Refused - Freedom

Review

Galerie mit 22 Bildern: Refused - Speedfest 2015

Herzlich willkommen zur Rezension des nach „Sol Invictus“ wohl meisterwarteten Comeback-Albums des Jahres 2015. „Freedom“ ist das erste Studiowerk aus dem Hause REFUSED seit 1998 und direkter Nachfolger von „The Shape of Punk to Come“, dem wegweisenden, hochpolitischen Genre-Mindfuck, laut Duff McKagan „eines der zwanzig besten Alben aller Zeiten“ (Wikipedia fun fact) und genreübergreifenden Kritikerliebling par excellence. 2012 waren REFUSED schon einmal plötzlich wieder da. Sie rissen eine lange Tour ab, lehrten die GREEN-DAY-Kids bei Rock am Ring das Fürchten – und hatten dann schon wieder keine Lust mehr: „We’re going home and we’re doing it in style“. Einfach so.

Und dann waren sie plötzlich wieder da. Dieses Mal richtig, die letzten Zweifel daran räumte allerspätestens die Single „Elektra“ aus dem Weg. Kein „New Noise“-Kaliber, aber dieser Song verhält sich zu REFUSED auch in etwa so wie „Smells Like Teen Spirit“ zu NIRVANA. Dennoch, ein intelligenter, energetischer Hardcore-Brocken, 100 Prozent REFUSED und mit dem inhärenten Versprechen, dass es auf dem Album doch sicher noch etwas verrückter zugehe.

Und tatsächlich erweist sich „Elektra“ als der mit Abstand konventionellste Song auf „Freedom“. Bereits Nummer zwei („Old Friends / New War“) ist ein mit verstörend verzerrter Stimme eingeleiteter, unter einem Effektgewitter begrabener akustischer Protestsong, der trotz allem eingängig daherkommt. „Dawkins Christ“ beginnt mit verträumt-bedrohlichem Frauengesang und ist danach einfach nur Wut und „Françafrique“ beschert uns mit Kinderchor, untergelegtem Beat, HENDRIX-Gitarre und Pop-Refrain wieder einen dieser grenzgenialen REFUSED-Momente. „Just another word for genocide“ hallt es zum Ende zudem gewohnt bitter und zutiefst politisch aus den Boxen. Ein Musik-Text-Kontrast, der verstört.

Mit den Ideen war es das aber noch lange nicht. „War On The Palaces“ hört sich an, als habe sich ein sehr wütender Dave Grohl mit einer etwas schläfrigen Ska-Kapelle zusammengetan. „Destroy The Man“ kombiniert schiefen Frauengesang mit psychedelischen Gitarrenmelodien und den hinter jeder Ecke lauernden Ausbrüchen des Dennis Lyxzén. Generell aber zeigt der Mann einmal mehr, wie unheimlich variabel er teilweise innerhalb eines einzigen Songs ist. Wie „366“ sich im Refrain in einen Alternative-Ohrwurm verwandelt um dann in einem energetischen Endpart mit einprägsamem Gitarrenmotiv fast schon episch zu werden – das ist großartiges Songwriting. Können die RED HOT CHILI PEPPERS bitte wieder Funk-Gitarren spielen, wie sie „Servants Of Death“ hat?   

Kommen wir zur Preisfrage: Wie schlägt sich „Freedom“ im direkten Vergleich mit dem direkten Vorgänger? Ziemlich gut, muss hier die Antwort lauten. Es gibt einige wenige Stellen, an denen man sich fragt, ob es die Band hier mit ihren experimentellen Trademarks übertrieben hat, um der Erwartungshaltung gerecht zu werden. „The Shape Of Punk To Come“ klingt im Vergleich dazu noch ein bisschen mehr wie aus einem Guss. Trotzdem ist „Freedom“ ein mehr als würdiger Nachfolger, der zudem einen ganz eigenen musikalischen Charakter hat und seltenst einfach nur alten Großtaten nacheifert. Spannender kann man Hardcore nicht spielen. Auch 2015 nicht. REFUSED are fucking alive.

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18.06.2015

What has to happen in a person's life to become a critic anyway?

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1 Kommentar zu Refused - Freedom

  1. Johnny Cash (Himself) sagt:

    Erst mal super, dass es die Band wieder gibt, sie ein neues Album raushaut und das Beste: Es ist nicht scheisse! Gegenüber ihrem Magnum Opus von 1998 nicht kläglich abzustinken ist keine leichte Aufgabe. Die Lösung fanden Refused offensichtlich in einer neuen Ausrichtung, was den Stilmix betrifft. Mir gefallen die Einflüsse, die auf „The Shape“ verarbeitet wurden zwar besser (mehr vertrackte Jazzrhythmik, etwas härter und ein größerer Schwerpunkt auf der Gitarrenarbeit), aber die einzelnen Songs sind sehr gut konstruiert, nichts wirkt fehl am Platz oder übertrieben (den Anfang von Old Friends/New War vielleicht mal ausgenommen). Die Band weiß einfach sehr gut, was sie tut.
    Sooo viel besser als der Hardcore-Durchschnitt, mehr davon, bitte!