Silver Talon - Decadence And Decay

Review

Nach einer vielversprechenden EP legen SILVER TALON nun mit „Decadence And Decay“ ein nicht minder beeindruckendes Debütalbum vor. Wobei die Qualität dieser Einstands-Darbietung gar nicht so sehr überraschen sollte, denn hinter der Band aus Portland, Oregon stecken keinesfalls Anfänger. Ähnlich wie UNTO OTHERS (Ex-IDLE HANDS) sind auch SILVER TALON aus der Asche der 2017 aufgelösten SPELLCASTER hervorgegangen und teilen sich mit selbigen den ein oder anderen Musiker. Der musikalische Ansatz ist jedoch ein gänzlich anderer.

SILVER TALON spielen mit Erwartungen

Zwar umspielt auch den Sound von SILVER TALON eine düstere Aura, mit der Gothic-Rock-Ausrichtung der Kollegen von UNTO OTHERS hat „Decadence and Decay“ aber nichts am Hut und auch der hochmelodische Heavy Metal von SPELLCASTER spiegelt sich hier allenfalls bedingt wider. Was einem beim Opener „Deceiver, I Am“ um die Ohren bläst ist knallharter US Power Metal, mit Betonung auf Power! Zunächst springt einen vor allem die zeitgemäße und extrem druckvolle Produktion an, die der Musik einerseits ordentlich Punch verleiht, andererseits aber die Bandfotos ein Stück weit Lügen straft, hätte man doch rein optisch eher die nächste Retro-Metal-Combo erwartet.

Stattdessen haben SILVER TALON offensichtlich den Backkatalog von SANCTUARY und NEVERMORE ausgiebig studiert; Bands also, die ihre Wurzeln zwar in den 80ern hatten, ihrer Zeit aber stets ein paar Schritte voraus waren. Parallelen ergeben sich unter anderem durch den fantastischen Gesang von Wyatt Howell, der besonders in den mittleren und tiefen Stimmlagen stark an den viel zu früh verstorbenen Warrel Dane erinnert, die Musik von SILVER TALON aber durchaus auch mit eigenen Nuancen bereichert. Egal ob raue Shouts, schneidend hohe Schreie oder eben jene erhabenen Mitten und Tiefen, da sitzt alles wo es hingehört. Absolut souverän!

Auch beim Songwriting lassen sich die Amis nicht lumpen und setzen auf Vielseitigkeit. Bei „Resistance 2029“ wird einerseits die Thrash-Keule ausgepackt, andererseits lehnen sich SILVER TALON noch etwas mehr in ihre NEVERMORE-Schlagseite und haben zudem prominente Unterstützung an der Gitarre durch Andy La Rocque (KING DIAMOND). „As The World Burns“ wiederum gibt sich atmosphärisch und dezent progressiv, hat aber wie die meisten Songs einen starken Refrain, weshalb das Material auf „Decadence And Decay“ zwar stets komplex aber nie sperrig wirkt.  Bei „Next To The Sun“ etwa treffen verspielte Akustikgitarren auf bretthartes Riff-Stakkato, ausladende Soli und den nächsten Gänsehaut-Refrain. WITHERFALL lassen grüßen.

SILVER TALON geben sich keine Blöße

Bis hierhin zeigen SILVER TALON keine Schwächen und das ändert sich auch im weiteren Verlauf des Albums nicht. „Divine Fury“ klingt genau so, wütend! Die Wüstlinge aus Oregon scheuen sich dabei nicht, im selben Song infernalisches Black-Metal-Tremolo neben flitzenden Fingerübungen und kernigen Power-Riffs abzufackeln. „Kill All Kings“ schielt gar in Richtung Euro-Power-Metal, ohne dabei je dudelig zu wirken. Beim melancholischen „What Will Be“ kanalisiert Wyatt Howell nochmal mit aller Kraft den Geist von Warrel Dane, bevor „Touch The Void“ als längstes und vielschichtigstes Stück der Platte zwischen Epik, dichter Atmosphäre und vertrackten Gitarrenkonstrukten einen würdigen Schlusspunkt setzt.

Donnerwetter, was für ein Ritt. Hart und gleichzeitig gefühlvoll, komplex aber doch zugänglich und stets songdienlich liefern SILVER TALON ein Album ab, das zwar klare Vorbilder offenbart, sich aber dennoch durch eine enorme Portion Eigenständigkeit auszeichnet. So schießen SILVER TALON quasi aus dem Stand auf die oberen Ränge der zeitgenössischen US-Heavy-Metal-Szene, wo ihnen allenfalls noch WITHERFALL das Wasser reichen können.

Lobend erwähnt seih abschließend auch das extrem schicke Cover-Artwork von Gerald Brom, bei dem man sich zwangsweise fragen muss, warum die Bilder des amerikanischen Künstlers nicht schon öfter Metal-Alben verziert haben.

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19.06.2021

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1 Kommentar zu Silver Talon - Decadence And Decay

  1. Lysolium 68 sagt:

    Schönes Review das meinen Eindruck beim Hören dieses Albums
    klasse spiegelt. Der Sänger und die Band haben wie schon erwähnt
    klare Vorbilder aber wer wie ich Warrel Dane echt vermisst freut sich
    darüber.

    9/10