Victimizer - Tales Of Loss And New Found Serenity

Review

“Niels! Geh’ in den Keller Kartoffeln holen!“
Und Niels ging. Der Keller passt ja auch zu seiner Kellerstimme. Wohlgemerkt: keine Kellnerstimme! Eine Kellerstimme! Im Keller ist es zudem oft dunkel. Manchmal sind da Leichen drin. Derart geprägt konnte Niels nicht anders und muss einfach bei ner Death Metal-Kapelle “singen“.

Und weil’s im Keller schon mal gruselig ist, hat Niels oft was gepfiffen, um sich ein wenig Mut zu machen. Deswegen “singt“ er auch in einer melodisch veranlagten Band.

Ja, das wird die einzige Erklärung sein, wieso es so gekommen ist. Kann ja gar nicht anders…
Fakt ist: Der Niels hat nen heftig dicken Hals und blökt gar prächtig zu dem nicht minder heftigen Liedgut, welches uns die seit 1996 tätigen VICTIMIZER um die Lauscher hauen.
Dabei beherrscht er das harsche Gegrunze derart herzerweichend, dass man sich überaus glücklich schätzen sollte, unter den grob geschätzt neunhundertachtundvierzigmillionensiebenhundertachtzehntausendsiebenhundertundvier Death Metal-Combos mal wieder einen anständigen Schreihals gefunden zu haben.

Das Beste aber ist, dass auch die Mucke der Niederländer bestens zu gefallen weiß. Brutalem Amitod-Geballer wird bei einem jeden Song eine liebliche Skandinavien-Melodei als Wegbegleiter mitgegeben, so dass das rüpelhafte Geschrote à la SUFFOCATION nicht völlig orientierungslos an des höchst geneigten Hörers Ohren vorbeihämmert. Dabei erinnern besagte Melodien, welche größtenteils zusammen mit der Blastkeule aus den Boxen bersten, eher an Black Metal-Irrwitz denn an die üblichen Verdächtigen aus dem weiten Felde des Elchtods.

Zudem groovt es an den richtigen Stellen und im Falle der Soli verweist man auch gerne mal auf die Landsmänner von PESTILENCE. Somit hieße es, ganz arg und böse zu lügen, stellte man es dem Fünfer in Abrede, der Abwechslung erfreulich oft zu huldigen. VICTIMIZER sind stets erfolgreich darum bemüht, der Monotonie keinen Fußbreit Raum zu lassen und arrangieren ihre Songs nicht nur geschickt (“To Preserve From Precipice“), sondern können gerade wegen der Verwendung ergreifender Melodien, auch wenn diese zum Teil recht subtil zum Einsatz kommen (“Feeding The Rats“), eine beachtliche Nachhaltigkeit entwickeln. Und die geht der Genre-Konkurrenz leider viel zu oft ab. Zwar könnte der Schlachtzeuger auf so manchen Blast verzichten, um den Groove-Faktor zu betonen und das Material hätte gerade bei den Songs, welche die sechs-Minuten-Marke knacken, ein wenig Straffung erfahren sollen, doch die Band hat alles in allem nicht viel falsch gemacht.

Schließlich stimmen die thrash-basierten Riffs einfach, die der Mucke die Durchzugskraft eines alten Ami-V8 verleihen. Überhaupt gibt es da günstige Parallelen, was den Sound angeht: es blubbert, bollert, röhrt, kreischt und brüllt an allen Ecken und Enden. Die Produktion schafft es überdies, alles so abzubilden, dass man sich an der Mannschaftsleistung hinreichend ergötzen kann.

Für Freunde abwechslungsreichen Todesstahls, die es nicht immer nur brutal, aber auch nicht zu weichgespült mögen, ist “Tales Of Loss And New Found Serenity“ Pflicht!

Und jetzt ab in den Keller – Kartoffeln holen!

19.11.2010

Der metal.de Serviervorschlag

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