Tvinna - One In The Dark

Review

Soundcheck Februar 2021# 20

Gleich vorneweg: Das hier ist nicht der Stoff für Leute, die ihren Adrenalinhaushalt in Schwung bringen möchten. TVINNA sind eine von den Stimmen von Laura Fella (FAUN), Fiona Rüggeberg (ex-FAUN) und Fieke van den Hurk (u. a. OMNIA) dominierte Band, die eine eher düster rockende Klangkunst zelebriert, wobei flächige Synthesizer und elektronische Beats dabei oft die Basis bilden. Instrumentale Unterstützung erhalten die Damen von Rafael Salzmann (ELUVEITIE) an sämtlichen Saiten sowie Jasper Barendregt (u. a. DODECAHEDRON) am Schlagzeug, der auch die elektronischen Beats beisteuert. Keine Unbekannten also – und bei dem Namedropping schwingt ein folkiger Einschlag mit, sieht man mal von DODECAHEDRON ab (über welche Umwege Mathe-Black Metal auch immer hier gelandet ist).

TVINNA und ihre düster-folkigen Pop-Ambitionen

Zu hören gibt es einen zumeist unaufgeregt wirkenden Sound, dem man den Folk-Hintergrund der Protagonistinnen trotz elektronischem respektive rockigem Backdrop tatsächlich jederzeit anhört. Der Opener „The Gore“, sobald er nach einem kurzen und nicht wirklich gut in den eigentlichen Song überführenden Intro beginnt, führt die Hörerschaft dank seiner gedämpften Natur sanft, fast verführerisch in diese Welt ein. Die Gesangslinien haben was von GALLEY BEGGAR, wenn auch weniger mit Soul unterfüttert. Stattdessen wird der Folk-Charakter durch die mehrstimmige Darbietung deutlicher unterstrichen, die weniger die Erhabenheit eines Einar Selvik in sich birgt. Das ist aber legitim, denn „One In The Dark“ zielt ohnehin eher auf eingängige, poppigere Songs ab.

Das Album ist dabei genau immer dann am stärksten, wenn die Musik animiert auftaut, wobei damit nicht die billigen, Trailertröten-artigen Synths in „Inside – The Dark“ gemeint sind. Gemeint ist etwa „12“, das fast wie eine durch Electronica und Rock-Gitarren begleitete, schamanische Beschwörung klingt, während „Kreiz“ spirituellere, femininere WARDRUNA („Isa“ z. B.) noch am treffendsten emuliert, zumindest solange die Band nicht rudimentär rockend dazwischen funkt. Tatsächlich stören die regelmäßig auftauchenden, rockenden Einschübe öfter als dass sie den Songs helfen, da sie auf frustrierende Weise geradeaus gespielt sind und die durch vielschichtige, umsichtig platzierte Arrangements aufgebaute Stimmung schon ein bisschen ruinieren, wann immer sie auftauchen.

Ist „One In The Dark“ ein Rohdiamant?

Die wunderbaren Gesangsarrangements schmiegen sich dem Geschehen stets elegant an, sodass man sich teilweise wünscht, dass TVINNA mal mit spannenden Kontrapunkten singen würden, statt immer nur im Chor mit typischer Lead- und Backing-Vocal-Dynamik. Aber das geht vollkommen in Ordnung und darf an dieser Stelle gerne als Wink hinsichtlich etwaiger, künftiger Leistungen des Projektes verstanden werden. Derweil erlebt „One In The Dark“ seinen Höhepunkt mit „Tides“. Der Song wandelt sich rhythmisch regelmäßig, mündet zwischenzeitig sogar in einen flotten Keulenschwinger mit richtig aufgeweckten Synths und liefert den deutlichsten Beweis dafür, wie viel Potential hier drin steckt, wenn das Songwriting nur etwas dynamischer wäre.

Abseits der erwähnten Highlights nämlich fließt das Album eher unaufgeregt und ein bisschen blass dahin. Potential steckt hier eindeutig drin, wurde aber noch nicht ausgeschöpft, siehe der Gesang. „One In The Dark“ bietet dennoch ein angenehmes, kurzweiliges Hörerlebnis, das durch die Kombination von Folk-artigem Gesang mit Rock- und Elektro-Elementen wenn schon nicht revolutionär, so doch hinreichend frisch klingt, nicht zuletzt auch dank der Mehrstimmigkeit der Vocals. Für den Jungfernflug geht das Album also vollkommen in Ordnung. Nur sollten sich TVINNA möglichst nicht auf dieser Blaupause ausruhen, wenn denn weiterer Output folgen soll…

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11.02.2021

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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