



Die See ist rau und eiskalte Gischt spritzt dir ins Gesicht. Über den Geräuschen des Sturms ist das Ächzen und Knarzen des Schiffs kaum zu hören, doch du ruderst im Einklang mit den anderen zielsicher auf den tiefschwarzen, rasenden Strudel zu, der sich in einiger Entfernung vor euch auftut. Deine Gedanken driften ab, während der Blotter sich langsam auf deiner Zunge auflöst und die ersten Moleküle Lysergsäurediethylamid sich auf den Weg über den Blutkreislauf hin zu deinem Gehirn machen…
Ist das Black Metal oder kann das weg?
So oder so ähnlich ist die Situation, die SPEREs Album „Blotters In Saline Water“ heraufbeschwört. Der selbsternannte „Psychedelic Maritime Black Metal“ hält, was er verspricht. Für diejenigen, die mehr als ein bisschen Atmosphäre brauchen, um sich den Sound vorzustellen: Wenn H.P. Baxxter und Kapitän Nemo ein Kind hätten, das ein Problem mit Psychedelika und ein Herz für Black Metal hätte – so würde das erste Album klingen.
Klingt abgefahren – ist es sicher auch –, funktioniert aber erstaunlich gut. Nach dem Auftakt des Albums, „Those Rations Came Foul“, der mit seinen Party-Synthies und Mitsing-Chören knapp an der Kitsch-Grenze vorbeisegelt (entschuldigt), zeigt „Engine Fire“ die wahre Magie von SPERE. Der Übergang vom atmosphärischen Beginn des Songs hin zu synthetischen Klängen funktioniert selbstverständlich und natürlich. „Engine Fire“ ist zwar eingängig, verliert dadurch aber nicht an Härte.
Dass „Blotters In Saline Water” wahre, wenn auch psychedelische, Black-Metal-Melancholie ist und keine fehlgeleitete Party, zeigen vor allem das düster-unheilvolle „Our Days Are Dripping From The Drums“ und das wehmütige „This Is The End“, das das Album nach knapp über 40 Minuten abschließt und seine angefixten Hörer:innen mit der über dem On-Repeat-Button zitternden Hand zurücklässt.
SPERE haben ihre Marktlücke gefunden
Mit „Blotters In Saline Water” schaffen SPERE eine unwahrscheinliche, aber gelungene Fusion, die absolut ihre Daseinsberechtigung hat. Mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein schafft das Album sich ganz selbstverständlich Platz in einer Szene, der Veränderung und Modernität bisweilen noch etwas schwerfällt. Scheuklappen abnehmen lohnt sich: Der erste Durchlauf ist umsonst – wer einen zweiten startet, ist bereits hoffnungslos verloren.

Louisa Esch































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