Xaon - Solipsis

Review

Galerie mit 14 Bildern: Xaon - live im Le Grillen in Colmar

XAON mixen modernen Death Metal mit recht komplexem Power Metal, garniert mit einer ordentlichen Portion orchestralem Pomp. Oder so ähnlich, oder aber doch ganz anders? Zugegeben, da rollen sich ganz sicher bei so manchem die Fußnägel umgehend hoch bis zum Anschlag. Doch was sich zunächst nach einer äußerst kruden Mischung anhört, entpuppt sich im Fall von „Solipsis“ als hochinteressante Scheibe.

Denn was haben so stilistisch unterschiedliche Bands wie DIMMU BORGIR, MERCENARY, SEPTIC FLESH, SAMAEL oder WINTERSUN gemeinsam? Man ahnt es schon, sie finden sich alle im Soundkonstrukt von XAON wieder. Klingt leicht unglaubwürdig, ist aber definitiv der Fall. XAON setzen sich beim Komponieren scheinbar überhaupt keine Grenzen, das muss man sich auch erstmal trauen und vor allem dann auch so viel draus machen. Absolut stark!

„Solipsis“ ist ein wahrer Monolith, ein Opus

Gleich im passend betitelten Opener „Monolith“ kreuzen modern angehauchter Death Metal und DIMMU-Bombast die Klingen und sorgen damit für eine sehr interessante Mixtur. Dazu gesellen sich hier auch schon erste Passagen von Klargesang, den Frontmann Rob Carson zum Glück prima beherrscht. Sein abwechslungsreiches und ausdrucksstarkes Organ ist definitiv ein großer Pluspunkt der Scheibe. Beim folgenden „Carillon“ driftet dieser Klargesang sogar teilweise ins Schräge ab. Hier wähnt man sich auch manchmal wie in einem Musical, verfasst von WINTERSUN-Jari, der gerade jede Menge QUEEN gehört hat. Was ist denn hier bitte los? XAON fügen zusammen, was scheinbar so gar nicht zusammen passen kann.

Der Titelsong und „Mbius“ haben eine deutliche Power-Metal-Schlagseite und wecken damit feine Assoziationen zu MERCENARY. Hier sind die Schweizer auch mal etwas geradliniger unterwegs, verzichten aber natürlich weder auf das Pompöse noch auf die einfräsenden Melodien. Gelegentlich wird es auch mal etwas düsterer, der Bombast ist quasi die einzige Konstante. Bei „Cipher“ schaffen es XAON sogar irgendwie, ihren ureigenen Sound mit dezenten Dosen NIGHTWISH und MORGUL anzureichern. Die einem hier gebotene Bandbreite ist wirklich enorm, da scheint kaum etwas unmöglich zu sein.

XAON mit einem Festschmaus für die Ohren

Der Keyboard-Bombast fügt sich generell sehr gut ins Gesamtbild ein, da wirkt aber auch gar nichts irgendwie gekünstelt, das soll und muss alles genauso sein. Beispielhaft dafür stehen die Chöre und die opulente Wucht à la RHAPSODY in „Eros“. Das ist einfach nur genial gemacht, ganz stark, die Herren lassen aber auch echt nichts aus. Man versteht längst nicht immer umgehend, was zum Teufel die Schweizer im nächsten Moment schon wieder anstellen. Aber man kann sich irgendwie der Faszination des Ganzen nur schwer entziehen. Scheinbar völlig überfrachtet und verquer, aber irgendwie fügt sich dann doch alles zusammen. Und jeder, der sich auch nur ein kleines bisschen für Bombast Metal erwärmen kann, sollte diese Scheibe ganz einfach mal gehört haben, die fasziniert und macht absolut süchtig.

Am Ende geht „Solipsis“ mit „River“ und „Mask“ vielleicht ein ganz klein wenig die Puste aus. Das ist angesichts des enorm hohen Gesamtniveaus jetzt nicht dramatisch und irgendwie sogar menschlich. Aber wenn XAON diese marginalen Schwächen beim nächsten Mal noch ausmerzen können, kaum auszudenken.

Hier kommt zusammen, was scheinbar gar nicht zusammen passen kann

Man erlebt wirklich nur äußerst selten eine Band, die genreübergreifend so gelungen unterwegs ist. „Solipsis“ ist ein wahrer Monolith, ein Opus, ein echter Festschmaus für den der Engstirnigkeit ausdrücklich abgeneigten Metaller. XAON pflügen quasi einmal quer übers Gemüsebeet.

Die Jungs legen unglaublich viele unterschiedliche Schichten gekonnt übereinander und verschmelzen sie zu einem hochinteressanten Ganzen. Das Opulente fügt sich nahtlos ins Gesamtbild ein. Oft wirkt Bombast ja etwas aufgesetzt, hier ausdrücklich nicht. Und man legt sehr viel Wert auf Melodien und lässt diese sich auch entfalten. Und wie es XAON in diesem Dschungel an Ideen schaffen, dennoch einen roten Faden für „Solipsis“ aufzuzeigen, das verdient absolut Respekt. Eine Scheibe dieser Art hört man echt nur äußerst selten, das ist großes Breitwand-Kino!

02.04.2019

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