Ost+Front - Adrenalin

Review

Galerie mit 24 Bildern: Ost+Front auf dem M'era Luna 2017

OST+FRONT spalten seit jeher die Gemüter. Häufigster Anklagepunkt: schlechte RAMMSTEIN-Kopie. Bislang wanden sich die Berliner jedoch von Album zu Album geschickter aus der Affäre, sodass besonders das letzte Werk “Ultra“ mit abwechslungsreichen Kompositionen und frischen Elementen in der sonst eher eingestaubten Neuen Deutschen Härte aufwarten konnte. Hin und wieder problematisch waren jedoch die textlichen Ergüsse, die besonders auf den ersten beiden Alben “Ave Maria“ und “Olympia“ zu gelegentlichem Fremdschämen führten. Leider waren es vor allem diesen Songs, die OST+FRONT in ihr Liveprogramm zu integrieren pflegten und so unter anderem auf dem Rockharz 2017 einen enttäuschenden Auftritt absolvierten. Schauen wir also, was das neueste Werk “Adrenalin“ zu bieten hat: durchdachte Musik mit stetigem Augenzwinkern oder peinliches Textwerk?

OST+FRONT machen HEAVY METAL!

Der Opener und titelgebende Track “Adrenalin“ geht zunächst auf Nummer sicher. Ein typischer OST+FRONT-Song, der ordentlich kracht und mit gelegentlichen choralen Elementen den Gesamtsound veredelt. Der erste Pluspunkt! Es folgt mit “Heavy Metal“ das unbestreitbare Albumhighlight. Hier stimmt einfach alles: Die Rhythmik und episch anmutende Instrumentierung (besonders die Keyboards im Refrain) unterstreichen den bewusst klischeebeladenen Text, in dem die klassischen Heavy-Metal-“Wir-ziehen-in-die-Schlacht“-Themen durch den Kakao gezogen werden. “Heavy Metal“ zeigt OST+FRONT in Bestform – doch leider war es das nahezu für das Album.

Peinlich trifft lahm …

Der Rest von “Adrenalin“ zeigt hin und wieder gute Ansätze, bleibt jedoch größtenteils hinter den Erwartungen nach der Eröffnung der Platte zurück. Besonders die Texte wirken leider nicht mal ansatzweise so durchdacht, wie man bei der Betrachtung der Bandentwicklung hätte hoffen können. Zentrum der Lyrics bildet viel zu oft das Amüsement über die Extreme der körperlichen Liebe, oder das, was OST+FRONT dafür halten. Eine Domina, wie sie in “Böses Mädchen“ beschrieben wird, provoziert heutzutage wohl niemanden mehr und wirkt ziemlich langweilig. “Disco Bukkake“ hinterlässt hingegen einen eher lächerlichen Eindruck, schlägt es doch in die gleiche Kerbe wie beispielsweise das an Peinlichkeit kaum zu überbietende “Gang Bang“. Mag die Musik hier durchaus noch durch ihr technoides Flair überzeugen, die textliche Ausrichtung ermüdet.

… trifft sexistisch

Noch eine Spur schlimmer zu ertragen ist “Blattzeit“, bei dem man getrost von Sexismus sprechen darf. Zeilen wie “Zwischen Schlafgemach und Küche rennst du stürmisch hin und her“ sind unnötig, zu keinem Zeitpunkt lustig und zeugen von einem derart begrenzten Horizont, wie man ihn OST+FRONT eigentlich nicht zugetraut hätte. Die Band provozierte bislang in vielerlei Hinsicht, wobei man das zwinkernde Auge in den meisten Stücken erkannte. Mit Humor hat dieser Song allerdings nicht mehr viel zu tun, dafür ist er einfach insgesamt zu platt.

Weniger nervig, aber lyrisch doch recht holprig poltert das oberflächlich kritische “U.S.A.“ vor sich hin, wirkt jedoch doch insgesamt durch die Kraft in der Musik recht überzeugend. Das gleiche Prinzip wird mit “Puppenjunge“ (samt schönem Horror-Märchen-Flair), “Arm Und Reich“ sowie “Hans Guck In Die Luft“ verfolgt, wobei vor allem letzteres durch einen tiefgründiger ausgearbeiteten Text noch überzeugender hätte sein können. Mit “10 Jahre OST+FRONT“ wird den Fans eine Ode geliefert, die gefühlt bislang auf jedem Album drauf war und deswegen kaum überrascht. Durch den Einsatz der Stimme von Keyboarder Eva Edelweiß wird dem an sich druckvollen Song eine nervig-krächzende Facette verliehen, auf die man gut und gerne hätte verzichten können. Ansonsten dürfte die Nummer live noch einiges retten.

Fazit: Potential bleibt ungenutzt!

Persönlich bin ich von “Adrenalin“ sehr enttäuscht, da ich die Weiterentwicklung der Band durch ihre Alben hindurch bislang mehr als ansprechend fand. Musikalisch liefern OST+FRONT auch auf dieser Platte wieder reichlich schöne Ansätze, die jedoch aufgrund der gewählten textlichen Umsetzung kaum zur Geltung kommen. Das erzählerische Geschick von “Sonne, Mond und Sterne“, “Moldau“, “Sternenkinder“ oder “Klassenkampf“ fehlt nahezu komplett. Nach dem Hören von “Adrenalin“ konnte ich mich kaum entscheiden, welches Wort am ehesten meinen Gefühlszustand beschreibt: genervt, gelangweilt oder frustriert aufgrund der Rückschrittigkeit einer sonst innovativen Band?

10.02.2018

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