Andreas Schöwe
Buchbesprechung zu "Wacken Roll - Das Größte Heavy Metal-Festival Der Welt"

Special

Pünktlich zum 20-jährigen Festivaljubiläum des W:O:A hat sich unser Kollege Andreas Schöwe (Metal Hammer) daran begeben, ein Buch mit dem wohlklingenden Namen „Wacken Roll“ zu verfassen. Ganz im ‚Wacken Spirit‘. Ja, genau: Wacken lebe hoch.

Andreas Schöwe

Dass das Buch von den Herren und der Dame in Wacken in Auftrag gegeben wurde, wird nur am Rande und ganz kurz erwähnt. Dabei wird hier eine Lobeshymne nach der anderen auf die Veranstalter und das Festival angestimmt. Kritische Stimmen lassen sich in diesem Buch gar nicht finden. Die einzigen, die durch die Blume etwas Kritik äußern, sind die Herren Kollegen und Chefredakteure Götz Kühnemund (Rock Hard) und Thorsten Zahn (Metal Hammer). Und selbst diese Kritik fällt im Ganzen ziemlich positiv aus.

Aber fangen wir von vorne an. Was gibt es eigentlich in diesem Buch?
Die Frage ist schnell und einfach beantwortet: Hier lässt sich – neben einem kleinen Überblick über die Gemeinde Wacken und einer Aufzählung der bisherigen Open-Air-Geschichte, nach Jahreszahlen aufsteigend genannt – lediglich eine Ansammlung unkommentierter Meinungen finden. Gewürzt wird das Ganze mit teilweise bisher unveröffentlichten Fotos aus der Wackenhistorie.
Von den Organisatoren (inkl. Feuerwehr und Polizei) über die eben genannten Herrn Kollegen, über Politiker bis hin zu Bandmitgliedern, die das Wacken Open Air schon in früherer Zeit mit dem Besuch ihrer Kapelle beehrt haben, ist alles vertreten. Auch Besucher kommen zu Wort. Eins haben sie allerdings allesamt gemein: Sie loben das W:O:A in den siebten Himmel, als die größte, friedlichste und geilste Metal-Party der Welt. Man hat geradezu das Gefühl, die Schreiber wollten es sich mit den Veranstaltern nicht verscherzen und sprängen aus diesem Grund ebenfalls auf dieses Boot auf, direkt hinein in die Liebesgrotte.
Zusätzlich zu diesem Punkt, der zumindest mich massiv stört, merkt man einfach, dass das Buch innerhalb kürzester Zeit zusammengezimmert wurde. Es strotzt nur so vor Rechtschreibefehlern, wurde also dementsprechend kaum Korrektur gelesen, wenn überhaupt. Das drängt einem ein Mal mehr das Gefühl auf, es würde versucht, die Kuh noch etwas weiter zu melken und mit dem Trademark Wacken noch etwas mehr Geld hervorzuzaubern.

Ob man solch ein Buch unbedingt braucht? Als Wacken-Fan vielleicht. Die meisten Wacken-Fans kaufen sich ohnehin alles, was nur entfernt mit der Vermarktungsmaschine W:O:A zu tun hat. Im Großen und Ganzen gibt dieses Buch eine recht trockene Übersicht über die Geschehnisse der letzten 20 Jahre, was das Buch für Fans immerhin ansatzweise interessant macht. Wenigstens gibt es zwischendurch einige lustige Dinge aus der Wacken-Vergangenheit zu erfahren, allein schon die Erlebnisse der auftauchenden Bandmitglieder (z.B. Onkel Tom, Doro und Sabina Classen). In der Vergangenheit kam es dabei auch öfter zu Problemen und Missverständnissen, aber die sind mittlerweile natürlich alle bereinigt und Wacken ist das geilste Event auf der ganzen, weiten Welt.
Für die Leute, die mit Wacken nicht soviel anfangen können und auf die Entwicklung des Festivals eher skeptisch schauen – wozu auch ich mich seit einiger Zeit zählen darf – bietet dieses Buch an und für sich kaum einen Kaufanreiz. Der Überblick über die Wackenhistorie ist ganz nett, die Stellungnahmen der Bandmitglieder im Großen und Ganzen lustig zu lesen, aber ansonsten bietet dieses Buch für Nicht-Fans nun wahrlich keinen Anreiz. Erst Recht nicht zu dem Preis, für den es erhältlich ist.

Wer lieber etwas zu schmunzeln haben möchte, sollte sich eher an „Die Wahrheit!!! …über Wacken!“ von Till Burgwächter und Jan Oidium halten. Das bietet einen sarkastischeren Blick auf die Geschehnisse dort oben, im hohen Norden Deutschlands, und schont zudem die Metaller-Goldschatulle. Value for money eben.

21.08.2009

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