Ov Sulfur - Endless

Review

Soundcheck Januar 2026# 14

Mit ihrem Debütalbum „The Burden Ov Faith“ (2023) konnten OV SULFUR, damals schon bei Century Media Records, größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wie schlägt sich das zweite Album „Endless“ der während der Corona-Pandemie in Las Vegas gegründeten Band? Vielleicht ein zeitloses Stück Ewigkeit?

Ein zeitloses Stück Ewigkeit?

OV SULFUR beschäftigen sich inhaltlich auf „Endless“ mit einer interessanten Fragestellung. Angenommen, bestimmte Erfahrungen, Emotionen, Gefühle, Eindrücke, ob positiv oder negativ, würden in einem ewig andauern, unendlich. Welche Auswirkungen hätte dies auf die jeweilige Person? Im Fall der Band um den ehemaligen SUFFOKATE-Sänger Ricky Hoover sind es natürlich hauptsächlich negative Erfahrungen wie Zweifel und Trauer, die Einzug in das lyrische Konzept gefunden haben. Dazu die gewohnte Verachtung gegenüber organisierten Religionen. Denn was passiert, wenn die Ewigkeit Fluch statt Versprechen wird?

Fluch statt Versprechen

Das kann man zum Glück nicht über die Musik auf „Endless“ sagen. OF SULFUR spielt vordergründig typischen Deathcore. Hört man genauer hin, bieten die Herren aber in Wirklichkeit eine recht vielseitige, stilistisch üppige Mischung aus Deathcore, Metalcore und symphonischem Melodic Black Metal, irgendwo in der Schnittmenge aus BEHEMOTH, KILLSWITCH ENGAGE, DIMMU BORGIR und LORNA SHORE. Keine Frage, OV SULFUR spielen Blackened Symphonic Deathcore.

OV SULFUR spielen Blackened Symphonic Deathcore

Kernige Growls, schneidende Screams, Pig Squeals und klarer Gesang, wieselflinke Blast Beats und fiese Breakdowns, brutale, teils technische Riffs, dazu kalte Tremolo-Riffs und symphonische Synthesizer. Der Kontrast zwischen den Stimmen von Hoover und Gitarrist Chase Wilson. All das verweben OV SULFUR in einem sehr cleanen Sound miteinander. Und entwickeln konsequent ihre düsteren Klangwelten auf „Endless“ dynamischer, intensiver wie heavier verglichen zu „The Burden Ov Faith“ weiter. Es gibt mehr melodische Refrains und inzwischen auch Stücke, in welchen die Band komplett auf Screams verzichtet. Dies wiederrum verstärkt die Eindringlichkeit der brutalen Ausbrüche, inmitten einer sich als immer instabiler darstellenden Welt, in der beständig neue Eskalationsstufen erreicht werden. Die Band agiert kontrolliert und hat hörbar an Selbstsicherheit gewonnen.

Passend zum lyrischen Inhalt von „Endless“ wirkt die Atmosphäre des Albums stets bedrückend, kalt und intensiv. Dies wiederrum ist eine Folge der etwas stärker in den Vordergrund tretenden, organisch integrierten Black-Metal-Einflüsse.

Den Anfang macht das dezent elektronische und zugleich unerbittlich aggressive „Endless/Godless“, das OV SULFUR überraschend ein klein wenig an den Industrial Black Metal annähert. Langsam, wuchtig hämmerndes Schlagzeug und massive, tiefergestimmte Riffs, Breakdowns, abgründige Growls, Slam-Djent-Sound, brachial. Dann „Seed“ mit geradezu epischem Aufbau. Schnelles Tempo mit einigen Blast-Ausbrüchen, rasend aggressive Gitarren, symphonische Elemente, dominanter wie intensiver Refrain, Akzente mit klarem Gesang, abrupte Tempowechsel inkl. Breakdown, Atmosphäre trotz aller Brutalität.

In „Forlorn“ vollziehen die Gitarristen Wilson und Christian Becker fast ätherisches Riff-Chaos, prägnant durchdringende Leads, infernalische Schreie im Wechsel mit abgründigen Growls, in Kontrast zu den symphonischen Elementen und klaren Gesangspassagen. Man hört hier zwar noch die Deathcore-Wurzeln, aber bei weitem nicht mehr so plump wie in den Ursprüngen. Dagegen kann das bedrückende, angeschwärzte „Vast Eternal“ trotz einprägsamer Hookline und typisch dissonanten Obertönen nicht anstinken, solide aber nicht so vielschichtig. OV SULFUR setzen in anderen Stücken neue Akzente.

OV SULFUR setzen neue Akzente

Klaren Gesang in den Vordergrund zu stellen wird nicht allen Hörern schmecken. In „Wither“ machen OV SULFUR genau das und verzichten zum ersten Mal über einen kompletten Song hinweg auf Screams. Zwei klare Gesangsstimmen in einem fast schon balladesken Stück, dazu hochfliegende Twin-Leads, ein grooviges Fundament aus Schlagzeug und Bass, erinnert ein wenig an BULLET FOR MY VALENTINE. Doch keine Sorge, OV SULFUR sind nicht ausgewimpt, in „Evermore“ geht es wieder aggressiv zur Sache. Breakdown? Klar! Keyboards und Orchestrierungen? Ebenfalls! Growls und Schreie? Ja doch! Nur der klare Gesang wirkt hier etwas gezwungen.

Anschließend kommen die Gastbeiträge. In „Dread“ ist es Gastsänger Josh Davies von INGESTED, mit denen die Band gemeinsam auf Tour war. Unglaublich heavy Beatdown-Slams, wilde Blast-Beats, Symphonic Black Metal-Parts, insbesondere der klare Gesang von Davies sticht heraus. Johnny Ciardullo von CARCOSA singt in „Bleak“, das Elemente des Black und Death Metals mit Orchesterpassagen verknüpft. Der letzte Song mit Gast ist „A World Away“ mit Alan Grnia von DISTANT, ebenfalls ehemalige Tourkameraden von OV SULFUR. Melodischere Walze mit düsterer Atmosphäre

„Endless/Loveless“ schließt das Album. Musikalisch treten hier die amerikanischen Alternative Metal Wurzeln stärker zum Vorschein. Melancholische Riffs und klarer Gesang. OV SULFUR überschreiten auch hier wieder traditionelle Grenzen.

Grenzen überschreiten

OV SULFUR präsentieren sich auf „Endless“ reifer. Die Band agiert vielseitiger, die Stück wirken zum Glück nur selten leicht überfrachtet. Mehr Klargesang, Dynamik und Melodie, ohne das Rad neu zu erfinden. Gut!

16.01.2026

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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