Unearth - The March

Review

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Da sind sie also wieder da, die US-amerikanischen Metalcore-Helden von UNEARTH. Nach drei Studioalben („Stings Of Conscience“, 2001; „The Oncoming Storm“, 2004; „III: In The Eyes Of Fire“, 2006), zwei Live-DVDs, zwei EPs und deren gemeinsamer Wiederveröffentlichung auf dem 2005er-Release „Our Days Of Eulogy“ sind die fünf Amis zurückgekehrt, um dem geneigten Hörer mit ihrem neuesten Werk „The March“ ordentlich den Arsch zu versohlen.

Zehn Jahre sind seit der Bandgründung vergangen, wie oben beschrieben sind das zehn Jahre, in denen die Band selten faul rumgesessen hat, und so ist es kein Wunder, dass nur zwei Jahre nach dem letzten Album trotz ausgiebiger Touren schon wieder neuer Stoff für (bzw. gegen) die Nackenmuskulatur bereitsteht.

Zunächst das Wichtigste: Was gibt’s neues? Nun, nicht viel. Die Trademarks der Band sind nach wie vor vorhanden, noch immer spielen die drei Gründungsmitglieder Buz McGrath, Ken Susi (beide Gitarre) und Trevor Phipps (Gesang) sowie die beiden im Laufe der Jahre ergänzten John Maggard (Bass) und Derek Kerswill (Schlagzeug) fetten, sehr aggressiven Metalcore, noch immer sind hier und da Melo-Death-Einflüsse herauszuhören und auch der vermehrte Thrash-Anteil, der sich bereits auf „III: In The Eyes Of Fire“ breitmachte, ist erhalten geblieben.
Das klingt natürlich nicht nach viel Veränderung, geschweige denn Innovation – und das wird man auf „The March“ auch vergeblich suchen. UNEARTH spielen im Grunde nach wie vor typischen Metalcore – mit dem Unterschied, dass sie ihn (ebenfalls nach wie vor) um einiges fetter und detailverliebter präsentieren, als die meisten ihrer Genrekollegen.

Ganz ehrlich: Mit Ausnahme von „The All Night Lights“ vom 36-CRAZYFISTS-Album „The Tide And The Takers“ habe ich auf einem Metalcore-Album selten einen so geilen Opener wie „My Will Be Done“ gehört. UNEARTH packen die (Neo-)Thrash-Keule aus, spielen einen unglaublich geilen Lick auf einen fast noch geileren und wahnsinnig rhythmischen Riff, sodass ein Metalcore-Breakdown entsteht, vor dem sich aber auch keine Thrash-Metal-Band verstecken bräuchte, und kreieren dazu einen Refrain, der ohne Hürden ins Ohr geht, ohne dass die Band Emo-Gesang oder sonstige nervige Klischees bräuchte. Fett fett fett!
Leider bleibt „The March“ nicht auf diesem Niveau (dann wäre es ohne Zweifel das Metalcore-Album des Jahrhunderts geworden). Das anschließende „Hail The Shrine“ ist zwar auch ordentliches Geprügel, aber doch eher auf 08/15-Ebene, ebenso „Crow Killer“, welches – im Gegensatz zu „Hail The Shrine“ – wieder schneller zu Werke geht, aber dennoch etwas fetter sein könnte. Weiter macht der ultraharte Hassbrocken „Grave Of Opportunity“, der wieder mit unglaublichen Gitarren-Leads aufwartet, einen tollen halbakustischen Part im Mittelteil serviert, damit zu einer sehr dynamischen Sache wird und somit wie der Opener zu den großartigeren Songs auf „The March“ gehört.
Ebenfalls erwähnenswert: der Titelsong, der im Gegensatz zum Rest des Materials sehr langsam, bedrohlich und fast etwas doomig aus den Boxen schießt, jedoch ein kleines bisschen Richtung Belanglosigkeit abrutscht, wenn die Band das Tempo wieder hochschraubt. Ebenso ist auch das darauffolgende „Cutman“ ein Wechselspiel zwischen „supergeil“ und „belanglos“, während das punkige „The Chosen“ eher wieder zu den Höhepunkten des Albums (und der Bandgeschichte) gehört. Im abschließenden „Truth Or Consequence“ drückt die Band dann das Gaspedal nochmal vollständig durch und liefert zum Schluss noch einen besonders fetten Moshpart. Besonders erwähnenswert ist auch ein Hidden Track, der fast nur aus einem vierminütigen Breakdowns besteht und somit eine verdammt rhythmische Angelegenheit ist – der Song hätte sich meiner Meinung nach auch gut im regulären Teil des Albums gemacht.

UNEARTH machen anno 2008 auf „The March“ also das, was sie am besten können: Metalcore, der das Rad zwar nicht neu erfinden möchte, aber dennoch im Gegensatz zu den Genrekollegen meist abwechslungsreich bleibt, was wohl daran liegt, dass die Band wie immer mit viel Liebe zum Detail an die Sache rangeht und vor allem einfach das spielt, was guten Metalcore der „alten“ Schule (wenn man denn in diesem Genre schon von sowas sprechen kann) so fett macht: eingängige Refrains (und das ganz ohne Klargesang!), fette Breakdowns und tolle Leads.
Garniert mit einem sehr guten, aber auch genretypischen Sound kommt dabei ein Album heraus, auf dem sich ein oder zwei mittelmäßige und ein paar „lediglich“ gute Songs befinden, sowie mit „My Will Be Done“, „Grave Of Opportunity“ und „The Chosen“ drei der besten Songs, die diese Band je geschrieben hat – und das will angesichts dessen, was die Konkurrenz zur Zeit so macht, schon was heißen.

„The March“ ist damit nur bedingt ein Killeralbum – aber trotzdem ein Tipp für jeden Metalcore-Hörer (und für jeden UNEARTH-Fan sowieso).

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22.10.2008

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3 Kommentare zu Unearth - The March

  1. Anonymous sagt:

    sicher ein ganz okayes/gutes metalcore-release, was man von unearth ja wohl auch erwarten konnte, aber dass gerade "My Will Be Done", "Grave Of Opportunity" und "The Chosen" die besten songs sein sollen die unearth je geschrieben haben kann ich jetzt nicht unbedingt unterschreiben? sicherlich die besseren songs auf ‚The March‘, aber gegen die meisten songs auf dem 2004er Album ‚The Oncoming Storm‘ haben die nicht viel entgegen zu setzen, welches imo das beste unearth album bleibt.

    7/10
  2. Anonymous sagt:

    Ich gebe dir insofern Recht, dass ich "The Oncoming Storm" auch für das beste UNEARTH-Album halte – als Album im Ganzen. Trotzdem finde ich diese drei Songs halt einfach superfett. Eben fetter als alles von der Band zuvor. Dass das Album selbst aber nicht gegen "TOS" ankommt, ist schon klar. (Hätte ich im Review eigentlich auch noch erwähnen können, aber gut … jetzt isset online. ;-))

    7/10
  3. Anonymous sagt:

    Raus aus dem Sturm. "The March" ist so etwas wie die Summe aller bisherigen Unearth-Teilchen: Metal-Geriffe und HC-Breakdowns – alles auf Nummer sicher getrimmt. Viel abgeklärte Souveränität, wenig Überraschendes. Die Frage, ob man ein solches Album wirklich braucht, stellt sich mir jedes Mal, so wie ich solche Stangeware zu Gehör bekomme, wieder aufs Neue.

    5/10