
Selbst in Zeiten der allgegenwärtigen musikalischen Erreichbarkeit sind die Informationen, die über das internationale Projekt RIVERFLAME vorhanden sind, überschaubar. Letztendlich haben sich hier vier Musiker aus dem Dunstkreis von Bands wie HAIL SPIRIT NOIR oder PONTE DEL DIAVOLO zusammengefunden, um mit „Lunar Crusades“ ein Erstlingswerk zu schreiben, das sämtliche Einflüsse seiner Wurzeln zusammenführt. Das erstreckt sich von der stilistischen Ausrichtung bis hin zu den spezifischen Verweisen, welche die Herkunft der Musiker, insbesondere aus den griechischen und italienischen Szenen, vorgeben.
Mittelalter und Melodic Black Metal
Das Quartett startet so gesehen mit der Bandhymne, die dicht gefolgt mit „Where Dragons Once Ruled“ eine breite epische Richtung vorgibt, mit der RIVERFLAME ihren melodischen Black Metal verzieren. Mittelalterlich anmutende Keyboardklänge lassen den Einstand süßlich und verwunschen nach den Pfaden SUMMONINGs klingen, doch im Folgenden wird das Erbe der Österreicher durch eine geradlinigere, schwedischere Richtung abgelöst. Ein zunächst flüsternder Übergang von Sänger Romain Nobileau eröffnet die Bühne für die Saiten, deren sphärische Melodien wiederum an KVAEN oder die Ebner von DISSECTION erinnern.
Ähnlich wie bei vergleichbar gelagerten Bands wie zum Beispiel STORMKEEP, hat „Lunar Crusades“ mit dunkler ritueller Musik so viel zu tun DARKTHRONE mit klinischem Produktionsniveau. Stattdessen erzählen RIVERFLAME ein bitterfruchtiges Märchen für Erwachsene und haben dafür auch genug Material in petto, um die vier überlangen Stücke mit ausreichend Leben und Abwechslung zu füllen. Zwar ähneln sich die Grundmotive schon gewissermaßen, doch an dieser Stelle wird deutlich, dass hier keine grünen Amateure am Werk sind, denen es gelingt die Spannungs- und Erzählkurve hoch zu halten.
Bitterfruchtiges Märchen
Durch seine hohe Eingängigkeit und Melodieorientierung steht der Test der Zeit des Albums zwar ein wenig in den Sternen, doch auch trotzdem sich die Schatulle von RIVERFLAME schnell öffnet, bieten die tieferen Ebenen noch genügend Spielraum zum Eintauchen. Wer auf mittelalterlich angehauchten Black Metal mit starken Hooks aus der mittleren Neunziger-Schule steht, der findet mit „Lunar Crusades“ einen guten Vertreter mehr.

Patrick Olbrich































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