Torpor - Dungeon Descent

Review

Bei Dying Victims Productions hat man sich mit TORPOR mal wieder eine Truppe geschossen, die perfekt ins Beuteschema passt. Oldschoolig und verschroben im besten Sinne befinden sich die Polen auf dem Essener Kult-Label in guter Gesellschaft. Dabei kredenzen sie auf ihrem Debüt-Album „Dungeon Descent“ trotz absoluter Hingabe zum musikalischen Anachronismus einen Sound, den man in dem Mischverhältnis so noch nicht allzu oft gehört haben dürfte.

Heldenstahl trifft Barden-Epik

Auf instrumentaler Seite zelebrieren die Warschauer eine Mischung aus heroischem Epic Metal, krudem Speed- und Thrash-Gepolter alter Schule sowie rohem First Wave Black Metal. Kompositorisch gehen hier MANILLA ROAD, BROCAS HELM und OMEN mit BATHORY zwischen Frühzeit und Viking-Ära Hand in Hand. Klingt also schonmal nach einem Fest für Keep-It-True-Dauergäste und Underground-Maniacs.

Was das Ganze jedoch von ähnlich nostalgisch gestrickten Kappellen abhebt, ist die Gesangsdarbietung von Franciszek Archont. Der schmettert seine Helden-Lyrik nämlich nach Art eines jungen, noch etwas unbedarften Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN) unters Volk und verleiht dem schwertschwingenden Kauz-Gebräu so eine gesunde Portion Krefelder Barden-Epik, die sich überraschend gut ins Gesamtbild einfügt und für so manch mitreißenden Moment sorgt. Die treibende, von kurzen schwarzmetallischen Eruptionen durchsetzte Hymne „Polybolos“ etwa setzt sich unweigerlich im Oberstübchen fest und animiert zum hingebungsvollen Fistraisen.

Nun drängt sich das Material von TORPOR zwar nicht unbedingt durch enormen Abwechslungsreichtum oder überkomplexes Songwriting auf und die erste Albumhälfte ist mit drei aufeinander folgenden Uptempo-Nummern gar etwas gleichförmig geraten. Aber einerseits ist man hier ja auch nicht beim Prog-Workshop im Traumtheater und andererseits sorgen ein paar angeschrägte Leads wie z.B. bei „Tresspassing The Sanctuary“, gelegentlich flirrendes Tremolo sowie eben der Gesang von Meister Archont dann doch für jede Menge Charakter.

TORPOR setzen trotz viel Nostalgie ihren eigenen Stempel

So entsteht eine zwar einerseits vertraute doch gleichermaßen eigentümliche Mischung, mit der TORPOR sich selbstbewusst hervortun und trotz hinlänglich bekannter Zutaten im Gedächtnis zu bleiben wissen. Zwar ist beim Songwriting sicherlich noch etwas Luft nach oben, der eigene Stempel ist aber gesetzt. Und allein das ist ja besonders in Anbetracht der kompletten Hingabe zur Nostalgie und der Totalverweigerung gegenüber modernen Hörgewohnheiten schonmal eine starke Leistung.

19.07.2026

"Musik hat heute keinen Tiefgang mehr." - H.P. Baxxter

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 38616 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Off Topic
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

Kommentare