck gesichert. Im Interview haben wir uns mit Mastermind Isaac Faulk aka Otheyn Vermithrax u. a. über die Entstehung des Albums, das inhaltliche Konzept und die vielen Einflüsse unterhalten, die STORMKEEP darauf verarbeiten.

Stormkeep – The Nocturnes Of Iswylm
Erstmal danke, dass du dir Zeit für das Interview nimmst. Wie geht es dir? Ich hoffe, alles ist in Ordnung.
Oh ja, mir geht es gut. Tut mir leid, dass es beim letzten Mal nicht geklappt hat.
Kein Problem. Lass uns direkt einsteigen. Seit der Veröffentlichung von „Tales Of Othertime“ sind fünf Jahre vergangen. Ihr seid ja auch noch in mehreren anderen Bands aktiv. Wie habt ihr Zeit gefunden, „The Nocturnes Of Iswylm“ zu schreiben? War das ein längerer Prozess über diese fünf Jahre hinweg oder habt ihr euch irgendwann einfach hingesetzt und gesagt: Okay, neues STORMKEEP-Album, los geht’s?
Ja, gute Frage. Es geht natürlich immer darum, herauszufinden, wie man seine Zeit für jedes Projekt und jede Idee organisiert. Aber nachdem „Tales Of Othertime“ fertig war, gab es viele Ideen zur Zukunft der Band. Tatsächlich entstanden damals eine ganze Menge Songs und Ideen, die am Ende überhaupt nicht verwendet wurden.
Das war eine interessante Zeit, direkt nach der Fertigstellung von „Tales Of Othertime“. Und dann wurde sehr klar, in welche Richtung wir gehen wollten und was wir mit dem neuen Material machen wollten. Sobald das feststand, begann der eigentliche Schreibprozess für das Album – und das war vor etwa zwei Jahren.
Über diese zwei Jahre hinweg haben wir die Songs ausgearbeitet und dann zwischen den Touren mit unseren anderen Projekten Zeit gefunden, sie aufzunehmen. Aber ja, es war wohl ein bisschen von beidem. Es waren nicht die gesamten fünf Jahre. Ein Teil dieser Zeit bestand auch darin, herauszufinden, worum es auf diesem Album gehen sollte und welche Richtung wir einschlagen wollten.
Das neue Album klingt etwas düsterer, unheimlicher, aber es enthält auch mehr progressive Elemente und wirkt insgesamt opulenter, besonders was die symphonischen Elemente angeht. Mit welcher Einstellung seid ihr an das Songwriting herangegangen? Worin unterscheidet sich der Ansatz von „Tales Of Othertime“?
Ja, also wenn man sich die Geschichten der beiden Alben ansieht: „Tales Of Othertime“ folgt dieser Figur, dem Seher („The Seer“), und endet damit, dass er die Drachenkönigin und ihre Armeen erweckt hat, um ihm zu helfen. Und dann erkennt er, dass das wahrscheinlich keine gute Idee war.
Das letzte Album endet also damit, dass die Drachenkönigin nun Elda übernommen hat. Das neue Album beginnt praktisch direkt danach. Es ist eine direkte Fortsetzung der Handlung. Zu Beginn des neuen Albums ist der Seher vollkommen in den Bann gezogen und vom Schlangenstein („The Serpent’s Stone“) verflucht – einem magischen Gegenstand, den er benutzt hat, um die Drachenkönigin zu erwecken. Dieser Fluch zwingt ihn dazu, Seelen zu verschlingen und die Essenz von Menschen zu konsumieren. Die Geschichte verfolgt seine Erfahrungen in dieser Welt, sein Leben mit der Schuld und dem Fluch. Dabei greift sie die Motive und die Ästhetik des Vampirismus auf.
Deshalb fanden wir es spannend, mehr barocke, symphonische, pompöse und dramatische Elemente einzubauen, die zur Entwicklung der Hauptfigur passen. Das erste Album hat eher diesen großen, epischen Blickwinkel. Es ist sehr Tolkien-artig. Wir hatten das Gefühl, mit dem Worldbuilding und der Einführung in diese Welt wirklich erfolgreich gewesen zu sein. Beim zweiten Album ist es eher wie „The Two Towers“ oder „The Empire Strikes Back“. Es ist immer der dunklere Teil der Geschichte.
