Vitamin X - Ride The Apocalypse

Review

Soundcheck März 2026# 17

VITAMIN X aus Amsterdam treten an zu einer Runde fröhlichen Abgesangs. Auf das Ganze. „Ride The Apocalypse“ hält sich daher musikalisch wie textlich weder zurück noch mit irgendwelchen Feinheiten auf: Im Angesicht des Untergangs gibt es kurze, klare Ansagen, gibt es Thrash und Hardcore, gibt es Punk und Pit, gibt es: Crossover.

Andrei Bouzikov hat der neuen Platte der Niederländer hierfür das passende Antlitz gestaltet: Ein Skelett mit Bandana surft auf der Welle des Untergangs, während die Wolkenkratzer brennen und sich in den verseuchten Fluten diverses Getier bereit macht, der Evolution das arrogante Grinsen aus der Visage zu schnappen. Die Reiter der Apokalypse sind auch schon im Bild. Die Kollegen, die bekanntlich auf Lederrössern reiten und gekommen sind, um dir dein Leben zu entwenden.

VITAMIN X musizieren dringlich

Diese Darstellung vermittelt also durchaus eine gewisse Dringlichkeit. Die Chance ist erfreulich gering, dass man nach Betrachtung des Covers und den ersten Takten von „Ride The Apocalypse“ zwingend auf die Tageszeit oder die Konsequenzen schaut, bevor man das erste Bier trichtert. Oder dass man nach einem Grund sucht, bevor man die Tür des Hamsterkäfigs eintritt. Oder dass man – VERDAMMTE SCHEISSE NOCHMAL – irgendwas ab jetzt nicht schreit.

Apropos: SCHEISSE MINELLI stellen einen guten Startpunkt fürs Namedropping dar. Zumindest in der zweiten Hälfte ihrer neuen Platte ist die Musik von VITAMIN X nicht allzu weit vom offensiven Ansatz der deutsch-amerikanischen Hardcore-Punk-Freundschaft aus Bayern entfernt.

„Unleash The Wolves“ relativ weit vorn beginnt dagegen wie nicht ganz so nihilistische WOLFPACK bzw. WOLFBRIGADE als Sozius neben Lemmy. „Sociopath“ wiederum stiert mit flackerndem Blick in Richtung des Moshpits von MUNICIPAL WASTE/IRON REAGAN. Und „Sirens‘ Call“ kombiniert mit beiden Beinen im Hardcore eine melodische Gitarre mit ausgesuchten Unterhemd-Shouts und der Schlagader bei Kollegen wie SHEER TERROR.

„Ride The Apocalypse“ ist eine kompakte Huldigung

„Genetic Mutation“ lauert in der Mitte des Albums wie ein Song der DEAD KENNEDYS auf Thrash. Und dass „W.A.R.“ ohnehin in jedem guten Haushalt instinktiv mit „inside my head“ ergänzt wird, ergibt angesichts der rasenden frühen SUICIDAL TENDENCIES auch Sinn. Insgesamt verschiebt sich der Stil von „Ride The Apocalypse“ vom ersten bis zum letzten Takt tendenziell von der Matte zum Iro und bleibt dabei immer überzeugend.

Aber: Dass diese Art der Musik in der Regel erst live ihren vollen rabiaten Zauber entfaltet, versteht sich. Dass nur die Größten der Genres es vermögen, den Puls mit internationalen Superhits auch konstant auf 180 zu halten, das auch. Dass VITAMIN X also kaum ein Best-Of der genannten Einflüsse auf Platte gezaubert haben, ebenso.

Ob eine sehr solide halbe Stunde genreübergreifender Huldigung reicht, um die eigene Sammlung oder die digitale Bibliothek zu erweitern? You be the JUDGE! Kleine Entscheidungshilfe: Die Songs heißen „Genetic Mutation“, „Toxic Reality“ oder „Brainfreeze“ …

 

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12.03.2026

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