Oraculum - Nemesis Divina

Review

ORACULUM belegen mit „Hybris Divina“: Death Metal ist nicht tot. Den Beweis liefert das Debüt-Album der Chilenen erfreulich klar. Nach den EPs „Sorcery Of The Damned“ (2014) und „Always Higher“ (2017) macht „Hybris Divina“ eine deutliche Ansage: „Das geht an euch, Gott, Tageslicht und sog. Death Metal nach 1993 – für mindestens eine knappe Dreiviertelstunde seid ihr raus! Legt euch gerne gegenseitig Blumenkränze um den Hals. Aber beschwert euch nicht, wenn die zur Schlinge werden!“

ORACULUM wissen, was sie tun

Und die Ansage könnte Wirkung zeigen, denn ORACULUM wissen, was sie tun. Hilfreich ist dabei nicht nur der gerechte Zorn auf den da oben, sondern auch die passende Plattensammlung. Die frühen Scheiben von MORBID ANGEL, bevor sie auf die technische Uni sind, ein altes „Dutch-Death-Metal Rules Okay“-Mixtape von 1991 und eine Erstpressung von BLASPHEMYs „Fallen Angel Of Doom“ – fertig ist die Friedhofslaube.

Mit ihren gern als Vergleich herangezogenen Landsleuten PENTAGRAM teilen ORACULUM den Furor, haben aber keine Affinität zum Thrash, sondern setzen voll auf das tiefergelegte, wuchtige Riff im Zeichen von BOLT THROWER oder ASPHYX. Zwischen walzend und rasend ergibt das eine authentisch dunkle und durchaus packende, am Rande auch chaotische Melange. Dass deren Erschaffer „Scourge Of God“, „Gaius Coronatus“, „Magnified Wrath“ und „Conqueror Of Fear“ heißen, passt und ist vielleicht kein Zufall. „Hybris Divina“ ist für die Zielgruppe eine runde Sache.

Gut inspiriert ist besser als schlecht erfunden

Auf der anderen Seite sind „Altars Of Madness“ und „The Rack“ zwar weit über 30 Jahre alt. Aber Ruinen sind sie bei Gott nicht noch lange nicht. Sie sind weiter intakte Begegnungsstätten der abseitigen Kunst, an denen vital der Verderbnis gehuldigt wird. Und im direkten Vergleich wirkt „Hybris Divina“ dann doch weniger monumental. Death-Metal-Superhits finden sich hier nicht.

So fehlt es ORACULUM trotz massiver Bauweise und sauberer Verfugung eventuell doch an zwingenden Argumenten, warum 2026 gerade an ihrer Friedhofsmauer die Strähle gekreuzt werden sollten. Andererseits: Dass David Vincent oder gar Trey Azagthoth selbst noch etwas einschüchterndes Neues beizutragen haben, darauf sollte man besser keine Seele setzen. Und: Gut inspiriert ist immer noch besser als schlecht erfunden. In diesem Sinne: „Horns up!“ nach Chile!

02.01.2026

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