Das erste Album ist etwas verspielter, würde ich sagen.
Absolut. Das erste Album hat zwar auch dunkle Momente, aber alles ist von einer fantasievollen, farbenfrohen Atmosphäre geprägt. Bei diesem Album fanden wir es interessanter, in eine tiefere, dunklere, gotischere Richtung zu gehen. Die Geschichte war also der Ausgangspunkt. Aber während wir daran arbeiteten, war es uns auch wichtig, uns selbst herauszufordern und nicht einfach nur „Tales Of Othertime 2“ zu machen. Wir wollten etwas schaffen, das unsere Grenzen erweitert und neues Terrain erschließt.
Außerdem fühlte es sich für mich wie eine Nische an – eine Kombination von Dingen, die ich so noch nicht gehört hatte, zumindest nicht in der Form, wie wir sie umsetzen. Ende der 2000er gab es einige Bands im Symphonic Black Metal, die später entweder etwas ganz anderes machten oder viele Mitglieder verloren und ihren Sound änderten. Ich hatte das Gefühl, als gäbe es da einen unvollendeten Absatz Musik, der damals hätte entstehen können. Und irgendwie führen wir die besten Aspekte des Symphonic Black Metal weiter und verbinden sie mit anderen Ideen und Herangehensweisen.
Ich habe mir vor „Nocturnes“ noch einmal die EP und das erste Album angehört. Mein Eindruck war, dass sich euer Sound über die Jahre in etwa entlang derselben Entwicklungslinie bewegt hat wie das Genre selbst in den 90ern und frühen 2000ern. Natürlich mit eurem eigenen Twist – etwas opulenter, melodischer und progressiver. War das Absicht oder hat sich euer Sound einfach so entwickelt?
Ich würde sagen, ein bisschen von beidem. Schon in den frühen Tagen der Band haben wir darüber gesprochen, wohin wir mit jeder Veröffentlichung gehen wollten. Aber konkrete Dinge wie „dieses Album wird symphonischer“ wurden nicht unbedingt diskutiert.
Für uns fühlte es sich beim Demo und der EP einfach authentisch an, etwas Rohes zu machen – ähnlich wie viele dieser alten Veröffentlichungen. Es ist ein bisschen wie die Frage nach Henne oder Ei. Als wir das Demo und die EP aufgenommen haben, hatten wir kein Geld. Wir mussten also zwangsläufig einen roheren Sound wählen. Und natürlich passte das zur Musik. Je besser wir wurden, desto mehr Elemente kamen hinzu – ähnlich wie es auch bei den Bands damals passiert ist. Insofern spiegelt das tatsächlich diese Entwicklung wider.
Der Unterschied ist natürlich, dass viele dieser Bands als Teenager angefangen haben, während wir die Band erst in unseren Zwanzigern gegründet haben. Aber ich denke, es ist gleichzeitig bewusst und ein Nebenprodukt unserer kreativen Entwicklung. Außerdem war dieses Album für uns auch ein größerer Richtungswechsel – einer, der sich sehr ehrlich in Bezug auf unsere Interessen als Band anfühlte.
Natürlich gibt es Hommagen an andere Dinge. Ein Großteil der DNA der Band stammt aus unserer Liebe zum Genre und unserer Wertschätzung für viele dieser Bands. Aber gleichzeitig versuchen wir auch, etwas Neues zu machen. Wir wollen nicht einfach eine Band oder eine Szene kopieren. Wir sehen uns eher als Teil derselben Welt wie diese Bands von vor zwanzig Jahren, weil das die Musik ist, die wir mögen und mit der wir aufgewachsen sind.
Galerie mit 12 Bildern: Stormkeep - Party.San Metal Open Air 2023

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| Band | |
|---|---|
| Stile | Melodic Black Metal, Symphonic Black Metal |
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Hans Völkel
































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